Dec 27 2012

LiIon / NiMH-Kombilader Soshine SC-S7 mit LCD-Display

veröffentlicht in Kategorie LiIon-Lader-Tests  

Das auffälligste Merkmal des Soshine  1-Schacht SC-S7 LiIon / NiMH Laders ist sein Display. Anstatt wie die meisten LiIon Ladegeräte einfach nur die Farbe einer LED zu wechseln, zeigt das Soshine SC-S7 den Ladefortschritt in %, die bisher eingeladenen mAh sowie die bereits abgelaufene Ladezeit an. Wir hatten schon mal einen Lader, der ein ähnlich informatives Display geboten hatte, der Digibuddy, der war ein Flop.. Ob der Soshine besser abschneidet?

 

Merkmale

  • 1 Schacht-Lader
  • fest eingestellter 1A Ladestrom (gemessen um 980 mA)
  • durch den recht hohen Ladestrom eigentlich nur geeignet für Akkus über 1000 mAh Kapazität, besser 2000 mAh, auf gut Deutsch gesagt: für 18650er Akkus (inkl. 18700, 17650, 16650) primär. Vielleicht noch und ausgesuchte, hochwertige 18500 und 18350 welche für 1C Laderaten freigegeben wurden. Protected oder nicht ist egal.
  • ausgeprägte Akkukontakte geben auch recessed Flat Top Akkus (ohne “Nuppel” und mit zurückgezogenem Pluspol) guten Kontakt
  • ungewöhnlicher Schiebermechanismus, der die Größenanpassung an die unterschiedlichen Längen der Akkus über eine gerasterte Schiene ermöglicht. Gefällt mir allerdings nicht wirklich.
  • lädt unsere Lithium-Ionen Dampfer-Akkus und auch haushaltsübliche NiMH / NiCd-Akkus in AAA (“Micro”), AA (“Mignon”).
  • einfachste Bedienung, ohne Schalter und Switches
  • Multifunktionsdisplay gibt sehr ausführlich Auskunft über Ladezustand des Akkus
  • externes Stecker-Netzteil, lustigerweise war das Netzteil für eine  “Speedport Bridge” gelabelt, da hat wohl jemand günstig eine Charge Netzteile auf dem Restemarkt erstanden. (Speedport ist z.b. die von der Telekom verwendete Router Marke)
  • alternativ Stromversorgung über USB  (reduzierter Ladestrom) bzw. KFZ-Adapter als optionales Zubehör.

 

Ladetest LiIon:

Der Ladetest erfolgte wieder mal mit einer Panasonic CGR18650CH (IMR) 2250mAh.

Zu Beginn des Ladevorgangs sieht man ein etwas ungewöhnliches Ladeverhalten:

Zum Beginn: vorsichtiges “antesten” mit 300mA

Der Sohine SC-S7  fährt den Ladevorgang mit vorsichtigen 300mA an und schaltet erst danach auf den vollen Ladestrom. Der eigentliche Ladevorgang ist ähnlich wie beim Xtar WP2 von periodisch Wiederkehrenden kurzen Ladepausen unterbrochen, die vermutlich zur Messung der Akkuspannung ohne Beeinflussung durch den Ladestrom genutzt wird.

Periodisch wiederkehrende Aussetzer während des Gesamten Ladevorgangs

Diese Ladepausen verlangsamen den Ladevorgang etwas, andere Geräte schaffen es auch ohne die Ladepausen, aber letztendlich ist das dann auch vernachlässigbar. Die Ladegeschwindigkeit des Soshine SC-S7 ist auch trotzdem noch gut.

 

 

Im Chart da oben fällt die kurze 300 mA Phase leider der Datenmenge zum Opfer, anschließend beginnt dann der eigentliche Ladevorgang in der CC Phase um 967 mA Ladestrom. Im Verlauf des Ladevorgangs ist die Akkuspannungsanzeige im SC-S7 in der Regel immer so bis zu 0,15 V zu hoch – man könnte sagen, das Display rundet halt großzügig auf.  Während die  5-Segment-Ladebalkenanimation nur rein zur Show da ist (die blinkt immer durch, kein Segment bleibt stehen), ist die % Ladezustandsanzeige doch sehr sinnvoll und praktisch und deckt sich eigentlich ganz gut mit den üblicherweise bei entsprechender Spannung angenommenen Werten. Ob man die Zeitanzeige seit Ladebeginn nun unbedingt braucht, sei mal dahin gestellt. Die Anzeige der eingeladenen mAh scheint für LiIons mit ausreichender Genauigkeit als grobe Orientierung geeignet zu sein (bei NiMHs ist sie dagegen schlicht falsch). Letztendlich erkennt man über die eingeladenen mAh im Vergleich zu früheren Ladezyklen auch in etwa wie Fit ein Akku noch ist, vorausgesetzt, er wurd gleich tief entladen, z.b. immer bis Abschalten im selben Träger..

Nach 2 Stunden zeigt der Soshine bereits 4.2V (tatsächlich 4,04V) und 84% Zustand, befindet sich noch in der CC Phase.

Ladestrom beginnt um 4.08V dann merklich zu sinken (2h 10m, 90%) und es erfolgt der Übergang in die CV Phase, die mal wieder etwas Phantasie braucht, um sie als “konstant” zu erkennen. Ich muss mal die Ladekurve meines Modellbauladers zum Vergleich posten, wie sowas auch ausschauen kann..

Eigentliches Ladeende wäre dann nach 3h 1m erreicht gewesen  – Display: 100% / FULL 4.20V (gemessen ~ 4.18V) und für eine CGR durchaus passende 2098 mAh eingeladen. Wäre gewesen, denn wie im Chart deutlich zu erkennen: der SC-S7 terminiert mal wieder nicht. Oder anders gesagt, anstatt bei den (korrekt erkannten!!) 160mAh zu terminieren geht er wieder mal in eine Pulsladung beginnend um 150mA langsam aber stetig fallend über und das ist Grütze. Sorry!

Hier nochmal im Detail:

Anstatt Ladeende (rote Linie 160mA) Übergang in schädliche Impuls-Erhaltungsladung

Sprich als Steckbrief:

  • Gesamt-Ladedauer: 3:01
  • Nicht terminiert bei: 160mA
  • Spannung bei Ladeschluss: 4.18V und damit gut und schonend geladen…
  • … aber gleich anschließend schädliche Pulsladung
  • der LiIon Akku sollte also nicht im Lader verbleiben.

 

Teil 2:

Doppelschachtbelegung: entfällt, der SC-S7 hat nur einen Schacht

 Teil 3:

Ein vorgeladener Akku … startet in der Sc-S7 typischen kurzen 300 mA Erkennungsphase und durchläuft dann eine entsprechend verkürzte CC mit anschließender CV Phase. Das passt soweit.

Teil 4:

Beim Einlegen eines tiefentladenen LiIon-Akkus…

Weiter oben habe ich schon den Ausschnitt aus dem Beginn der Ladephase gezeigt. Der Soshine gibt zunächst 300 mA Ladestrom auf den Akku und entscheidet dann, ob es sich um eine schlechte Zelle, eine Defekte Zelle, um eine LiIon Zelle oder um eine NiMH Zelle handelt. Die Tatsache, dass bei NiMH diese anfängliche 300 mA Phase wesentlich länger andauert, verleitet mich zu der Vermutung, dass hier mit wenig Ladestrom der Anstieg der Zellspannung ausgewertet wird.

Ein leerer Akku reagiert innerhalb kürzester Ladezeit mit sehr deutlich ansteigender Zellspannung. Während eine NiMH nie wesentlich über 1.2 V steigen wird, steigt eine korrekt funktionierende LiIon Zelle sehr schnell über 2 V. Auf diese Weise könnte ich mir die Defektzellenerkennung und die schalterlose Differenzierung von LiIon und NiMH durchaus vorstellen. Ist aber erst mal nur Spekulation

Eine zuvor auf  2,3V tiefentladene Zelle wird (nach einer kurzen, obligatorischen 300 mA Phase) dann sofort mit dem vollen Ladestrom vollgeladen. Akzeptabel..

Eine auf 0,9 V entladene LiIon Zelle zeigt eine verlängerte 300 mA Phase, stieg dann über die 2V Grenze und wurde ohne weiteres Zögern mit vollem Ladestrom geladen. Mir wäre es lieber gewesen, wenn die Zelle komplett abgewiesen worden wäre.

Prinzipiell könnte man eine so verlängerte 300 mA Phase mit etwas viel gutem Willen auch noch mit dem “vorsichtigen Aufpäppeln” guter Konkurrenzlader vergleichen. Unterm Strich also bin ich in diesem Punkt mit dem Soshine gerade noch so zufrieden. Aber wie schon beim Nitecore Sysmax I2 macht uns das schalterlose LiIon/NiMH Design mal wieder einen diesmal nicht ganz so schwerwiegenden Strich durch die Rechnung.

Eine Zelle mit 0,5 V wurde vom Lader nicht erkannt, es passierte rein gar nichts. Das ist gut. Warum da nicht die Poor Cell Warnung aufleuchtet, ist mir allerdings unklar. Hätte sich ja angeboten, nicht?

Teil 5:

Ein Protected LiIon-Akku, dessen Protection angesprungen ist: Im Standby tickt der Soshine nicht nur wie ein alter Wecker, sondern er gibt auch regelmäßig ganz kurze Pulse um ca. 150mA ab. Diese kurzen Pulse sind ausreichend, um eine eventuelle Protection zu lösen und dann gemäß Ladetest 4 den Akku weiter zu laden.

 

Fazit:

Ich liebe das Display, ich hätte wirklich gerne einen Lader, der mir den aktuellen Ladefortschritt anzeigen kann. Den komischen gerasterten Schiebermechanismus mag ich allerdings weniger, das ständige Ticken des Laders im Standby, deutlich hörbar wie ne alte mechanische Uhr/Wecker, ging mir bereits nach wenigen Stunden gewaltig auf den Wecker (die Lader stehen direkt neben meinem Schreibtisch und ich hasse tickende Uhren). LiIon Akkus sollten nach Ladeende zeitnah entfernt werden.

Der NiMH Modus scheint stimmig zu sein, Hendrik von lygte-info.dk vermutet sogar ein Delta-V Abschaltverfahren, mein Ergebnis mit einer leider nicht mehr ganz so taufrischen Eneloop waren da weniger klar, ich mag da nun bezüglich der Terminierung nicht wirklich was behaupten. Hendrik hat das wesentlich bessere Equipment und die größere Erfahrung, im Zweifel schließe ich mich sehr gerne seiner Einschätzung an. Die dem eigentlichen Ladevorgang folgende für NiMH durchaus wünschenswerte kontinuierliche Pulserhaltungsladung konnte ich dann auch wieder beobachten. Ich bin geneigt zu sagen: für NiMHs  in AA & AAA wäre der Soshine durchaus gut vorstellbar.

 

Wer übrigens für kleines Geld einen größeren, reinen AA/AAA NiMH/NiCd-Lader mit vorschriftsmäßiger Delta-V-Terminierung, Einzelschachtkontrolle, einstellbarem Ladestrom, LCD-Anzeige für Spannung, Ladefortschritt, Kapazität und fortgeschrittenen Funktionen (Entladeprogramm, Kapazitätstest, “Refreshing” (Cycle)-Programm) sucht, sollte hier zugreifen:

 

Die LiIon Defektzellen Erkennung scheint zumindest ausreichend zu sein, auch wenn nicht 100% nachvollziehbar, meine o.g. Vermutungen sind ja nur Spekulation.

KO Kriterium allerdings ist mal wieder die komische Pulsladung bei LiIon Akkus, wenn der Ladevorgang eigentlich hätte terminiert werden sollen. Es tut mir leid, ich will einfach keinen Lader empfehlen, der nicht das von allen LiIon Akkuherstellern unisono empfohlene CC/CV Ladeverfahren einhält und dieses sieht nun mal für LiIon eine vollständige Terminierung bei spätestens 1/10 des ursprünglichen Ladestroms vor und explizit keinerlei Pulsladung anschließend. Hier patzt der Soshine SC-S7 genauso wie der Digibuddy und der Trustfire TR-001 und damit gibts von mir auch keine Kaufempfehlung. Schade, ich hätte ihn so gerne gemocht… Wenn Sabbel nicht mehr dran denkt, behalten ich ihn ja vielleicht doch, ist nämlich seiner ;-)

Aber irgendwann muss doch irgendjemand mal das Gebacken bekommen: saubere CC/CV Ladung und ein hübsches Display dazu. Is doch nich so schwer, oder? Bei den leider etwas unhandlichen Modellbauladern klappts doch auch.

 

Bis das mal so weit ist, bleibt es bei unseren bereits bekannten Kaufempfehlungen (Reviews der Geräte hier im Blog):

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7 responses so far

7 Responses to “LiIon / NiMH-Kombilader Soshine SC-S7 mit LCD-Display”

  1. Powerdampferon 31 Dec 2012 at 01:24

    Hallo,

    wusste nicht so recht, wo ich dir diese Frage stellen soll, deshalb versuche ich mein Glück mal hier:

    Wurde eigentlich schon mal ein EGO-T/C-Ladekabel irgendwo getestet – also in Bezug auf CC/CV, Terminierung usw.. Die Dinger sind wahrscheinlich immer noch am häufigsten im Einsatz und es wundert mich, dass ich darüber noch keine detailierten Testberichte gelesen habe.

  2. adminon 31 Dec 2012 at 15:35

    Ich hab auch noch keine Messung zu gesehen.. Wollte das schon lang mal tun, aber bin noch nicht dazu gekommen mir nen geeigneten Adapter zu basteln

  3. Powerdampferon 31 Dec 2012 at 17:10

    ein Testbericht vom Propheten himself wäre natürlich vom Feinsten – so ein Messadapter ist ja schnell gebastelt …
    Achso, nen guten Rutsch in Neue Jahr wünsch ich dir noch und danke für die sehr unterhaltsamen und technisch hochwertigen Tests – bitte genau so im Jahr 2013 weiter machen.

  4. Roboterbluton 04 Jan 2013 at 09:17

    SOWEIT ICH WEISS! kommen an den orginalen eGo Kabeln einfach nur stumpf XXX mA raus und die Regelung übernimmt die Akkuelektronik. Eine Messung dazu habe ich nicht, nur schon öfters gelesen…

  5. Marcel (g33k0)on 29 Jul 2014 at 15:34

    Ich habe ebenfalls solch einen Soshine-Lader im Einsatz und zu der nicht vorhandenen Terminierung eine Frage:

    Mein Soshine-Lader lädt den eingelegten Akku immer bis 4,15V. Damit ja soweit gut und schonend. Nach etwa 3 Stunden nach der “Terminierung” des Ladevorgangs liegt die Akkuspannung immer noch ziemlich genau beim Terminierungswert.
    Ist es für den Akku in diesem Fall tatsächlich so schädlich, einige Stunden im Lader zu verbleiben?
    Mein Gedanke dazu: Es sollte ja eigentlich nicht so schädlich sein, da der Akku die ganze Zeit unter den 4,20V bleibt. Nennenswerte Energiemengen scheinen ja (zumindes bei meinem Modell) nicht mehr eingeladen zu werden.
    Oder messe ich da vielleicht falsch?

    Kannst du diese Theorie bestätigen? Wie sind deine Gedanken dazu? Wie schätzt du den Sachverhalt ein?

    Es geht mir eigentlich nur darum, abzuwägen, wie sicher und/oder schädlich es ist, den Akku auch mal ein paar Stunden nach Terminierung im Ladegerät verbleiben zu lassen.

    Die Zeitanzeige finde ich übrigens sehr praktisch. Ich verwende zur Zeit hauptsächlich den Akkutyp Sony US18650V3 und der ist meist nach 3:15h voll geladen. Damit kann ich dann mit einem Blick aufs Display abschätzen, wie lange der Akku noch braucht, bis er voll ist. Somit kann ich den Akku dann recht bald aus dem Ladegerät entnehmen.

  6. adminon 02 Aug 2014 at 01:47

    Hmm.. Deine Frage verstehe ich so: “Wie schädlich ist die fehlende Terminierung, wenn dabei keine Überladung mit einhergeht, zumal Ladeschluss schon recht früh um 4.15V erfolgt”

    Eine verbindliche Antwort dazu hab ich nicht.

    Eigentlich gehe ich persönlich (ohne Gewähr – wie beim Lotto) davon aus, dass es bei tatsächlich gegen Null laufendem Ladestrom ohne Überladung dann in der Tat egal ist, was die Gesamtlebensdauer / Zyklenzahl des Akkus angeht.

    Allerdings: ich werd in meinen Testberichten weiterhin konsequent eine saubere Umsertzung von CC/CV einfordern, da bin ich engstirniger Paragraphenreiter :-)

  7. Marcel (g33k0)on 02 Aug 2014 at 11:43

    Meine Frage hast du vollkommen richtig verstanden ;-)

    Eine verbindliche Antwort wird man dazu nicht finden. Ich wollte nur ausschließen, dass ich bei meinen Überlegungen irgendwas Wichtiges übersehen habe. Deine Meinung teile ich, was das angeht.

    Ich finde es auch gut, dass du ein “Paragraphenreiter” bist. Somit kann man sich immer auf deine Testberichte verlassen. Und zudem sind sie auch (im Rahmen der Messtoleranzen) genau durchgeführt.

    Ich selbst würde eine konsequente Umsetzung des CC/CV-Ladeverfahrens inkl. vollständiger Terminierung auch stets fordern. Li-Ion-Akkus bergen ja eben immer eine gewisse Gefahr des thermischen Durchgehens. Und das Risiko sollte absolut minimiert werden. Und dafür sollten Akkus eben innerhalb ihrer Spezifikationen betrieben werden (was ja CC/CV einschließt).

    Vielen Dank für deine Meinung ;-)
    Der Soshine ist eben ein besonderes Gerät, weil er das Display hat. Und ich steh absolut auf Geräte mit informativen Displays :-D

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