Impressionen eines „gebrauchten Akkus“

Von | 09.05.2018

Es war einmal im hohen Norden (also nördlich von Stuttgart), da lebte ein Akku-Pärchen, glücklich verheiratet. Die Idylle hatte ein jähes (und schmerzhaftes) Ende, als einer der beide in der Hosentasche seines Dampfers entgaste.. Was genau passiert ist, kann ich auch nicht sagen, aber der überlebende Partner, der sah so aus. Eine kleine Bilderserie, was mir daran aufgefallen ist..

Der Pluspol ist leicht eingedrückt, das halte ich in der minimalen Form so erst mal für vernachlässigbar. Solche kleinen Dellen passieren manchmal schon, in dem man den Akku Pluspol voran in den Akkuträger plumpsen lässt. Oder spätestens, wenn man danach den Deckel ein bissl zu fest zuschraubt. Viel stärker verdellt sollte es aber auch nicht werden. Im Grunde ist das irgendwo vom Konzept her schon doof: um einen möglichst guten Kontakt zu gewährleisten und mit wenig Verlust (Übergangswiderstand) auch hohe Ströme transportieren zu können, braucht es einen ordentlichen Anpressdruck. Aber die Grenze von „guter Kontakt“ zu „zerdrückt mir den Pluspol“ ist dann doch recht fliessend. Im Grunde sollten die Akkukontakte im Träger idealerweise wohl federnd ausgeführt sein und der Deckel nicht zu weit einschraubbar sein, was dann allerdings bei kürzeren Akkus auch wieder ein Problem sein könnte, wenns eben doch nicht reicht.

Das Problem beim Pluspol und bei stark eingedellten Pluspolen ist, dass das, was wir umgangssprachlich den Pluspol-Nuppel oder -blech nennen (in der Grafik unten Rot dargestellt), nur von sehr wenig Isolierung (dem Gasket Seal, in orange dargestellt) getrennt, in der „Krone“ des Akkus verpresst ist. Quetschen wir den Pluspol zu arg, kann die Isolierung auch mal mit *zerquetscht* werden, reissen und einen Kurzen fabrizieren, oder (eher selten) wir verbiegen das Blech so stark, dass es irgendwo mit dem Rest des Gehäuses, welches ja in seiner Gesamtheit den Minuspol darstellt, ungewollten Kontakt bekommt.

Bedenklicher als die hier noch sehr moderate Delle am Plus sind die „Schweißpunkte“ (nenne ich es mal). Die entstehen normalerweise immer dann, wenn irgendwo sehr hohe Ströme geflossen sind – meist völlig unkontrolliert und mehr als zulässig. Auch Arcing, also das Überspringen eines Funkens z.b. beim Einlegen in ein Gerät, kommt hier als mögliche Ursache in Frage. Wobei ich Arcing sonst eher als eingebrannte Löcher und nicht wie hier mit doch recht üppigem Materialauftrag kenne.

Am Minuspol ein ähnliches Bild:

Auch hier wieder eine leichte Delle und die ich nenne es Schweißspuren.. Jetzt schimpft mich der gute Assi bestimmt gleich wieder, aber diese Delle halte ich noch für vertretbar.

Der Mantel (umgangssprachlich Schrumpfschlauch) zeigt hier 2 blanke Stellen, wo Minus des Akkus frei liegt. Für sich ist das erstmal kein riesengroßes Problem, ausser im Stacking in einer Metalltube oder in den ganz seltenen Fällen, wo der Akkuträger Plus über eine Tube aus Metall führt – hab ich aber schon lang nimmer gesehen. Eine zusätzliche Isolierung im Innern eines Metallrohr-Akkuträgers – so wie es vor Urzeiten z.b. der Bulli gemacht hat ist da kein Fehler.

Schauen wir den Mantel weiter an, finden wir:

Kratzer, die zwar nicht bis aufs Metall durch gehen, aber zumindest mal die Frage aufkommen lassen, ob der Transport / die Aufbewahrung wirklich immer in geeigneter Transport-Schutzverpackung erfolgt ist.

Hier etwas versteckt in der Rille, die beim Verpressen entsteht, ist dann auch nochmal ein Riß komplett durch

Spannender sind aber die Dellen hier:

die sehen unterm Schlauch nämlich so aus:

HIer wurde deutlich die empfindliche Stelle gequetscht, an der Plus und Minus getrennt von einer dünnen Isolierung miteinander verpresst wurden. Vergleiche nochmal mit der Grafik oben, nur das „Gasket Seal“ verhindert hier den unvermeidlichen Kurzen. Wehe, wenn das gequetscht wurde.

Und die Delle am Mantel sieht so aus:

Selbst diese kleinen Ding dürfte tief genug gewesen sein, um die „Folienrolle“ im Innern des Akkus zu quetschen, was dann eben auch schnell mal zu einer Quetschung der dünnen Separatorschicht führen kann.

Anode und Kathode in unseren Akkus sind 2 dünne Folien, die von dem Separator als „Trennschicht“ voneinander getrennt, in einer mehr oder weniger dicht aufgewickelten Folien-Rolle im Innern des Akkus zu finden sind.

Archivbild: die weisse Folien-Rolle im Akku – ich muss mal nochmal ein besseres machen

Ein verletzter Separator kann –  irgendwann  – auch erst Wochen später bei ner eher harmlosen Erschütterung oder einfach aus Jux und Dollerei etc. mal zum internen Kurzschluss und damit dem thermischen Durchgehen führen. Der interne Kurzschluss ist extrem Blöd, da hilft kein CID, kein PTC – zwei Schutzvorichtungen im Innern des Akkus (siehe Grafik oben) mehr, die bei einem externen Kurzen noch was retten könnten.

War das letztendlich nun Grund für das Ausgasen des „Ehepartners“ dieses Akkus? Kein Plan. Es ist vorstellbar wegen der Dellen. Aber vielleicht war ja neben dem Akku in der Hosentasche auch noch ein bissl Kleingeld oder ein Schlüsselbund, das weiss ich nicht. Aber eines mag ich sagen: wenn der nun verwitwete Hinterbliebene so ausschaut, gehe ich davon aus, dass der, der letztlich entgast ist, eben auch nicht besser aussah. Jetzt ist leider nichts mehr erkennbar, das Ding hat sich recht druckvoll seiner Krone (das ganze Geraffel am Pluspol) entledigt, Mantel ist verkohl. Er ist so stark entgast, dass es es die gepresste Krone rausgerissen hat – man könnte fast explodiert sagen, aber dann schimpfen wieder alle.

Also sagen wir einfach: ist (wahrscheinlich flammend) ausgegast und sieht entsprechend aus. Am Bild dazu habe ich leider keine Rechte.  Der Träger der Hosentasche war im Übrigen auch nicht sehr erfreut.

 

Warum poste ich das alles?

Im Grunde sah der Akku zwar ein bissl malträtiert aus, aber ich hab schon viel Schlimmeres gesehen und die Besitzer denken sich nix dabei. Wahrscheinlich ruft jetzt gleich wieder einer: Alles Panikmache, seine sehen noch viel schlimmer aus und es passiert nix. Prima. Freut mich. Aber vielleicht hilft diese kleine Bilderserie und motiviert den Einen oder Anderen, mal nochmal seine Akkus genauer auf solche Schäden zu prüfen und den Akku dann vielleicht doch auszutauschen, bzw. mal zu schauen, warum er so starkes Arcing hat und ob das so sein muss oder den Schrumpfschlauch mal schnell zu erneuern. Dann wäre ja schon was erreicht.

13 Kommentare zu “Impressionen eines „gebrauchten Akkus“

  1. Ute Leschmann

    Das sollte Pflichtlektüre für Dampfer und Neueinsteiger sein …

    Antworten
  2. Borsti

    Der Tip mit dem gefederten Pol ist zwar im Grunde richtig aber wenn die Feder zu rauh ist kann es auch ebenso zur Falle werden.
    Das Bild zeigt einen Aku wo sich die Feder fleißig in den – Pol geschliffen hat, der Akku wurde inzwischen ausgesondert und wird nicht mehr verwendet.
    http://borstiweb.de/akku.jpg

    Antworten
    1. Stephan Autor

      Klar darfst Du, ich musste nur dem Spamfilter auf die Finger klopfen.. ;-)

      Aber jetzt sag mak, was hat der Kunde erzählt, was mit dem Akku passiert ist? Der war schon so, als er ihn bekommen hat, oder? ;-)

      Antworten
      1. Thomas

        Die Kundin war ganz nüchtern unterwegs. Funktioniert nicht mehr, sie wollte Ersatz. Da das aber ständig vorkommt, wird der Akku immer angefordert. Besser ist das wie man sieht, um sich vor unberechtigten Forderungen zu schützen.

        Wie man aber mit einem Akku im allgemeinen umgehen muss, um den in 3 Wochen so aussehen zu lassen, ist mir zu hoch. Wie man dann auch noch einen auf unschuldig machen kann, geht mir gar nicht in den Kopf.

        Antworten
  3. Ingo

    Danke Stephan!
    Hab mir direkt meine Akkus nochmal angeschaut. Hast dein Ziel erreicht. Man sollte die echt viel mehr im Auge behalten.

    Antworten
  4. Chris

    Vielen Dank für den anschaulichen Artikel!
    Das ruft einem mal wieder in das Bewusstsein, wie wichtig Akkusicherheit generell ist.

    Wenn ich darf, würde ich gerne an dieser Stelle auf den Beitrag der IG-ED zur Akkusicherheit aufmerksam machen: https://ig-ed.org/akkusicherheit

    Viele Grüße,
    Chris

    Antworten
  5. Maria Turisser-Walder

    Vielen Dank für den ausführlichen Artikel.
    Ich bin immer wieder dankbar für Informationen vom Fachmann, die dazu dienen, meine Sicherheit beim Dampfen zu erhöhen.
    Nach deinem Expertentalk zusammen mit deiner „moralischen Unterstützung“ in Form von Assi auf der HoV bei PhilGood habe ich ganz deutlich erkannt, dass mein Wissen über Akkus erhöht werden muss… ?
    Viele liebe Grüße
    Maria

    Antworten
    1. Stephan Autor

      Ei, da war ich schon ein bissl nervös.. aber is ja gut gegangen. Mit Philgood & Assi kann ja auch nix schiefgehen ;-)
      Ich will da ne kleine Serie von Blogposts mit wichtigen Tipps machen, bin da für jede Idee, was man da machen könnte dankbar :-)

      Antworten
      1. Maria

        gib mir mal bitte eine Email Adresse an die ich dir ein total nettes Foto von euch Dreien schicken kann :D

        Antworten
          1. Maria

            Quatsch! Gar nicht! :-)
            Email ist on the way… ;-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.