Dec 28 2012

Disharmonische Resonanzen oder warum die Welt am 21. nicht unterging

veröffentlicht in Kategorie Lifestyle  

Es gibt Dinge im Leben, die musste ich einfach tun, so z.b. das Inline Skating lernen, obwohl ich alter Sack total unsportlich bin. Oder einfach mal auf gut Glück in die USA auswandern, weil man kein Bock mehr auf Schule und Good Old Germany hatte.. Mein neuestes Projekt fällt wohl auch darunter: Ich werde nun Rockstar, das Aussehen dazu hab ich ja schon, nun hats mir noch die eGitarre dazu angetan..

Der gute Nikola Tesla, ebenso genial wie gegen Ende dann durchgeknallt, sagt: wenn wir die Eigenfrequenz eines beliebigen Objektes finden, können wir es allein durch Resonanz (= das Mitschwingen des Objektes zu der Frequenz z.b. eines Tones einer schwingenden Gitarrensaite) letztendlich mit minimalem Energie-/Kraftaufwand zerstören  (siehe auch, extrem nerdig: Handbuch Tesla Experimente).  Angewandt auf ein etwas größeres Objekt, z.b. die Erde, müsste also ein stümperhaft gespieltes “Stairway to Heaven” exakt wie der Name des Titels so schön umschreibt, zum Exitus der Menschheit führen, wenn z.b. die tektonischen Erdplatten, hier konkret die eurasische Platte, an einem neuralgischen Punkt: den unweiten Voralpen,  angeregt durch besagte Resonanz, sich, wie im hoch-prophetischen Werk “2012“des Hollywood-Prophetenkollegen Roland Emmerich schön filmisch dargestellt, zu verkrümeln beginnt.. Hah, wasn Satz!

Es ist schon verblüffend, wie exakt die alten Mayaner das Lieferdatum meiner eGitarre, eine wunderhübsche Fender Stratocaster im Sunburst Design übrigens (ich sag immer: fehlendes Talent kann nur durch teureres Material kompensiert werden – meine Händler freuts), schon tausende Jahre im Voraus exakt auf den 21.12.2012 festlegen konnten, wer bitte braucht da noch die schnarchige DHL Sendungsverfolgung?

Was die Mayas allerdings nicht wissen konnten (schon alleine weil es damals so noch nicht existierte) ist, dass “Made in Amerika” heute auch nicht mehr das ist, was es damals zu Maya Zeiten auch schon nicht war: So verabschiedete sich der gute Fender Gitarrenverstärker beim ersten Einstecken mit einem viel zu dezenten, fast schon enttäuschenden Knall Pups. Waren bestimmt wieder die Chinesen dran Schuld…

Ergo: ich konnte nicht mein erstes Solo spielen, es kam zu keinen disharmonischen Resonanzen (auch nicht zu harmonischen – wobei das letztlich egal gewesen wäre, denn Teslas Theorie besagt nicht, dass das nun zwingend schön oder weniger schön klingen muss, aber mir gefiel die Wortkombination so gut..)  Fakt ist: die Welt wurde nun doch nicht am 21.12. zerstört, weil das Ding defekt war, also der Verstärker..

Puh, da freuen wir uns aber, nicht?

Jaaa.. so ist das halt.. manchmal kommt es anders, als man denkt. Das Problem am Prophezeihen ist ja immer, dass man meistens doch daneben liegt und das Internet vergisst ja nix, hätten die Mayaner mal besser die Regeln zu Privatsphäre gelesen und ihr Profil für Fremde gesperrt, dann hätten se sich jetzt nicht so blamiert.

Aber egal, hier gehts ja nun ums Gitarre lernen..

das war jetzt glaub ich irgendwie eine doch etwas schräge Einleitung dazu.

Mir wurde ja immer eingetrichtert: “eGitarre lernt man nicht, du fängst gefälligst mit der langweiligen Lagerfeuer-Klampfe an..” und sorry, das war ja zu meiner Jugendzeit schon altmodisch, das taugt vielleicht zum abends beim gemischten Pfadfindertreffen die Heidi abzuschleppen, aber zum Weltruhm eher weniger. Das ist uncool und außerdem bin ich verheiratet. Stellt Euch mal vor, der Satriani Joe würde mitten im Konzert die gute Bontempi Klampfe auspacken und “Sag Mir Wo Die Blumen Sind” trällern.. Wobei.. hmm.. Naja, singen kann der ja eh nicht, ich auch nicht. Also noch ne Gemeinsamkeit, beste Voraussetzungen also. Ich schweife schon wieder ab. Wir halten fest: eGitarre ist sexy, eGitarristen cool und das manuelle Klampfteil reicht grad mal so fürn One Night Stand mit Heidi, der griesgrämigen Betreuerin der Mädchengruppe – die hätte auch lieber den eGitarristen gehabt.

 

eGitarre zum Einstieg?

Inzwischen sind die Gitarrenlehrer, die dieses schwere stromlose Klampfenschicksal am eigenen Leib durchleiden mussten und deshalb aus Rache (neidvoll) ihren eigenen Schülern die eGitarre vorenthalten, wohl alle in Rente, denn es setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch: so doof ist die eGitarre zum Einstieg gar nicht. Zum einen ist sie einfacher zu spielen, die eGitarren Saiten zerfetzen nicht so gnadenlos die Fingerkuppen, der Hals ist schlanker, sie sieht geiler aus und ist einfacher cooler. Punkt. Und der Coolnessfaktor oder übersetzt: die Lust, das Ding in die Hand zu nehmen, ist bei dem doch eher zähen Lernfortschritt beim Erlernen eines Musikinstrumentes enorm wichtig: Wenn mich die Klampfe eh schon vom Prinzip her abtörnt, dann stehen die Chancen, das durchzuhalten eher schlecht: als gebt den Schülern, was se wollen und keine Spaßbremsen.

Vorkenntnisse? Brauchts nicht..

Ich persönlich bin zwar musikalisch etwas vorbelastet: dank der für meine Generation obligatorischen Kindergarten-Blockflötenfolter und anschließendem Musikunterricht am allgemeinbildenden Gymnasium gingen zumindest die Grundlagen nicht ganz spurlos an mir vorbei. In den späten 80er folgten dann sogar noch ein paar Wochen Keyboardunterricht für Fortgeschrittene an einer Musikschule, das war aber doof, die spielten dort nur Quark. Letzten Endes bliebt außer einem gefakten “Fürs Adelheidle” für Vorführkeyboards zum Angeben im Toys ‘R Us abspulen noch die Fähigkeit, Noten zu lesen und das wars dann auch schon. Letzteres braucht man dank der omnipräsenten TAB Notation eigentlich gar nicht, war also auch für die Katz. Von einem Rockstargitarristen erwartet niemand, dass er vom Notenblatt abspielen kann, oder wo versteckt der Guns ‘n Roses Slash seine Notenblätter? Eben. Schaden tut’s allerdings auch nicht.

Ich würde, wenn ich Kinder hätte (oder eben für mich selbst) eh erst mal ganz entspannt an die Sache rangehen: rhythmus basierte Pseudo-Gitarrenspiele sind das Stichwort, hat zwar nix mit mit Gitarrespielen zu tun, ist aber trotzdem lustig und ist glaub ein guter Indikator, ob sowas überhaupt erst in Frage kommt. Typische Genrevertreter inkl. Plastikgitarren gibts für jedes Spielesystem: Rockband und Guitar Hero waren für mich tatsächlich eine treibende Kraft, den Wunsch: “Ok, ich will das tatsächlich richtig können” in Angriff zu nehmen. Dieser eigene Antrieb ist das Wichtigste, denn einfach wirds nicht werden, den Rest lernt man. Eigener Antrieb, von oben herab verordnet ist nie gut, sagt Frau, die in traumatischer Weise von ihrer überambitionierten Lehrerinnen-Mutter zu den klassischen Blechbläsern verdonnert wurde und seit dem an einer extremen “Blasmusik”-Allergie leidet.. Umphtada-Nixda. Nein.

Die Mittel zum Zweck

Es gibt auch eine aus meiner absoluten Laiensicht vielleicht tatsächlich wertvolle computerbasierte eGitarrenlernspielvariante, nennt sich “Rocksmith” und vermittelt in der Tat wohl wirklich echte Grundfertigkeiten an der eGitarre in einer, wie ich finde, sehr unterhaltsamen, spielerischen und motivierenden Weise: Rocksmith (Inkl. Kabel) (wichtig mit Kabel!). Notfalls gibts das auch gleich schon mit Junior eGitarre aus dem traditionsreichen Haus Epiphone gleich mit dazu, aber einzeln gekauft kommt billiger als dieses Bundle. Und mit ner Juniorgitarre kam ich im Laden mit meinen Wurstfingern auch nicht zu recht. Ich werde zu gegebener Zeit berichten, wie und welche Lernerfolge sich im Selbstversuch einstellen.

Günstige und wie ich mir habe sagen lassen durchaus brauchbare Einsteigersets mit allem, was man zum eGitarre lernen so braucht gibts es schon zwischen 100,- und 200,- Euro, explizit empfohlen wurden mir das Les Paul “Players Pack” Einsteiger Set von Epiphone oder das “Affinity Strat” Set von Squier (by Fender), beide sollte im gängigen Musikfachhandel problemlos zu bekommen sein, notfalls online bei den Gitarrensets bei Musik-Versandhausgröße Thomann.

Meiner oben bereits genannten Philosophie folgend habe ich mir dann allerdings gleich mal etwas tiefer in die Tasche greifen lassen: Wenn die Verkäufer erst mal merken, dass die Kohle etwas lockerer sitzt, wird so eine Beratung dann schnell teuer. Wenn dann noch so Sprüche fallen wie: die passt auch prima zu ihrem dicken Bauch Outfit, dann ist es mit den Schnäppchen dann eh gelaufen. Hach, ich liebe Verkäufersprüche im gut ausgebildeten Fachhandel.. so gekonnt übern Tisch gezogen wird man im Blödmarkt halt nicht.

Während für den Junior zuhause sicherlich die Musikschule oder von mir aus auch der teure Privatunterricht das Mittel zur Wahl sein dürfen, um die Grundlagen zu lernen, ist das für mich ein absolutes NoGo, dazu hab ich nicht die Zeit (und ehrlich gesagt auch nicht die Lust), wenn ich was lerne, dann lerne ich das selbst als Autodidakt, andernfalls lern ich nämlich nix. Auch dafür gibt es heute tonnenweise Videos, CDs, Bücher und Onlineressourcen. 

Extrem gut gefällt mir z.B. Let’s Rock: E-Gitarrenschule für Ein- und Umsteiger. Alle Techniken, die du brauchst, um in einer Band zu rocken. Viele Stücke, Übungen und Soli – ausschließlich mit Distortion-Sound von Peter Autschbach, ganz einfach weil es auf das ganze klassische Gitarren (-lern-) geraffel verzichtet und einzig und alleine von Anfang auf das “Abrocken mit Spassfaktor” setzt. So finde ich Instrument lernen gut.  Vermutlich wird man damit nie zum Profi Gitarristen, aber nicht alles, was man mit Begeisterung tut, hat eine Profikarriere zum Ziel (sonst wäre das Arbeitsamt voll von arbeitslosen Erotikdarstellern). Spaß muss es machen, notfalls muss der Musiklehrer den selbst falsch angelernten Mist später dann halt wieder mühsam gerade biegen, falls man es dann doch noch ernsthafter betreiben will.

Als Online Ressourcen extrem gut finde ich übrigens die beiden Gitarren-Lern-Portale Jamplay und Guitar Tricks. Sind leider beide in Englisch, aber mit den bisher entdeckten deutschen Angeboten bin ich hingegen nicht warm geworden. Jamplay glänzt vor allem mit der Möglichkeit, tatsächlich mit einem Gitarrenlehrer direkt über Videoconferencing in Kontakt zu treten, während Guitar Tricks eine schöne, klar strukturierte Einsteigerecke hat, die mir persönlich sehr zielführend erscheint. Für beide Angebote gibt es 7 bzw. 14 Tage Testzugänge, um sich das mal in Ruhe anschauen zu können: Jamplay Trial, GuitarTricks Trial. Einen ausführlichen Vergleich werde ich zu späterer Zeit dann auch noch bringen..

 .. jetzt heisst es für mich erst mal: Üben, üben und dann das geübte nochmal üben..

 Zwischenfazit:

Die ersten Akkorde sind gemeistert, das erste alte Volkslied in 1-Note-aufs-mal Manier nachgezupft, in Rocksmith stehe ich kurz vor dem ersten Levelaufstieg und in Autschbachs Buch das erste musik-ähnliche Solo überstanden.  Nach einer Woche bin ich mit meinem Lernfortschritt zufrieden, ich hätte es mir schlimmer vorgestellt. Aber es stimmt schon, üben und nochmal üben, anders wird das nix. Augen zu und durch, auch wenn die Finger echt sakrisch weh tun..

“More practice builds calluses and character”  ..bildet Hornhaut und stärkt den Character, sagt mein Jamplay Tutor – und beides tut weh.

PS: eingetrocknete Blutflecken entfernt man übrigens mühelos von Saiten und Fretboard mit GHS Fast Fret String Cleaner

 …

Sodele, das war also nun mein Start in die Karriere als Rockstar-eGitarren-Gott. Ich hoffe, Ihr konntet mit dem vielleicht nicht ganz ernst gemeinten Blogpost was anfangen, wenn nicht: Sorry, aber das is mein Blog, ihr könnt ja auch eins machen..  Nächste Woche gibt’s dann wieder Akkuträger, versprochen.. ;-)

Nein, vielleicht eines:

Auch wenn es mit dem Weltuntergang jetzt doch nicht geklappt hatte, es ist nie zu spät, noch etwas anzufangen, was man schon immer mal tun oder lernen wollte..
es muss ja nicht eGitarre sein, das mache ich ja jetzt schon.

In diesem Sinne..

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5 responses so far

5 Responses to “Disharmonische Resonanzen oder warum die Welt am 21. nicht unterging”

  1. Yaomicquion 28 Dec 2012 at 21:47

    Sehr unterhaltsam und … inspirierend!
    Gute Idee mal wieder etwas fürs Oberstübchen zu tun …
    Mal sehen, also eGuitar fällt ja leider schon weg, weil das erlernst du ja jetzt schon …
    Vielleicht sollte ich mit was Leichtem beginnen …
    Hoffentlich ist noch ein Platz für mich frei in meinem örtlichen Volkshochschulkurs für Altägyptische Sprache …
    Freue mich auf die Fortsetzung! ; )

    Gruss, Yaomicqui

  2. Janonymon 29 Dec 2012 at 09:42

    *Grins* Toller Text! Ich musste manches mal schmunzeln. Echt gelungen…davon hätte ich gerne mehr von Zeit zu Zeit.

  3. Tomon 03 Jan 2013 at 12:24

    Hallo Stefan,

    nach 1 Woche sollte etwas Hornhaut vorhanden sein, so daß du dann ja noch mehr üben kannst ;-)

    Welchen AMP hats dir denn zerrissen?
    Zu ner Fender Strat doch wohl hoffentlich keinen Chinese-IC AMP, sondern ne standesgemäße Vollröhre ala “Twin Reverb”…
    Absolut cool find ich die kleinen Brüllwürfel der Marke VOX :-)

    Klasse, weiter so
    (ehem ich war mal e-Bassist aber seit 15 Jahren in Rente)

    Grüße
    Tom

  4. Robert Schreiberon 21 Feb 2013 at 01:07

    super Beitrag wie immer ;)
    sowas würde ich gerne öfters lesen.
    Hättest du vielleicht ein paar Links um ( auch wenns sich jetzt doof anhört ) Blockflöte zu lernen? Mir gehts hauptsächlich um die erlernung der deutschen Griffweise da ich nach dem erlernen aufs Hümmelchen/Marktsack umsteigen möchte.

    Allseits viel Dampf

    Robert

  5. adminon 23 Feb 2013 at 20:48

    Ich muss bei Blockflöte leider passen,aber falls ich was finde, schick ich dir ne Mail..

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