Jul 26 2016

Pipeline AIO

veröffentlicht in Kategorie eZigaretten  

Die Pipeline AIO im Test. Echte Leistungsmessungen, kleine Problemchen und die Frage, ist die AIO (nur) ein Einsteigergerät?

 

Die Pipeline AIO  ist eigentlich eine Joyetech AIO, nur eben von Joyetech für diese Shops anders gebrandet, ansonsten sind die gleich. Eventuell unterscheidet sich der Lieferumfang, das weiß ich nicht. Es handelt sich bei der AIO um ein sogenanntes “Hybridgerät”.

Ich finde ja die Bezeichnung Hybrid immer noch doof. Unter Hybrid versteht mein Duden was anderes, aber es hat sich nun mal so eingebürgert. Auf Englisch nennt sich das ein All-In-One- (“Alles in Einem”) -Gerät und und damit ist dann der Name AIO auch erklärt.

Gemeint ist damit, alle Bestandteile, hier: Akkuträger, “Akku”-Zelle, Tank und Verdampfer sind unzertrennbar in einem Gerät zusammen gefasst. Einzig die Fertigköpfe für die Wicklung lassen sich bei Bedarf tauschen. Der Vorteil eines AIO Geräts ist ja eigentlich etwas dünn: weniger Teile machen es dem Einsteiger vermutlich etwas einfacher und die Schwachstelle 510er Anschluss wurde eliminiert. Der Nachteil: geht ein Teil kaputt (z.b. der Akku), muss das ganze Gerät ersetzt werden, was angesichts des humanen Preis aber auch kein großer Beinbruch ist.

Einzelteile der AIO

Einzelteile der AIO

Der Verdampferteil der AIO

Der Verdampfer an sich ist eine etwas verkleinerte Variante des auch einzeln erhältlichen Joyetech Cubis Verdampfers und kann so auch viele Wechselköpfe des Cubis nutzen (0,5 Ohm, 0,6 Ohm, 1,0 Ohm, 1,5 Ohm Clapton funktionieren, die Ni200 Köpfe mit 0,2 Ohm und die 0,25 Ohm NotchCoil Köpfe gehen nicht in der AIO, bei den anderen Varianten weiß ich es nicht).

Bei Pipeline mitgeliefert wurden jeweils ein 1 Ohm Kopf und ein 0,6 Ohm Kopf, normale Standard Vertical Coil Köpfe aus Edelstahldraht SS318, die haben schon ordentlich Wums. Dampfeinsteigern würde ich erst mal zum 1 Ohm Kopf raten, lasst den 0,6er mal noch in der Packung. Der 1 Ohm Kopf dampft schon sehr gut und deutlich mehr wie man es von früheren Einsteigergeräten aus der eGo Klasse gewohnt war. Mit dem 0,6 Ohm Kopf erhöht sich die Dampfmenge und der Liquidverbrauch, es fließt auch mehr Strom, der Dampf und das ganze Gerät wird schnell sehr warm. Der Verbrauch nimmt drastisch zu, dafür nimmt die Laufzeit des Akkus merklich ab. 

Ich teste die AIO jetzt seit ca. einem Monat (überwiegend im Passthru) und habe in der Zeit noch keinen neuen Kopf gebraucht, allerdings nutze ich die 2 mitgelieferten im Wechsel – ich muss ja beide Varianten testen für den Review hier. Wie lange so ein Kopf hält richtet sich im Grunde danach, was in Eurem Liquid steckt, es gibt Liquids (meist die Dunklen), die setzen die Wicklung in so einem Kopf extrem schnell zu, ich nutze aktuell nur noch Base+Menthol, da hält so ein Kopf recht lang.

Der Tank fasst nominell 2 ml Liquid, das ist nicht wahnsinnig viel. Denkt dran, dass man den Tank nur etwas über halb voll machen darf, sonst suppt Euch beim Zuschrauben dann alles oben raus sobald der Kopf eingetaucht und das Liquid verdrängt wird. Neben dem Sichtfenster ist die maximale Füllhöhe markiert, allerdings ist diese Markierung auf der schwarzen AIO extrem schlecht zu sehen. Wenn ich den Tank noch etwas über die Markierung bis kurz vor Überlauf fülle bekomme ich bei 1,0 Ohm etwa 440 Züge aus einem Tank, bei 0,6 Ohm sind es noch 220 Züge. Üblicherweise sagt man, 12 Züge sind so etwa eine Zigarettenlänge, dann sind wir also grob bei zwei Schachteln mit 1 Ohm und 1 Schachtel mit 0,6 Ohm als “Vergleichsmenge”.

Der Tank ist farbig beleuchtet, die Farben sind einstellbar: weiß, blau, grün, hellblau, lila, rot und gelb. Braucht zwar kein Mensch, aber wenn durch das Farbenspiel die Unsitte entfällt, seine Liquids mit Lebensmittelfarben zu panschen nur damit es hübscher ausschaut, dann ist diese Spielerei ja doch zu was gut. Wer mag, kann die Beleuchtung auch komplett abschalten.

Der Tankdeckel der AIO hat eine kleine Besonderheit’: er ist “kindersicher”, wie bei manchen Waschmittelflaschen auch, muss man zum auf- oder zu schrauben den Deckel etwas nach unten drücken. Obenauf finden wir zumindest auf dem Papier einen AFC (Air Flow control”) Ring, also eine Einstellmöglichkeit für den Luftdurchzug bzw. Zugwiderstand. Die ist allerdings meiner Meinung komplett für die Katz. Sie verstellt sich viel zu leicht und der “Einstellbereich” ist viel zu klein, ob auf oder zu macht wenig Unterschied. Insgesamt hat die AIO einen eher leichten Zug, für Neu-Umsteiger könnte der Zug vielleicht schon etwas zu leicht sein, von der Kippe ist man es gewöhnt, stärker ziehen zu müssen. Mitgelieferten werden 2 DripTips: einmal ganz normal in transparent und einmal ein etwas kurz geratenes in Schwarz mit eingebautem Spritzschutz in Spiralform. Angeblich soll die Spirale “durch Verwirbelung” noch zusätzlich den Geschmack verbessern, das halte ich aber für Hokus Pokus. Ihr könnt es ja ausprobieren, es liegen ja beide bei.

Züge zählen ist nervig ;-)

Züge zählen ist nervig ;-)

Der Akku des AIO

Die Akkukapazität reicht mir beim 1 Ohm Kopf für etwa 1.5 Tankfüllungen. Der Akku lässt sich nicht auswechseln, hohe Ströme und tiefe Entladung lassen diese Akkus schnell altern, meine Vermutung ist, wir werden gerade mit den SubOhm Köpfen nicht groß über 100 Ladezyklen kommen, bevor merkliche Leistungseinbrüche spürbar werden – aber das ist jetzt erst mal nur Spekulation. Die AIO zeigt durch Blinken der Tankbeleuchtung an, wenn dem Akku langsam der Saft ausgeht.  Geladen wird der Akku über eine gewöhnliche MicroUSB Buchse, das entsprechende USB Kabel liegt bei – aber ein Netzstecker als Stromquelle fehlt. Den müsst Ihr Euch also selber noch besorgen, in der Regel hat man sowas von Handy & Co eh schon daheim rumliegen.

Sofern die Stromquelle es zulässt, lädt die AIO mit etwa 600 mA einen leeren Akku in etwa 2,5 Stunden wieder auf. Dampfen ist während das Ladekabel eingesteckt weiterhin möglich, wie bei nahezu allen Geräten dieser Klasse haben wir auch bei der AIO kein echtes Passthrough sondern ein ständiges Nachladen. Die Gesamtkapazität des Akkus messe ich wie von Joyetech angegeben mit 1500 mAh.

Bitte nutzt zum Laden nicht die USB 2.x Ports an Eurem PC/Notebook, die sind für diese Ströme nicht zugelassen.  Ein auf 1 A spezifiziertes Handy USB Lade-Steckerchen oder sowas ist die bessere Wahl. Wenns mehr A sind ist es auch egal.

 

Dampfleistung gemessen

Natürlich kann man die AIO ausmessen, man muss sich nur was basteln, wie man die Kontakte nach außen geführt bekommt.

Die AIO ist komplett ungeregelt. Will sagen: die AIO gibt wie ein rein mechanischer Akku stets 1:1 die Akkuspannung wieder, ohne dass die Spannung irgendwie regelbar wäre oder geregelt werden würden. Wir bestimmen die Dampfmenge darüber, welchen Kopf wir aufschrauben. Grob gesagt: ein Kopf mit weniger Ohm dampft mehr, einer mit mehr Ohm dampft weniger. Mit Nachlassen der Akkuladung sinkt nicht nur die Akkuspannung, sondern auch die Spannung, die beim Verdampfer ankommt. Dadurch dampft es dann gegen Ende der Akkulaufzeit deutlich weniger als noch zu Beginn mit vollem Akku – und genau das ist es, was mir bei ungeregelten bzw. mechanischen Akkuträgern nicht gefällt. Zwar hat die AIO keine Spannungsregelung, aber die gewohnten Schutzfunktionen elektronisch geregelter Akkuträger sind vorhanden: Zugbegrenzung, Kurzschlussschutz, Tiefentladeschutz & Überlastschutz. Wir haben hier also quasi die Schutzfunktion eines Geregelten und das Dampfverhalten eines mechanischen Akkuträgers kombiniert.

Wie bei so einem ungeregelten Akkuträger üblich, ist das Oszi Bild eine mehr oder minder gerade Linie.

Joyetech AIO 1.0Ohm Kopf, voller Akku

Joyetech AIO mit 1.0 Ohm Kopf – hier 3,44 V = 11,8 W

Der Akku hatte hier schon paar Züge hinter sich, die maximal gemessene Spannung bei 1 Ohm betrug 3,49 V also etwa 12,2 Watt. Die maximale Zugzeit beträgt 15 Sekunden.

15s im Verlauf (0,5 Ohm)

15s im Verlauf (0,5 Ohm)

Ich messe ein kleines Delay zwischen Feuerknopf Drücken und Losfeuern das ist in der Praxis aber nicht störend:

Beginn eines Zuges

Beginn eines Zuges.. was der wohl bei dem kleinen Höckerchen am Anfang treibt?

Zum Test der Leistung habe ich neben dem 1 Ohm Widerstand ein 0,5 Ohm Messwiderstand benutzt, da ich keinen passenden in 0,6 Ohm hier rumliegen habe. Mit dem 0,5 Ohm Widerstand komme ich auf eine maximale Leistung von 18,4 W. Der Akku bricht unter dieser Last doch schon deutlich ein (gerade noch ~ 3,05 V kommen am Verdampfer an), darum musste Joyetech auch die Abschaltspannung ungewohnt tief ansetzen: die AIO schaltet erst ab, wenn die Spannung unter Last unter 2,5 V fällt.  Für den 0,5 Ohm Kopf sind das kurz vor der Abschaltung noch eine Leistung von 11,4 Watt

Nochmal zusammengefasst:

1 Ohm: erzielbare Leistung zwischen 12,2 und 6,3 Watt
0,5 Ohm: erzielbare Leistung zwischen 18,4 Watt und 12,5 Watt

Problemchen, die mir in der Testzeit aufgefallen sind:

  • Blubbern nach dem Auffüllen: Beim Zudrehen komprimieren wir die Luft im Tank, dadurch wird Liquid in den Verdampferkopf gedrückt. Wenn das zuviel wird, dann blubberts. Das lässt sich am einfachsten vermeiden, in dem wir den Deckel erst nur soweit zuschrauben, bis das Gewinde gerade zu greifen beginnt und die Dichtung abdichtet. Dann einfach über Kopf halten und komplett zudrehen, fertig. Nun drückt es kein Liquid in den Kopf und es blubbert nix.
  • Mit dem 0,6 Ohm Kopf hatte ich alle paar Tage mal einen DryHit. Keine Ahnung wieso, eventuell ist auch mein Liquid einfach nur etwas zu dickflüssig. Hier hilft der Effekt vom letzten Punkt: aufschrauben und ohne auf den Kopfstellen wieder zuschrauben, dabei wird etwas Liquid in die Kammer gedrückt, dann tut es wieder.
  • Wenn ich viel und lange mit der AIO dampfe, dann sammelt sich “Sabber” (vermutlich überwiegend kondensierter Dampf – es ist der Konsistenz nach kein reines Liquid) in der AFC des Verdampfers, die sifft dann gerne mal ein klein wenig aus dem Luftspalt oder es suppt oben etwas an der AFC rum, wenn man den Ring dann hoch und runter wackelt klingt das “matschig” und es blubbert. Das wieder trocken zu bekommen ist etwas nervig, hier rächt es sich, dass man das Teil ned zerlegen kann.
Geringes suppen oben an der AFC

Geringes Suppen oben an der AFC

Mein Fazit:

Trotz der angesprochenen Problemchen halte ich die AIO für eine ordentliche, sehr kompakte Dampfe und ein deutlicher Schritt nach vorne in der eGo Akku Klasse. Sie ist extrem einfach in der Handhabung, das “Eintauch-Konzept” gefällt mir z.B. sehr gut, damit ist unten rum auch wirklich mal alles dicht. Der Käufer muss sich nicht mit Industriezellen und Ladetechnik herumschlagen, Fertigköpfe in unterschiedlichen Ausführungen erlauben Leistungsanpassung ohne selber Wickeln zu müssen. Die AIO funktioniert zuverlässig und ist intuitiv zu nutzen. Auch trotz des AFC Gegurgels ist die AIO alles in allem ein vergleichsweise sifffreies Gerät. Sehr erfreulich ist auch der geringe Preis: die AIO ist deutlich unter 30 Euro haben.

Akkulaufzeit und Tankgröße sind natürlich recht knapp bemessen, eine einzige AIO wird mir bei meinem doch sehr ausgeprägten Dampfkonsum nicht über den Arbeitstag reichen, Nachfüllflasche in der Tasche und Lademöglichkeit im Büro oder Auto sind also Pflicht, wenn man mit nur einer AIO über den Tag kommen möchte.

Die AIO ist meiner nach gut für Einsteiger geeignet, gerade für Einsteiger die zuvor sehr stark geraucht haben. Man sollte sie aber keinesfall als “Anfängerspielzeug” abtun, ihre Leistung reicht durchaus auch für anspruchsvolle Dampfer zwischendurch, für nen kurzen Trip zum Einkaufen oder in den Biergarten. Anders als bei früheren Generationen der eGo Akkus komme ich mit der Dampfleistung der AIO wunderbar zurecht, sogar schon mit dem 1 Ohm Kopf, der mir persönlich deutlich lieber ist als der 0,6er. Eine Taktung (= gleichbleibende Leistung während der gesamten Dampfzeit) hätte ich allerdings schon gerne gehabt, das war ja sonst üblich für eGos. Die Mountain Frau, die ja sonst auf Ultra Minis / Cigalikes steht, die beklagt sich bei der AIO dann schon wieder über zuviel Dampf und zu leichtem Zug. Die werde ich in diesem Leben wohl nimmer bekehrt bekommen.

Wir gehen mit kompakten Geräten immer Kompromisse ein, gerade was Tankinhalt und Akkulaufzeit angeht. Das ist auch bei der AIO der Fall, die Dampfqualität der AIO braucht sich aber nicht vor größeren Geräten verstecken. Einsteiger oder umsteigewillige Raucher schlappen am Besten mal in einen Dampfshop ihrer Wahl und lassen sich die AIO mal vorführen. Fragt da auch mal nach den 1.5 Ohm Clapton Köpfen, das könnte auch noch interessant sein, hatte ich jetzt leider keine mitgenommen.

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4 responses so far

4 Responses to “Pipeline AIO”

  1. bloxon 26 Jul 2016 at 12:29

    “Die Mountain Frau, die ja sonst auf Ultra Minis / Cigalikes steht, die beklagt sich bei der AIO dann schon wieder über zuviel Dampf und zu leichtem Zug. Die werde ich in diesem Leben wohl nimmer bekehrt bekommen.”

    Haha, ich glaube, wir sind mit der selben Frau verbandelt. Danke für den Test. In der Ego AIO kommen die 1.5 Ohm Claptons meiner Meinung nach nicht so toll raus. Sie dampfen zwar gut, aber geschmacklich sind sie irgendwie ein bisschen flach. Da das aber meine ersten Claptons ever sind, kann es auch sein, dass ich dem Hype nicht gerecht werde. Die 0.6er MTL waren für meinen Geschmack am Besten. Leider lassen sich die Köpfe auch mit der RBA nicht sonderlich gut für MTL wickeln. Vielleicht fehlt mir da aber auch noch die Expertise.

  2. Daniel Kelterbaumon 10 Aug 2016 at 01:55

    Tolles Review, danke Bergprophet. :) ;)
    Ich halte die 0.6 Ohm-Köpfe ehrlich gesagt für grausig. Die 0.5 Ohm-Köpfe vom Cubis schmecken in meinen Augen wesentlich besser. Sie sehen von oben betrachtet auch anders aus als die mitgelieferten. Warum genau kann ich leider nicht sagen. Einfach mal ausprobieren. :)

    Lg Daniel

  3. Danon 19 Aug 2016 at 12:29

    hi

    der einleitende satz des letzten abschnitts stimmt nicht mehr. ich war selbst verwundert über die letzten entwicklungen. ich selbst hab noch eine eCom supreme zuhause, die ganze 22cm misst. Ich habe sie mir damals wegen des “starken” akkus gekauft. 2200mAh waren das damals. Heute hat das kleinste Modell (eVic) die möglichkeit zu 5000 mAh.

    hier mal die erste evic, älteste modell, http://www.ezigaretten-test.org/innocigs-evic-vt/
    die neuen füg ich noch hinzu, dann kannst du in den graphen noch deutlicher erkennen was ich meine!

  4. adminon 21 Aug 2016 at 21:31

    Dan, Du hast natürlich recht, da war ich irgendwie in der Cigalike Steinzeit gefangen. Ooops.

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