Kapazitätsmessung beim Laden zeigt zuwenig an

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sk4477
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Kapazitätsmessung beim Laden zeigt zuwenig an

Beitragvon sk4477 » Sa 1. Okt 2016, 14:53

Ich hab mich gestern noch lange mit einem Akkushop Besitzer unterhalten. Akkutratsch könnte man es nennen. Er hat mich auf etwas hingewiesen, dass ihm eigentlich unnötigerweise oft Aufwand macht: Kundem lesen die eingeladene Kapazität am Display des einfachen Dampf-Laders ab und vermuten dann sofort Beschiss oder schlechte Ware, weil da weniger mAh stehen als im Datenblatt oder bei Akkutester XY.

Die Sache ist so:

Eine Kapazitätsmessung mit den dampferüblichen einfachen Akkuladern auf Basis der eingeladenen Kapazität ist nicht direkt mit den Kapazitätsangaben der Hersteller gleichzusetzen: die eingeladenen mAh bleiben hier sehr oft schon alleine deshalb hinter den erwarteten Werten zurück, ganz einfach weil Last und Abschaltgrenzen unterschiedlich sind, sprich der Grad der Entladung an dem die Ladung nun wieder beginnt ist nicht der Selbe.

Wenn der Akku vom Akkuträger zuvor nur bis 3,2 womöglich unter hoher Last entladen wurde, dann passen da nur weniger mAh wieder rein, als wenn der zuvor mit geringer Last "restlos" auf 2.5V entladen wurden. Wir wissen in der Regel nicht genau, wann der Akkuträger tatsächlich abschaltet, wie leer ist der Akku also wirklich gewesen?

Wir wissen zudem, dass die Hersteller liebend gerne die Kapazität mit für uns Dampfern lächerlich geringen Entladeströmen und bis zum tiefst möglichen Entladeschluss ermitteln: sehr oft mit 0,2C (das wären 0,6A bei einem 3000mAh Akku) bis 2.5V oder auch mal noch tiefer, damit da eine möglichst imposante Zahl bei rum kommt, die dann mit der Dampfpraxis aber auch nur wenig gemein hat.

Und das Ganze hängt auch stark davon ab, wie zuvor mit dem Akku gedampft wurde. Es macht einen riesen Unterschied, ob ich mit 3A Dampfe oder mit 30A. Bei 30A krieg ich deutlich weniger mAh aus meinem Akku raus als mit 3A, weil ich durch den deutlich höheren Voltdrop viel früher unter die Entladerschlussgrenze falle, also bleibt ein wesentlich größerer Rest im Akku, obwohl vermutlich beide bei 3.2V unter Last abgeschalten haben.

Etwas besser sind die Ladegeräte mit Analysefunktionen, die erst vollladen, und dann beim Entladen messen. Dort ist der Ausgangspunkt gleich(er) - nämlich "voll". Diese Ergebnisse kann man mit anderen Tests, die man selber zuvor gemacht hat vergleichen. Wenn wir unsere Ergebnisse aber mit den Ergebnissen aus dem Datenblatt oder von Akkutester X vergleichen wollen, dann müssen wir zudem noch die Entladeschlussgrenze und den selben Entladestrom auf den selben Wert einstellen können - und dann ists immer noch die Frage der Präzision der Messung.

Anderes Beispiel zur Verdeutlichung der Problematik: wenn ich die Kapazität meiner Regentonne daran messen will, wie viele Eimer Wasser ich da reinkippen kann, dann muss ich vorher dafür sorgen, dass bei jeder Messung jede Regentonne exakt gleich leer ist. Wenn da bei einer Tonne noch'n halber Meter Wasser drin steht, dann hinkt der Vergleich doch sehr. Wenn/Weil wir nicht sehen können, wie leer die Tonne bzw. hier der Akku tatsächlich ist, müssen wir andersrum messen: vollmachen und gucken wieviele Eimer (Eimer der selben Größe natürlich) wir rausbekommen, bis se ganz leer ist (oder zumindest bis zum exakt selben Rest-Wasserstand) sonst gibt das Murks.

Text zu lang, Kurzfassung: Die Anzeige der eingeladenen mAh ist nur ein sehr grober Orientierungspunkt

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Rutzki73
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Re: Kapazitätsmessung beim Laden zeigt zuwenig an

Beitragvon Rutzki73 » Sa 1. Okt 2016, 17:18

Danke SK4477!

Ich werde es in einem Satz zusammenfassen: Kapazität misst man von Oben nach Unten, also lediglich beim Entladen.
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Eisrausch
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Re: Kapazitätsmessung beim Laden zeigt zuwenig an

Beitragvon Eisrausch » Do 6. Okt 2016, 14:46

Es gibt auch Fälle, wo der Lader viel tollere Zahlen anzeigt. Vielleicht ein Fall für Akku Mythen Teil 2? :D

Vor kurzem durfte ich in einem Forum lesen, dass Akkus eine höhere Kapazität aufweisen würden, wenn man sie mit höheren Strömen läd. Angeblich steht sowas sogar irgendwo im Netz. Es soll also einen Unterschied machen, ob man einen Akku mit 1A oder mit 0,5A lädt. Dabei sollen Differenz von 100-150mAh bestehen. Diese Differenz zeigt jedenfalls das verwendete "AccuPower IQ328+" an, beim Laden natürlich. Aber dieser "eingeladene" Strom soll dann auch genauso wieder aus dem Akku rauskommen.
Diese Behauptung hat natürlich einiges an Diskussionen geben. Zur Untermauerung wurde eine Nicht-Hochstromfeste Panasonic-Zelle mit 1A geladen und musste wohl aufgrund der entstehenden Abwärme sogar im Kühlschrank geladen werden.
Der Facepalm hat mich fast rückwärts vom Stuhl gehauen. Klar, hier wird ein Teil der Energie beim Laden direkt in Hitze umgewandelt. Somit sieht es auch so aus, als würde mehr Kapazität in den Akku fließen. Sei mal dahin gestellt, dass man Kapazitäten eigentlich von oben nach unten misst. ;)

Es gibt also auch den umgekehrten Fall...

Eigentlich wollte ich die Beiträge zitieren, damit sich jeder ein genaues Bild machen kann. Aber dann wäre der Herr zu leicht ausfindig zu machen.
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Re: Kapazitätsmessung beim Laden zeigt zuwenig an

Beitragvon Rutzki73 » Do 6. Okt 2016, 20:35

Fast alle herkömmliche Verbraucher-Ladegeräte machen nichts anderes als zu rechnen.
Akku um 14:00 reingelegt - Ladestrom auf 1A gestellt - um 15:00 genau hat der Akku 1000 mA mehr im Tank.
Nicht umsonst wird die Kapazität als Verbindung zwischen 2 Größen benannt: Strom und Zeit.
Nehmen wir bspw. die Panasonic NCR18650B:
http://enerpower.de/wp/wp-content/uploa ... 18650B.pdf
Bei Entladung von 0,65A (0,2C) wird die Zelle nach 5 Stunden die minimale Kapazität von 3250 mAh haben. Entlädt man mit 1,3A (0,4C) wird die Zelle nach weniger als 2,5 Stunden leer. Da die Zelle eine gewisse gespeicherte Menge (Kapazität) als Wärme abgibt, wird die gemessene Kapazität entsprechend niedriger.
Da die Ladegeräte beim Einlegen eines Akkus lediglich die Spannung, aber nicht die gespeicherte Menge an Energie messen können, kann das Ladegerät lediglich die geladene Menge an Energie messen.
Das sollte jeder Verkäufer von Ladegeräten in einem Dampfladen wissen können.
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Re: Kapazitätsmessung beim Laden zeigt zuwenig an

Beitragvon Dirk555 » Do 6. Okt 2016, 20:38

Das kommt mir auch so vor, morgen gibt es da mal ein aktuelles Beispiel.
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Re: Kapazitätsmessung beim Laden zeigt zuwenig an

Beitragvon Dirk555 » Fr 7. Okt 2016, 20:47

So,
Nachdem ich diese woche probleme beim laden eines neuen a123 im vp2 hatte, es schaltete einfach nicht ab, hab ich mir das mal im opus angeschaut.
Erstmal den akku geladen und 2stunden liegen lassen.
Beim wiedereinlegen, hatte er dann 3,44v.
Charge test gemacht mit 0,5A, nach 5 Stunden war er auf 3V, nach weiteren 4,45 stunden auf 3,8V und nach 5stunden wieder voll 3,61V.
Immer exakt 2500mah.
Heute hab ich dann mal einen halb leeren eingelegt und den hat das opus dann bis 3,71V geladen.

Nun bin ich mal gespannt was das sky mc macht.
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Re: Kapazitätsmessung beim Laden zeigt zuwenig an

Beitragvon cubicDAU » Fr 14. Okt 2016, 06:45

Kleiner Einwurf, warum die Anzeige am Ladegerät doch hilfreich sein kann:

Meine Akkus werden im VC4 geladen. Dort erhalte ich die Spannung und die eingeladene Kapazität. Unabhängig von den Zahlen die da stehen, sehe ich

1. Die Spannung, bei der das Dampfen keinen Spaß mehr macht
2. Die zugeladene Kapazität

Ist die Spannung bei Einlegen hoch und die zugel. Kapazität klein brauch ich neue Akkus.

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Re: Kapazitätsmessung beim Laden zeigt zuwenig an

Beitragvon funkyruebe » Sa 15. Okt 2016, 00:36

Eigentlich zeigt das Ladegerät mehr an als man aus dem Akku später holen kann, da der Akku sich beim Ladevorgang leicht erwärmt und diese Wärme kommt ja nicht aus Leidenschaft, sondern vom Ladevorgang. Der Wirkungsgrad eines Ladevorgangs liegt sicher nicht bei 100%. Also zu wenig und doch zu viel oder zu viel und doch zu wenig.

Für normal Sterbliche, aber technisch Interessierte, halte ich die Kapazitätsmessung eines Laders X ( mit Entladefunktion ) für absolut sinnvoll, auch wenn die gemessene Kapazität nicht absolut richtig ist. Es geht ja weniger um höher, schneller, weiter, sondern um die Abweichung vom Neuzustand für den User.

Die absoluten Zahlen überlassen wir dann Stephan - hat ja sonst nix zu tun, auf seinem einsamen Berg.

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sk4477
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Re: Kapazitätsmessung beim Laden zeigt zuwenig an

Beitragvon sk4477 » Sa 15. Okt 2016, 00:58

Hmm.. da überkommt mich wioeder das schlechte Gewissen, muss morgen wieder paar Kurven machen..

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Re: Kapazitätsmessung beim Laden zeigt zuwenig an

Beitragvon funkyruebe » Sa 15. Okt 2016, 01:09

Morgen, äh heute, soll das Wetter recht schön werden, btw..


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