Oct 18 2012

LiIon Einschacht-Lader China der 1.: “HZS-001” – Typ

veröffentlicht in Kategorie LiIon-Lader-Tests  

Was braucht es, um ein Trustfire TR-001 zu deklassieren? Nun, dieser 1,75 Euro.. (nein, kein Tippfehler) Lader aus der Grabbelecke reicht vollkommen aus.. zumindest was die Ladesteuerung angeht.. Wir testen den ersten von mehreren Billigst-China-LiIon Ladern..

 

 …nämlich das Modell “HZS-001” des Herstellers “Shenzhen HI-SENG Optoelectronic” – wie erwähnt bei Online-Händlern in Fernost für unter 2,-€ inkl. Versandkosten bestellbar!

 

China HZS-001 von der Seite

Merkmale:

  • Nur LiIon-Akkus ladbar – somit auch kein 9V Block-Anschluss, wie diversen sehr ähnlich aussehenden Modellen anderer Fabrikate, zu finden
  • Akkuaufnahme Größen 16340 bis 18650 
  • getestet haben wir die Version mit US “flat pin” Netzstecker, klappbar (benötigt Reiseadapter – Achtung billigst “US auf EU”-Adapter haben oft ernsthafte Sicherheitsmängel!) – es gibt aber auch eine Version mit “roud pin”-Steckern, die sicherlich irgendwo auf der Welt in eine Dose passt, jedoch nicht in die “versenkte” deutsche Otto-Normal-Steckdose (braucht daher ebenfalls nen Reisestecker – wasn Murks!)
  • Spezifikation: 3,7 V / 450 mA (gemessen 310mA), Eingangsspannung 110 – 220V

Zumindest die Zahlen kann ich lesen.. CE-Zeichen übrigens wohl eher für “Chinese Export” stehend, siehe Erläuterungen hier.

 

Sicherheitshinweis:

Bei diesen Billigst-Ladern bitte nie die gerne beigefügten “5 Cent” “round pin to flat pin” (aka US auf EU-Steckersystem)-Adapter verwenden! Diese sind teils so grauenhaft schlecht, daß deren Vertrieb schon an fahrlässigen Totschlag grenzt.

Bitte unbedingt einen vernünftigen Marken-Reisestecker zulegen – eine Auswahl hier:

 

Ladetest 1: 

Leerer Akku IMR 18350, Ladevorgang beginnt bei 309mA, ab 3.7V messe ich 297mA, ab 4,0V sinds noch 290mA, ab 4,10 noch 279mA.

Was den Ladestrom betrifft also real schon mal unterhalb der Spezifikation; bei einem leeren 18650er gäbe das einen ganz schön lange Ladezeit von geschätzten 8 – 12 Stunden (je nach Akkukapazität). Aber wer hätte das gedacht – eine (etwas unsaubere) “CC-Phase”, in diesem Lader steckt also schon mal mindestens ein Konstantstromquellen-Baustein!

Beginnend um 4.18V beginnt die Stromstärke deutlich abzunehmen – 240mA, 4,21V 200mA, Bei 4.24V knapp unter 100mA färbt sich die LED Orange, das mit zunehmenden Absinken der Stromstärke immer mehr ins Grün umschlägt.

Haben wir hier etwa einen zweistufigen “CC/CV”-Lader mit Konstantstrom- und anschließender Konstantspannungsphase vor uns, wie ihn sich die Akkuhersteller für LiIon-Zellen wünschen? Nein, jedenfalls keinen vollwertigen – dafür fehlt eine stromabhängige Terminierung des Ladevorgangs, die in der Regel spätestens erfolgen sollte, wenn der Rest-Ladestrom 1/10 der Ursprungs-Stromstärke beträgt, in diesem Fall also bei spätestens 30mA.

Leider läuft dieser China-Lader jedoch genau wie der Trustfire TR-001 auf 0mA aus:

 

Spannungsverlauf des Ladevorgangs…

 

…und in Relation die Stromstärke. Prinzipiell ein “CC/CV”-Kurvenverlauf, leider nur ohne klare Terminierung.

 

Gesamte Ladedauer (bis Reststrom ~0mA): 3 Stunden 25 Minuten, keine “scharfe” Terminierung (Auslaufen des Ladestroms gegen 0mA bei “fließend” von rot über orange grüner werdender LED), finale Zellspannung ca. 4,25V.

Dem Akku konnten hinterher (in 2A-Discharge bis 3,0V) 822mAh entnommen werden (im TR-001 geladen waren es nur 736mAh, im WP6 geladen 824mAh).

Korrekt stromabhängig nach CC/CV-Ladeprotokoll terminiert wird hier nicht, vielmehr läuft über die gegen Ende des Ladevorgags anliegende Ladespannung als limitierender Faktor der Ladestrom aus – die Zelle hätte sich sicher über eine frühere Terminierung bei spätestens 30mA (= 1/10 des Ursprungs-Ladestrom) gefreut, alles andere geht auf die Lebensdauer. Eigentlich wäre der Nutzer im Interesse seiner Akkus gut beraten, den Akku irgendwo in der Mitte zwischen “orange-grüner” und “ganz grüner” LED händisch zu entnehmen.

Die sich in unserem Test bei Reststrom ~0mA für den IMR 18350 effektiv ergebende Ladeschlussspannung von 4,24V ist noch im Rahmen. Möglich jedoch, daß dieser Schwellenwert wie bei vielen einfach konstruierten LiIo-Ladern von Faktoren wie dem Innenwiderstand des Akkus beeinflusst wird und sich damit verschieben kann, womit das Risiko zur latenten Überladung einzelner Akkutypen gegeben wäre.

Zu prüfen wäre ferner noch, ob es wirklich zu einer komplett-Abschaltung jegwelchen Stromflusses in Richtung Akku kommt, oder sich hier schlicht und einfach die Potentiale angeglichen haben, was zwar für den Moment ausbleibenden Stromfluß bedingt, aber einer Erhaltungsladung gleich käme, welche bei LiIon-Akkus nicht nützlich ist, sondern viel mehr immens auf die Lebensdauer geht.

 

Ladetest 2:

Da der Lader nur 1 Schacht hat, kann ich mir den Ladetest bei Doppelbelegung sparen ;-) 

 

Ladetest 3:

Wir legen einen Akku ein, der zuvor auf 3,90V (@ 500mA) vorgeladen wurde: der Ladevorgang startet wie gehabt in der “quasi CC”-Phase bei 310mA und durchläuft, entsprechend verkürzt, den normalen Ladezyklus. Das ist ohne Beanstandung, genau so soll es sein.

 

Ladetest 4:

Ein auf “kritische” < 1V tief-entladener Akku (zu deutsch: irreparabel beschädigte, entsorgungspflichtige, im Laden oder Betrieb nicht mehr sichere Zelle..): der HZS-001 verweigert die Ladung, 0mA Ladestrom, die LED bleibt grün. So soll es sein, so ist das richtig.

 

Anekdote zum Ladetest 4:
Weil mir beim Einstecken immer der klappbare Netzstecker am Lader weggeknickt ist, hatte ich die geniale Idee, einfach den Stecker mit den beiden Zeigefingern festzuhalten, während ich den Lader in den in der Steckdose befindlichen Reiseadapter fummelte. Das war eine Scheiss-Idee, denn die US Stecker sind einfach nur die blanken Leiter, sobald der Kontakt in der Steckdose (bzw. Reisestecker) hat, langt man so effektiv in die Dose. Nun, Haarspray brauch ich diesen Monat keinen mehr. Man, das hat ganz schön gezwirbelt, zum Glück ist er mir aus der Hand gefallen. Also: Hirn einschalten beim (US-)Geräte einstecken..

 

SabbelMR sagt: So ist halt das grausige US-Steckdosensystem. Müsste doch da unten häufiger mal “zwirbeln”?

 

Ladetest 5:

Ein Protected Akku, dessen Protection angesprungen ist: die Protection wird gelöst, der Akku dann wie in Test 1 geladen. Auch das ist das korrekte Verhalten.

 

und von oben

Diverses & Fazit:

Das Problematische an diesen Lader ist also gar nicht wie eigentlich erwartet die Ladeelektronik, es ist die gruselige Materialqualität. Der Schiebermechanismus und die stromführenden Teile sind ein Dünnblechsammelsurium, das schon beim eindringlich anschauen das Wabbeln anfängt (aus Erfahrung weiss ich, dass das Plastik der Verankerung und selbst die Feder nach 300-400 Akkus die Segel streicht – ich nutze diesen Ladertyp “ausgeschlachtet” als Rundzellenhalter für unsere Akkutests auf www.dampfakkus.de). Insbesondere wenn man bedenkt, daß an der im Gerät befindlichen Platine Netzspannung anliegt, ist eine solche Verarbeitungsqualität nicht gerade vertrauenserweckend. Da hilft auch kein unechtes CE-Zeichen (siehe oben).

Über die Sicherheits-Problematik mit den “Flat Pin”-Stromanschlüssen im US-Steckdosensystem-Stil, die die Hersteller für den hiesigen Markt gerne durch beigabe billigster und klapprigster Adapter für die EU-Steckdosen “ummünzen”, hatte ich ferner oben ja bereits berichtet..

Irgendwie ist es müßig, viel über einen Lader in dieser Preisklasse zu schreiben – es dürfte glaub allen klar sein, das sowas allenfalls als Notnagel mal tut, es würde glaub ich niemand ernsthaft überlegen, damit seine teuren Akkus regelmäßig zu laden.

Dennoch – und das ist das Perverse – verrichtet dieser Lader seine Arbeit besser als der Trustfire TR-001, hauptsächlich wegen des der Ladeschaltung offensichtlich spendierten Konstantstromquellen-IC, für den es beim TR-001 nicht gereicht hat. Das Ergebnis ist, wie man an den Zahlen oben sieht, eine sinnvollere und effektivere Beladung mit anschließend mehr zur Verfügung stehender Nutzkapazität als beim teureren Trustfire-Lader.. Mit der Verweigerung der Beladung von tiefentladensten Akkus weist der “1,75€” HZS-001 Lader sogar grundlegende Sicherheitsfunktionen auf, die der Trustfire TR-001 vermissen lässt.

Unserem “Einschächtler” hier jedoch fehlt – neben einer sichereren Verarbeitung (!) und einem höheren Ladestrom – vor allem eine reststromabhängige Ladeterminierung im CC/CV-Verfahren (wie von den Akkuherstellern vorgeschrieben) zu einem guten Gewissens zu empfehlenden Universal LiIon-Lader.

 

Von letzterer Gattung hier mal eine Auswahl – Tests der einzelnen Geräte folgen in Kürze:

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2 responses so far

2 Responses to “LiIon Einschacht-Lader China der 1.: “HZS-001” – Typ”

  1. Bucoon 15 Dec 2015 at 15:34

    Alter. Wie geil ist diese Seite denn :D
    Hammer Tests. Danke!

    Überlege gerade ob ich den HZS behalte oder nen Xtar MC1 Plus ordere.

  2. Bucoon 08 Jan 2016 at 14:38

    Ich wollte noch hinzufügen, dass mein Akku auch tiefentladen war (lag ein Jahr rum) . 0,1 V oder so zeigte mein 0815 Mutimeter an. Als ich ihn anschloss war die LED zunächst grün und dann wechselte es nach ein paar Minuten auf Rot und der Akku wurde geladen. Also ich weiss nicht was das jetzt heissen soll.

    Es handelt sich um einen 14500 roten Sanyo Akku. Soviel ich erkennen kann unprotected.

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