Oct 21 2013

Reloop ADM-4: Kompakte (Pseudo-) StudioMonitore für wenig Geld

veröffentlicht in Kategorie Computer  

LowBudget aktive Nahfeld-Studiomonitore als Ersatz für PC Speaker Sets ala Logitech, Creative & und Co? Jo, warum eigentlich nicht..

Nachdem mein ehrwürdig ergrautes PC-Boxenset sein eingebautes Verfallsdatum überschritten hatte, wars mal wieder an der Zeit auf Boxensuche zu gehen. Ich wollte diesmal kein 5.1 Surround-Soundset mehr, 5.1 – das sind mir zuviele Kabel für zuwenig Nutzen. Da ich den PC kaum noch für Gaming oder DVD/BluRay nutze fehlen mir nun auch die Surround Quellen. Haupteinsatz für mich ist letztlich primär Stereo Musik / Video Streams in Stereo, kaum noch Daddeln und dafür ein bissl Homerecording bzw. Einsatz anstelle eines Practice-Gitarrenamps (über mein Focusright Scarlett bzw. Line6 POD Farm). Die Versuchung, es mal mit einem sogenannten “Profi”-Nahfeldmonitor anstatt der üblichen PC Brüllwürfel  zu versuchen war entsprechend groß.

Auch wollte ich komplett weg vom Miniatur-Satwürfel mit Subwoofer Konzept – mit seinen in der unteren Preisklasse meist sehr orginellen bis gruseligen Klangeigenheiten. Die kleinen Plaste und Elaste-Satwürfelchen klingen idR für Stereomusik grausig und der Sub muss auch immer viel zu hoch mitspielen. Nein, ich wollte eine solide Regalbox in tatsächlich regaltauglichen Abmessungen, die auch für sich selbst – auch ohne einen unterstützenden Subwoofer  –  noch alleine für sich stehen kann, also ein fürchterlich altmodisches “Keep it Simple” 2.0 Stereoset – und bitte billig, die Anlage im Wohnzimmer hat das Budget der letzten und der kommenden nächsten 10 Jahre bereits aufgefressen ;-)

 

ADM-4 Boxenset - Fotos von Reloop

Reloop ADM-4 Boxenset – Fotos: (c) Reloop

 

Reloop und die ADM-4 

Für knapp 115 Euro fiel mir nach langer und vor allem frustrierender Suche (findet mal was kleines, aktives, nicht PC-Brüllwürfeliges was inklusive Stecker in ein Ikea-“Lack”-Regal mit seinen 25cm Tiefe passt) dann die Reloop ADM-4 ins Auge. Reloop ist als deutscher Hersteller für DJ Equipment schon länger am Markt und  geniesst in diesem Bereich einen so wie ich das überblicke doch recht guten Ruf. Apropos Ruf: ich wollte bei der Gelegenheit auch mal deren Presale Support auf den Zahn fühlen und wurde nicht enttäuscht: meine Anfrage wurde zeitnah und kompetent beantwortet. 

Egal, zurück zur ADM-4, das kleinste und günstigste Boxenset aus Reloops Lieferprogramm: eine 2-Wege Bassreflex Kombo, aktiv mit 2*16Watt RMS, in regalfreundlichen 16x26x20cm (BxHxT) und damit doch etwas Volumen.

Bei Boxen gibts meiner Meinung nur eines, was besser ist als Volumen, nämlich noch mehr Volumen, drum stehen hier auch Kindersärge im Wohnzimmer und keine neumodischen Alustangen oder versteckte MiniWürfel).

Die ADM Serie kommt klassisch aus Spanplatte mit einer umso weniger klassischen gewölbten Hochglanzplastik Front und durch die unverkleideten Chassis etwas prolligem Aussehen. Nur die linke Box des Sets hat den Verstärker und die übrige Elektronik eingebaut, die rechte Box aus dem Set ist komplett passiv und wird über 2 Paar (brauchbaren) Mini-Schraubklemmen und dem mitgelieferten 2m Standard-Lautsprecherkabel mit der linken Box verbunden.

hübsch..

hübsch..

Erst mal angeschlossen – ganz einfach wie bei allen aktiven PC Boxensets üblich per Stereo-Miniklinke aus der Soundkarte raus und mit Rot/Weiss Cinch in die Anschlussbuchsen der linken ADM-4 Box rein.  (Das passende Kabel dazu liegt *nicht* bei, Reloop packt nur  ein normales Chinchkabel in den Karton).  Der Strom kommt per flachem Eurostecker (Netzteil in der linken Box eingebaut) dazu und eine wenig “dezente” blaue PowerLED zeigt nach dem Einschalten die Betriebsbereitschaft an, weitere Statusanzeigen gibt es nicht, also auch keine Clipping oder sowas.

Immer diese grellen blauen LEDs, ich hoffe das kommt mal wieder aus der Mode..  Ich hab jetzt also nen großen blauen Lichtfleck an der Wand, zumindest solange, bis ich ich die Rolle Isoband wieder gefunden habe..

 

Rückansicht - (c) Reloop

Rückansicht – (c) Reloop

Gedanken zum Klang

Also, erst mal angeschlossen klingt das ganze zwangsweise bei blauem LED-Licht betrachtet erst mal.. weder nach Hifi und auch nicht “StudioMonitor-typisch”: die ADM-4 kommt sehr warm rüber und out-of-the-box recht unspektakulär, am unteren Ende “im Basskeller” erst mal sehr verhalten. Schon eher “Monitor-like” sind die deutlich präsenten Höhen. Während der 1″ Hochtöner also schon in Neutralstellung ausgesprochen spritzig zur Sache geht, darf man vom kleinen 4″ Basstreiber sowieso keine Brachialgewalten erwarten.  Reloop gibt einen Frequenzbereich von 50 – 20.000 Hz an. Die 50Hz sind dann allerdings meiner Meinung doch wieder mal recht optimistisch.

Wer mag, kann über den rückseitigen 3,5mm Klinkenausgang einen beliebigen aktiven Sub oder den von Reloop speziell für die ADM Serie angebotenen Subwoofer zur Unterstützung mit geben – aber genau das will ich persönlich nicht – und sehe auch keine Veranlassung dazu. 

Durch die auf der linken Box vorhandenen Höhen und Bassregler lässt sich diese anfängliche Klangoriginalität der ADM-4 dann in gefälligere Bahnen lenken: ein beherzter Dreh am Bassregler, so ein gutes Drittel, die Box ins Regal nahe an die Wand und schon wird das unten rum dann durchaus stimmiger und kann wohl auch die Freunde der “Ooomph Ooomph Orgien” zufrieden stellen, bleibt aber damit zwangsläufig ausgesprochen warm im Gesamtbild.  Als dritter und letzter Regler findet sich dann noch ein Lautstärkeregler und das wars dann auch wieder mit den Einstellmöglichkeiten, drüber raus hilft dann nur noch der Equalizer der Abspielsoftware.

Im sauber ausgerichteten Stereodreieck leistet die ADM-4 erstaunliches.. Hut ab, das hätte ich so nicht erwartet, räumlich, schön gestaffelt, ja, das kommt recht gut. Basswunder darf man keine Erwarten, wobei auf kurze Abhörentfernung is das eh so ne Sache… Wer die ADMs entsprechend stellen kann: auf Ohrhöhe, idealerweise im optimalen Stereodreieck auf die Hörposition ausgerichtet, der kriegt auf jeden Fall für vergleichsweise wenig Kohle gut was auf die Ohren. Aber auch ausserhalb der Idealposition klingt die ADM-4 noch wesentlich besser als das, was ich bisher an PC-Boxen hier hatte, egal ob nun Logitech, CreativeLabs, ja selbst das lange Zeit als PC-Referenz gehandelte Teufel Concept E Magnum, was ich bis gestern noch angeschlossen hatte. Ich hasse Klangbeschreibung, ich fasse mich kurz: ich bin mehr als zufrieden.

Die ADM-4 zeigt sich trotz geringer Größe und wenig beeindruckender (aber zumindest ehrlicher) Wattangabe von 2*16W RMS überraschend spielfreudig und recht dynamisch, da geht auch ein Ballerspiel oder ein Action-Film wenn man auf Surround verzichten kann. In kleinen Räumen bzw. auf kleiner zu beschallender Fläche bis ich sag maximal 12 Quadratmeter erzielen wir auch ordentliche Lautstärken, die für lautes Musikhören nebst einem rockigen Gitarrrensolo mit meiner Klampfe ausreichend Druck machen – aber zur Partybeschallung im Wohnzimmer taugt das nicht. Trotz überraschend hoher Pegelfestigkeit: zum oberen Leistungsende hin beginnt die ADM-4 dann auch merklich zu verzerren und man regelt freiwillig wieder runter. Ein sogenannter Nahfeldmonitor – auch wenns nur ein Pseudo ist, ist halt nunmal auf kleinsten Raum und direkt auf den Hörer ausgerichtet gedacht. 

 

(Kein) Rauschen im Walde

In den wenigen Testberichten, die ich zur ADM-4 vorab gefunden habe wird teils von einem leichten Brummen im Idle gesprochen, welches aber sobald tatsächlich etwas abgespielt wird verschwinden bzw. untergehen soll. Nun, das Brummen kann ich *nicht* bestätigen. Letztendlich kann das ja auch noch alles Mögliche sein, was da brummt.. Masseschleifen, sonstigen Störeinstrahlungen und nicht immer wirklich “audiophile” Soundkarten. Wie dem auch sei, ich kann bei den ADM-4 keine Störgeräusche vernehmen, wollte es aber zumindest mal erwähnt haben. 

 

Warum eigentlich “Pseudo”-StudioMonitore?

Von einem StudioMonitor erwartet man vor allem eine konsequent neutrale Abstimmung, die ADM-4 sind deutlich gefärbt. Ein Nahfeldmonitor wirkt eher analytisch kalt, die ADM sind dagegen sehr warm.  Dann fürs Nahfeld ein besonders eng fokussiertes Abstrahlverhalten, außerdem wird sehr hohe Pegelfestigkeit erwartet. Optimales Zusammenwirken der einzelnen Chassis, usw. Ziel eines Studio-Monitors ist die möglichst unverfälschte Wiedergabe, frei von äußeren Einflüssen.

Darüber hinaus erweckt die Bezeichnung StudioMonitor dann auch noch gewisse Begehrlichkeiten an Ausstattung, auch wenn das eigentlich per Definition erst mal wenig mit zu tun hat: Nicht selten finden sich bei Studiomonitoren dann symmetrische Eingänge insbesondere die wesentlich professionelleren XLR oder auch symmetrische Klinke und nicht nur die einfache Cinchbuchse als einziger Eingang. “Symmetrie” dann auch gerne bei den Boxen selber, also kein passiver zweiter Lautsprecher der von der linken Box mitversorgt wird (wobei das bei der ADM Serie zumindest den Vorteil hat, das man nur die linke Box mit den Kabel anfahren muss und nur eine Steckdose belegt wird). Klangregler wie die ADM mitbringt sind bei echten StudioMonitoren dann eher fehl am Platz.

Reloop liegt mit seiner ADM-4 oder dem etwas potenterem großen Bruder ADM-5 meiner Meinung da so irgendwo zwischen den Stühlen zwischen LowCost Studiomonitor und besseren PC-Boxen, ich seh das so als ein bißchen hiervon und ein bissl was davon, von allem etwas – fürs Hobbyzimmer zuhause. So richtig Aktivmonitor, das wären dann eher die Modelle aus der größeren “Wave” Serie von Reloop, die kosten aber gleich mal das doppelte.

 

Mein Fazit:

Für den Preis von 115,- Euro das Set erhält man kompakte, unproblematische Boxen für den Heim-PC die zwar den Anspruch Studiomonitor nicht so wirklich erfüllen, aber nichtsdestotrotz den Aufpreis zum PC-Brüllwürfel klanglich mehr als rechtfertigen. Obwohl ich bei der Bestellung recht skeptisch war und gedanklich schon das Rücksendeformular gesucht hatte, ich musste ich mich dann im tatsächlich Höreinsatz eines Besseren belehren lassen: für mich tuts das ADM-4 locker für die oben genannten Aufgaben – auch mit dem kleinen 4″ Tieftöner und ganz ohne Sub – und es passt perfekt ins Regal. Nur ein bissl nach unten abwinkeln musste ich sie, dafür gibts Schaumstoffkeile in Handel.

 

Die Reloops bei Amazon.de

ADM-4
wie getestet
ADM-5
größeres Modell
Wave-5
“richtige” Monitore

 

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One response so far

One Response to “Reloop ADM-4: Kompakte (Pseudo-) StudioMonitore für wenig Geld”

  1. TSC Yodaon 12 Nov 2013 at 23:11

    Stefan, ich staune!
    Da gibt es noch jemanden draußen, der – wie ich – Hubraum für den Bass voraussetzt…
    Ich bin noch aus der Generation, wo der Wohnraum noch nicht so wichtig war wie heute, “wohnzimmergeeignete” Boxen waren damals verpönt und es wurde das Wohnzimmer so eingerichtet, dass die Boxen optimal standen…heute müssen sich die Lautsprecher – ich sage bewusst nicht Boxen – harmonisch ins Wohnbild einfügen…am Besten sie verschwinden optisch ganz!
    Und so kommt es wie es muss: die neumodischen Säulchen sind sowas von gar nicht mehr das, was man – wenn man die “alten Boxen” kennt – hören möchte!
    Da wird elektronisch getrickst wie Irre, da werden die verrücktesten “Wellenlängen” im Innern dieser Säulen gefaltet…soll wohl TML sein…hat damit aber nix mehr zu tun, weil akustische Nogo´s begangen werden.

    Das die kleinen von Dir getesteten Böxchen keinen abgrundtiefen Bass bieten, macht mit aktueller Musik eh nix mehr aus, denn Tiefbass ist dem Kickbassbereich gewichen…und den bringen Deine Jungs auch so schon mit.

    Alles in Allem ein sehr schön zu lesender Testbericht eines “Oldscoolers”, danke dafür!

    Gruß
    Markus

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