Jan 17 2014

OMG So darf man doch nicht messen !!!11elf

veröffentlicht in Kategorie eZigaretten  

Wenn ich eines besonders leiden kann, ist es, wenn ich nenne es jetzt mal Nebelkerzen gezündet werden, weil man mit den Ergebnissen der Testreihen nicht zufrieden ist. Ein Blick auf die gängige Messmethode bei Verdampfertests hier und auf Youtube & Co.

Ein von einem Akkuträger-Bauer beauftragter Elektronikhersteller zeigte sich mit den von mir gemessen Abweichungen der tatsächlich ausgegebenen Leistung in Watt wohl unzufrieden. Über meinen Ansprechpartner beim eigentlich Hersteller des Trägers lies er anmerken, dass man so, wie ich hier messe, einfach nicht messen dürfe. Grundsätzlich hab ich Null Probleme, darüber zu diskutieren was und wie ich messe, aber wenn Leute, dies eigentlich besser wissen müssten, fadenscheinige Argumente bringen, dann ärgert mich das etwas. Das lies mir keine Ruhe, also musste ich jetzt einfach was dazu schreiben.

Vorwurf 1: Man darf nicht einfach nur die Stromstärke (Ampere) am Verdampfer errechnen, das muss zwingend parallel gemessen werden!

Was soll dabei nun groß anderes rauskommen, wenn ich das parallel messe? Die Werte hängen ja voneinander ab, oder hab ich den Zusammenhang nur geträumt im Physikunterricht damals? Vielleicht meint er ja auch, dass ich nicht in der Lage wäre, das parallel zu messen? Glaubt er wirklich, dass ich den Vergleich nicht schon längst gemacht hätte? 

Nun, ich dachte nicht, dass ichs mal dokumentieren müsste, aber dann machen wir halt auch das mal:

tabelle

Auswirkung Strom gemessen vs. errechnet (klick macht groß)

 Das ist also der übliche Akkuträger (VW) Test, allerdings in 2 Varianten ausgeführt:

  • Variante 1: in Spalte D haben wir die tatsächlich parallel gemessenen Stromstärke (hier über einen Shunt gemessen) und errechnen damit die Ist-Leistung am Verdampfer, die in Spalte E eingetragen wurde.
  • Variante 2:  wie sonst auch immer mit der einfach nur errechneten Stromstärke in Spalte G. Mit dieser errechneten Stromstärke rechnen wir nun wieder die Ist-Leistung aus und tragen dieses Ergebnis in Spalte H ein.
  • So, und nun vergleichen wir diese 2 Ergebnisse, also die Ist-Leistung aus 2 Messwerten (Strom+Spannung) in Spalte E mit dem – ach so unbrauchbaren –  Ergebnis aus nur 1 echten Messwert in Spalte H..

Und was sehen wir? Der Unterschied ist absolut vernachlässigbar! Im Schnitt unterscheiden sich die Endergebnisse hier bis auf 1-2 Ausreißer um nicht mal 1% oder 0,1W.  Das mag für einen professionellen Elektronikbetrieb katastrophal sein, für uns Dampfer mit Hobby-Messfetisch ist das meiner ganz bescheidenen Meinung nach gänzlich vernachlässigbar (da dürften andere prinzipbedingte (Mess-)Fehler deutlich mehr ins Gewicht fallen).

Ein Wunder?! Nein. Das war zu erwarten. Wie soll da auch groß was anderes bei rauskommen?

Lustig finde ich, dass die so nachdrücklich geforderte wahre Messmethode die Genauigkeit dieses einen Träger sogar nen Tick schlechter dastehen lässt als die Messungen, die ich nach der “unbrauchbaren” Methode gemacht habe. Sowas nennt man glaub “sich selbst in Knie schießen”. Der Träger profitiert wenn man genau hinguckt von der “ungenaueren” Messmethode.

Vorwurf 2: Unsere Fertig-Drahtwickelwiderstände sind unbrauchbar, dass muss mit Elektronischer Last gemessen werden.

Nun, wenn ich mit sowas mein Geld verdienen würde, hätte ich mir aus Prinzip schon lang so ne elektronische Last gekauft. Aber das ist hier nur ein Hobby und verdient wird hier (leider) herzlich wenig damit. Eine elektronische Last kostet dann mal so einen richtig dicken Batzen Kohle, da war mein Oszi noch ein Schnäppchen ;-)

Aber selbst dann bliebe ich auf meinem Standpunkt: Mir gehts hier gar nicht um eine hochprofessionelle Messung der Regelung der Platinen unter optimalen Laborbedingen, das brauch ich nicht und die ist mir eigentlich relativ egal. Was mich (und vermutlich uns Dampfer alle) viel mehr interessiert, ist wie sich dies auf die Praxis mit einem echten Verdampfer auswirkt.

Ein echter Verdampfer ist keine Elektronische Last. Ein echter Verdampfer ist ein gewickelter Widerstandsdraht, der sich manchmal auch mal etwas eigenwillig verhält, der in seinem Widerstand schwankt und auch ned so sonderlich genau definiert ist, der schwingt, der sich erhitzt, sich ausdehnt und sonstige lustige Sachen macht. Das sich ein Verdampfer in der Praxis von einer elektronischen Last deutlich unterscheidet, dass musste erst vor Kurzem ein anderer deutscher Hersteller am eigenen Objekt erfahren.

Wir dampfen keine elektronischen Lasten, wir dampfen krude Drahtspulen. Ich halte daher ein Test mit einer elektronischen Last für nicht wirklich realistisch. Der Drahtwiderstand ist schon ein Kompromiß, die elektronisch Last dann schon ne ganz andere Baustelle imho.

 

Meine Fazit:

Seit etwa 1.5 Jahren hat sich in der Dampferszene nun diese “Messmethode” für Akkuträgertests eingebürgert und soweit etabliert, dass heute jeder mir bekannte Youtuber, Blogger oder auch Hobby Dampfer im Grunde den selben Ansatz zur groben Beurteilung der Akkuträger Leistung und Genauigkeit benutzt. Das geht zum Teil sogar soweit, dass “wir” Messfreaks die gleichen Multimeter benutzen, wir alle die gleichen Drahtwiderstände in mal mehr oder weniger hübsche Kistchen schrauben und alle das Gleiche messen. Das finde ich sehr gut so, denn letztlich sollen die Ergebnisse vergleichbar und idealerweise auch austauschbar sein. Egal, ob das nun der Obi vom Dampfersofa, die 2 aus der Dampferküche, der gute Navy oder meine damalige Inspiration PBussardo ist, der bei mir das Messfieber erweckt hatte. (ein fettes Sorry an alle, die ich jetzt vergessen habe). 

 Ja, das ist mit Sicherheit nicht der genaueste Ansatz, auf den sich die Dampferszene da nun eingefahren hat, mit noch zig Fehlerquellen, wir wissen wohl alle, dass das nicht Perfekt ist, was wir tun. Die Elektronik-Hersteller sollen bitte den wesentlich höheren Aufwand treiben als wir Hobby-Messfreaks, mit elektronischen Lasten, mit den gelben ultrateuren und ultragenauen Messwerkzeugen und unter den optimalen Laborbedingen, aber bitte dabei die Praxis: der krude gewickelte Widerstandsdraht nie aus dem Auge verlieren und vor allem nicht, die lange Zeit einzig brauchbaren Ergebnisse aus der Community mal schnell  als Nonsense abtun. Ich halte unseren unperfekten Ansatz für die “Simulation” der auch nicht perfekten Dampferei  nämlich durchaus angemessen.

Die ganze Messerei ist ja eh nicht so ganz einfach, denn wirklich aufs zehntel Volt konstante Spannung gibt kaum einer der Akkuträger ab, ich mach ja nicht ganz ohne Grund immer 3 komplette Messreihen – neuerdings auch mit unterschiedlicher Stromversorgung, die dann am Ende gemittelt werden (als da wären: normaler Akku, Ultra-HighDrain Akku und Labornetzteil stabilisiert): Das Messen rutscht teilweise so schon in eine eher “statistische Auswertung” oder “gefühlte Schätzung” ab. Da hilft es auch nicht wesentlich, nun auch die Ampere parallel zu erfassen.

Oder auf Deutsch gesagt: angesichts der wie oben nachgewiesenen nur sehr geringen Abweichungen zwischen nur errechneter und gemessener Stromstärke sehe ich für mich erst mal keinerlei Veranlassung, künftig immer beide Werte zu erfassen. Ich bin generell auch nicht sonderlich geneigt dazu, das etablierte Verfahren nun für einen Träger über den Haufen zu werfen, werde allerdings auch weiterhin schauen, wie sich das Thema denn in der Szene so entwickelt.

.

No responses yet

Comments RSS

Kommentar dazu? (Geht anonym und ganz ohne Anmeldung)