Jun 04 2013

USB Gitarreninterfaces: Avid / M-Audio Fast Track MK II USB

veröffentlicht in Kategorie Lifestyle  

Ich starte mal mit Teil I meiner kleinen Testreihe preisgünstiger USB Audio-Interfaces: Fast-Track MK-II bevor das MK-II komplett veraltet ist, eigentlich wollte ich erst noch die Tests zum Focusrite Scarlett und Line6 Studio GX fertig schreiben, aber irgendwie komm ich derzeit nicht dazu. Vielleicht hilft dieser Test diese Warnung noch jemandem..

Werd ich nicht Glücklich mit: Avid / M-Audio Fast Track MK-II

Werd ich nicht Glücklich mit: Avid Fast Track MK-II

Das Fast Track MK-II  hat im Netz soweit eigentlich immer gute Kritiken bekommen, sonst hätte ichs gar nicht erst bestellt, ob ich nun einfach nur Pech hatte oder ob es an irgendwelchen Aktualisierungen in Win7  oder abhängigen Bibliotheken oder Runtimes oder sonstwas seither liegt, das weiss ich nicht.. .. oder vielleicht nutzen auch alle Macs? Auch die Fachpresse hat nie was zu bemängeln gehabt. Hmmm..

Ansich ist das Fast Track MK-II ein tolles Interface, um eine Gitarre und ein Mic an einen PC oder Mac zu basteln, auf dem Papier klingt es sogar recht passabel:

  • XLR Mikrofoneingang mit zuschaltbarer Phantomspeisung, Gain Regler & Clip Anzeige
  • 1/4″ Instrumenteneingang ebenfalls mit Gain Regler & Clip Anzeige
  • das ergibt: 2* Mono Eingänge  (oder mit Tricks und Adaptern dann 1x Stereo) 
  • LineOut (Stereo Chinch) & Kopfhörer-Out (mit DirectMonitor Schaltung) in 1/4″  mit Lautstärkeregler, der beide Ausgänge regelt
  • USB 1.1(kompatibel mit 2.0, nicht geeignet für USB3.0), bus-powered und ca. 2m USB Kabel
  • Ultrakurzanleitung, mageres Handbuch auf der CD
  • Treiber & Protools M-Audio 8.03 SE CD
  • zum Preis von 89,00 Euro

Das Fast Track ersetzt dabei die Soundkarte im PC/Mac, die Ausgabe erfolgt also nur über Kopfhörer/Aktivlautsprecher, die direkt am Fast Track eingestöpselt sind bzw. über den LineOut, nicht jedoch über z.b. die internen Lautsprecher an Notebook, iMac oder im Monitor.

Das erledigt das Fast Track ohne Anlass zur Kritik zu geben, mit minimalsten (nicht störenden) Latenzen (im DirectMonitor Modus direkt durchgestellt dann mit 0ms Latenz), geringer CPU Auslastung (zwischen 10 und 15% während der Aufnahme auf diesem PC bei 128 kleinster auswählbarer Buffergröße) . Hersteller M-Audio gibt an, Aufnahmen in 24bit, 44.1 oder 48kHz, lt. Expertentests im Netz ist das allerdings dann doch geflunkert und es sind dann in der Realität eher 16bit, aber damit immer noch gut genug für den Heimgebrauch.

Der Klang bei mir am PC ist gut, sauber & soweit störungsfrei, ich meine einen ganz leichten Rauschschleier in den obersten Frequenzbereichen zu hören, sowohl bei Mic als auch bei Gitarre, letzteres Dank nicht ganz selbstverständlichen Gitarrengainregler jedoch mit solidem Pegel im Live Betrieb oder in der Aufnahme in der DAW Software. Soweit so gut.

Die mitgelieferten Treiber für Win7 jedoch sind nicht nur steinalt und seit Jahren nicht mehr aktualisiert worden (Release der neuesten Win7x64 Treiberversion: gegen Ende 2010), das per se wäre ja gar nicht mal so tragisch, wenn se denn ordentlich funktionieren würden. Noch das geringste Problem ist dabei, dass alle Links im Konfiginterface z.b. für Hilfe oder Treiberdownloads alle auf tote Webseiten laufen, weil M-Audio mit dem Fast Track nix mehr am Hut hat, auch keinen Support mehr leistet und der neue Besitzer der Fast Track Produktlinie “Avid”  bislang es nicht für nötig hielt, das zu korrigieren und seinerseits für einen vernünftigen Supportbereich zu sorgen. So Sachen wie der Hinweis in den spärlichen KB Artikeln, man möge unter Windows 7 doch die UAC Benutzerprivilegiensteuerung komplett abschalten waren auch 2010 schon ein Unding (und lustigerweise dazu noch unnötig). Die komplette Supportgeschichte bei dieser Modellreihe ist ein völlig undurchsichtiges Labyrinth aus toten Links, bei M-Audio gelöscht, bei Avid nie sauber eingepflegt.. Kurz: Ich hab mich selten so geärgert.

Auch darüber hätte man letztendlich noch hinwegsehen können, wenn der Treiber für das Fast Track nicht bei jedem Reboot eine völlig belanglose Fehlermeldung auf den Win7x64 Desktop werfen würde und ich dazu gerne eine Lösung gehabt hätte.. vergebens, ich hab dann entnervt aufgegeben. 

An Software erhält man zusammen mit dem Fast Track eine ebenso alte Pro Tools M-Audio SE Version 8.03, die radikal im Funktionsumfang beschnitten wurde, auch hier wieder mit halbkaputter Hilfe (Bilder/Illustrationen laden nicht) und die nur mit exakt diesem M-Audio Interface überhaupt benutzt werden kann. Die Version ist zudem ausdrücklich von jeglichem Upgrade ausgeschlossen, anders als die normale “SE” bzw. LE ist diese M-Audio erst gar nicht mehr auf v8.06 gepatched worden und installiert dazu noch einen sogenannten Kopierschutz, den man durchaus auch als Malware bezeichnen könnte. Ja, als Einsteiger wäre der Funktionsumfang dieser Lightversion für mich eigentlich ausreichend und generell kann man da schon einiges anfangen mit, aber irgendwie erscheint mir auch diese Version in einer Sackgasse, Zukunft und künftige Patches ungewiss.

Ich kann es nicht mit 100% Sicherheit sagen, was nun Schuld daran war, dass nach dem Test und der Deinstallation mein Windows nicht mehr korrekt funktionierte: Treiber, die Kopierschutz-Seuche oder die veraltete und nicht zur Windows Version passende .Net Installation, die ungefragt mitinstalliert wurde, aber ich durfte nach dem Test mein Windows Backup vom Vortag einspielen… zum allerersten Mal, seit ich Windows7 benutze.

Mir persönlich geht es ja primär weniger ums Aufnehmen als um die Verstärkersimulation / AmpModelling / dem Spielen ohne echten Gitarrenverstärker. Eine weitere Enttäuschung war da der Punkt, dass hierfür erst mal keine Software beilag (Konkret: Eleven Light fehlt in dieser halblebigen SE Lightversion) und Amplitube 3.0 mit den Originaltreibern nicht korrekt mit Fast Track zusammenspielen wollte. Amplitube empfiehlt “nehmt einfach ASIO4ALL, dann gehts auf jeden Fall”. Nun mag ich ASIO4ALL nicht so sonderlich, aber damits dann erst richtig lustig wird: kaum hatte ich ASIO4ALL installiert, verweigerte Protools M-Audio SE die Zusammenarbeit mit dem Fast Track, bestimmt weil die Originaltreiber fehlten. Genau weiss ichs nicht, ich hatte dann keine Lust mehr.

An der Stelle hab ich dann bei Amazon schnell den Rücksendeaufkleber für das Teil ausgedruckt. Das Fast Track Mk II USB mag von der Hardware her mit soliden Features aufwarten, das Drumherum ist jedoch eine Zumutung, es wirkt auf mich wie das ungewollte Stiefkind, ein Relikt, dass keiner mehr will und schon gar nicht ordentlich supporten mag, ein vom Aussterben bedrohtes Etwas, dass halt noch ein bissl gemolken werden soll. Zukunftssicher gerade auch im Hinblick auf Win8 ist anders. Schade drum. 

Achtung: das Fast Track MK II wurde inzwischen durch ein neues Modell FastTrack Solo mit neuen Treibern, neuer ProTools Version ersetzt. War das MK-II schon das  Stiefkind, ists jetzt mit Fixes für den desolaten Softwarestand bestimmt komplett essig. Persönlich käme für mich das MKII nun auf keinen Fall mehr in Frage..

 

Fast Track MK-II
so wie hier getestet
Nachfolger:
Fast Track Solo 

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