Dec 01 2011

Buffalo Terastation ES – Einsteiger NAS im Test

veröffentlicht in Kategorie Computer  

Frisch eingetrudelt: Die Buffalo Terastation III ES in 4TB Ausstattung ( TS-XE4.oTL / R5) ist kein Sprinter, lässt es eher ruhig angehen, überzeugt aber mit aufs wesentliche reduzierten, sinnvollen Funktionen und ordentlicher Qualität zu einem fairen Preis.

Hardware Merkmale der Buffalo Terastation ES:

  • Fertig bestückt mit 4 Festplatten wahlweise in 2, 4 oder 8 TB Gesamtkapazität – in meiner 4 TB Version werkeln 4 Western Digital WD10EARS 5.400er SATA Platten aus der EcoGreen Serie. Nicht gerade eine optimale Wahl für ein RAID System, das sind eigentlich doch eher Consumer Desktop Platten, aber trotzdem eine extrem beliebte Serie bei “Selber-Schraubern”.
  • Etwas leistungsschwache Marvel Kirkwood CPU mit 1.200MHz, 256 MB DDR2 RAM.
  • 2 USB 2.0 Ports, die jedoch nicht zum Anschluss an den PC gedacht sind, sondern für zusätzliche USB Platten oder USB Sticks bzw. Drucker oder eine APC USV.
  • 2 Gigabit Ethernet Ports, fürs Ankoppeln  an 2 LANs, Loadbalancing, Failover oder Trunking, Jumboframe bis 7k kompatibel.
  • Ordentliche Schnellwechselrahmen, Hot-Swap fähig (bei RAID 5 oder 10) optional HotSpare.
  • Solides, 8kg (mit Platten) schweres Metallgehäuse in Schuhkarton Größe mit Plastikfront, Luftfilter, großer, kaum hörbarer Lüfter – die Platten sind lauter..
  • Farbig beleuchtetes, konfigurier- und dimmbares LCD Statusdisplay, diverse dimmbare LEDs für Fehler/Plattenstatus etc.
  • Tool-CD, deutsche Anleitung & Setup Assistent (letzterer ist allerdings arg schludrig übersetzt: Bei “Drücken Sie den Macht Knopf” konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen)
  • Internes Netzteil, Schuko Stecker, 2m Lan Kabel “flach”
  • 10 Lizenzen Novastore Backup “Business Essentials” in leider nicht mehr ganz frischer Version v11 (Server Edition!)

Das ES in Terastation III ES steht übrigens für die Sparversionen (= Serienbezeichnung TS-XE) der Terastation Reihe, der große Bruder heisst nur “Terastation III” ohne ES (bzw. TS-X) und kommt mit leistungsfähigerer CPU und mehr RAM.

Funktionen der Terastation ES:

  • Intuitives, aber kreuzlahmes WebInterface
  • basiert auf Linux OS mit Samba, geschlossenes System, jedoch Jailbreak möglich.
  • JBOD, RAID 0 (nur Striping), RAID1, RAID 5 und RAID 10 Support mit HotSpare Funktion
  • Unterstützt zwei RAID Arrays gleichzeitig.
  • NT Domain LDAP und AD Unterstützung
  • SMB/CIFS,  AFP und NFS Shares
  • kompatibel zu Apple TimeMachine
  • FAT32, EXT3, XFS, (NTFS nur lesend) an USB unterstützt.
  • Umfangreiches Benutzer-/Gruppen-/Rechtemanagement mit Soft-Quotas
  • Syslog fähig, Zugriff auf SMB und FTP Logs, eMail Benachrichtigungen
  • DFS Unterstützung, Rsync (nur zu anderen Buffalo Geräten)
  • Sleepmodus über Utilitiy für den PC oder per “Zeitschaltuhr im WebInterface” steuerbar

Zusatzfunktionen – alle Abschaltbar!

Ich mag keine mit  55 in 1 Funktionen überladene NAS Boxen. Schon gar nicht im niedrigen Preissegment. Die Terastation III ES beschränkt sich auf das Wesentliche

  • AES 128bit Verschlüsselung zuschaltbar
  • exzellenter Mediaserver (verwendet wird Twonky Server)  – DNLA & iTunes kompatibel
  • sehr praktisches “LAMP” Setup (Lighttpd, MySQL Server mit PHPMyAdmin, abschaltbar, PHP INI Editor)
  • FTP / SFTP Server
  • Bittorrent Client (wers braucht, ich hab ihn erst gar nicht angeschalten)
  • Druckerserver (Uni-direktional, daher auch keine Füllstandsanzeigen, reine GDI Drucker gehen gar nicht und Multifunktionsgeräte wenn überhaupt dann nur zum Druck.)
  • Schnelles Kopieren angeschlossener USB Geräte per Taste / WebInterface
  • Sicherer WebAccess auf die Terastation über BuffaloNAS.com (inkl. dyn. IP Verwaltung) kostenlos
  • Indexer zur Suche auf der NAS

Zur Performance – der Schwachpunkt der TeraStation III Serie:

Trotz Gigabit LAN und Jumboframes, die Schreibgeschwindigkeit der Terastation III ES kratzt leider nur an der 30MByte/sec Marke und liegt damit in für die Einsteiger Klasse typischen Regionen. Lesend kommt die Terrastation III ES nicht über 50MByte/sec hinaus.  Hauptschuld würde ich der Marvel Kirkwood CPU geben wollen, wobei der große Bruder Terastation III ohne ES trotz besserer CPU & doppelt soviel RAM auch nur unwesentlich flinker zur Sache geht. Es bleibt letztendlich eben eine billige Einsteiger NAS. Die TeraStation II ES setzt sich noch über die Konkurrenten aus der Einsteigerklasse wie Iomegas StoreCenter x4, Netgear Stora oder die Seagate BlackArmor Serie hinweg, gegen eine QNAP TS-412 oder auch die (ältere) Sparvariante der Synology 411j sieht die Terastation III jedoch kein Land mehr, die sind gute 25% schneller. Legt man nochmal 150-250 Euro drauf, sind mindestens die doppelten Schreib-/Leseraten üblich:  die exzellente Synology DS411 z.b. oder eine ansonsten eher windige Thecus 5200XXX laufen Kreisel um die Terastation III ES.

Zum Preis:

Auf den ersten Blick mag einen der Verkaufspreis von 570,- Euro für die Buffalo TS-XE4TL erst mal irritieren, aber wenn man das mal genauer betrachtet, bewegen wir uns hier sehr Wohl auf Billig NAS Niveau:  Bei einem heutigen krisenbedingten Preis von nicht unter 120,- Euro für die 4 in der Terastation verbauten WD10EARS Platten gehen von den 570,- Kaufpreis gleich 480,- Euro weg, das “Gehäuse” kostet also nach dieser Milchmädchenrechnung nur 90,- Euro, und damit nur die Hälfte dessen, was das Fantec Raidgehäuse aus meinem letzten Post kosten sollte…

Meine Eindrücke:

Trotz des geringen Preises handelt es sich bei der Terastation um eine vollwertige NAS, die im Gegensatz zu anderen NAS in diesem Segment gerade nicht dem Featurewahn verfallen und mit sinnlosem Zeug überfrachtet ist und trotzdem vom Funktionsumfang (LDAP & AD, doppeltes LAN Interface, AES Verschlüsselung, Syslog) im Semiprofessionellen Umfeld zu überzeugen weiss. Das solide 4-Bay Metallgehäuse (vom großen Bruder der Terastation III (TS-X) ohne “ES” übernommen) verfügt über ein eingebautes, großzügig dimensioniertes Netzteil. Buffalo setzt zudem auf stabile, ordentliche schliessende Hot-Swap Schnellwechselrahmen. Die Plastikfront trübt den guten Eindruck nur wenig, die mit Luftschlitzen durchsetzte, abschliessbare Frontklappe mit wechselbaren Staubfilter ist durchaus OK (auch wenn sie auf Bildern nicht ganz so wertig rüberkommt). Das farbig hintergrundbeleuchtete, konfigurier- und dimmbare LCD Display, die dimmbaren StatusLED werte ich ebenfalls mal als positiv, sie geben ausreichend Auskunft über Zustand der NAS, Linkstatus der 2 LANs, Plattenfüllstand, . Der große rückseitige Lüfter Terastation ist kaum hörbar, kann jedoch nicht beeinflusst werden, ob temperatur gesteuert kann ich nicht mit Sicherheit sagen, die NAS läuft zwar jetzt seit Stunden und schaufelt Dateien hin und her, aber bislang ist der Lüfter nicht lauter geworden, das Kühlkonzept erscheint durchaus stimmig. Generell würde ich die Terastation mit den 4 WD EcoGreen Platten gerade noch so als “Im hinteren Eck des Wohnzimmers tauglich” bezeichnen. Hörbar in 2m Abstand, aber nicht störend.

Im (per Zeitschaltung über Kalender steuerbaren) StandBy Modus verbraucht die TeraStation lt. meines Stromschätzgerätes mit ca. 12W doch noch ein bissl mehr als notwendig – zumal die TeraStation III ES *nicht* per WoL geweckt werden kann, im Betrieb mit 4 Platten verbraucht sie moderate 45W. Ein optional aktivierbarer HDD Spindown nach 30 Minuten Inaktivität würde Stromverbrauch und Geräuschemission auch nochmal drücken, in der Praxis kommt es aber kaum zu 30 Minuten Inaktivität der Platten, die Funktion ist deshalb etwas nutzlos.

Die Einrichtung ist sehr flexibel möglich, bis zu 2 Raid Verbände in zig Varianten sind machbar, darunter z.b: RAID 5 oder 10 über 4 Platten, RAID 5 mit 3 Platten und HotSpare, oder doch lieber gleich zwei RAID 1, oder ein RAID 0 Striping oder einfach nur JBOD. Raid Aufbau und Rebuild verlaufen transparent im Hintergrund, die NAS bleibt nutzbar.

Konfiguration der 2 möglichen RAID Verbände im WebInterface der TeraStation

Konfiguration eines Shares

 

Der verwendete Twonky Media Server ist einer meiner Favoriten, den hatte ich bereits für meine alte WHSv1 und für die erste TeraStation Serie damals auch schon extra gekauft. Schön, dass der in TeraStation III nun bereits enthalten ist – allerdings nutze ich ihn nicht.

Twonky Media Server in der TeraStation III ES

Apple Nutzer werden sich über die Kompatibilität mit TimeMachine (bei NAS leider immer noch keine Selbstverständlichkeit) und AFP Support freuen. Wirklich überrascht hat mich die gute Implementierung des “LAMP” Systems, lighttpd, PHP, MySQL & PHPmyAdmin, das ist als Testplattform oder für kleine Extra-/Intranetanwendungen durchaus nutzbar, auch wenn die installierten Versionen etwas hinterherhinken und ich den Zugriff von Außen darüber nicht unbedingt empfehlen würde.

Das mitgelieferte NovaBackup Business Essentials (10 Lizenzen) ist ein kleines Highlight. NovaBackup ist eine professionelle Backupsoftware für WinServer 2003, 2008 und XP, Vista & Win7.  Zwar wird hier nicht die neueste Version (die Version v11.1.14 auf der Buffalo CD ist von 2010r), der Funktionsumfang dieser Software mit Windows Server, Exchange & SQL Server Support jedoch übertrifft die üblichen Software-Beigaben bei weitem. Dazu kommt die Möglichkeit, Backups in die Amazon S3 Cloud zu machen. Ein sogenanntes kostenloses Upgrade auf v12.5 kostet 7,95 “Bearbeitungsgebühr” direkt bei NovaStore, allerdings bekam ich auf diesem Weg nur eine Einzellizenz upgedatet und nicht die kompletten 10 Lizenzen, die bei Buffalo dabei sind. Eine Anfrage an NovaStore läuft derzeit. 

 Kritikpunkte:

  • Die Performance ist leider nur arg mäßig.
  • USB3 wäre schön gewesen, aber bei den Schreib-/Leseraten verzichtbar, würde eh nicht viel bringen.
  • Rsync nur zu anderen Buffalo Geräten möglich.
  • Austauschplatten einzeln gekauft 50% teurer als notwendig, bei Verwendung “inoffizieller” Ersatzplatten Garantieverlust (und die Wechselrahmen sind etwas fummelig an die neue Platte zu schrauben, original Ersatzplatten kommen mit Rahmen fertig montiert)
  • Das WebInterface mit seinen Ajax Spielereien ist sehr träge.
  • Die Updatepolitik für die mitgelieferten 10 NovaStore NovaBackup Lizenzen ist sehr verwirrend.
  • Unverständlich, warum die ES Variante nicht per WoL geweckt werden kann.
  • Wie bei Linux Samba Geräten üblich funktioniert das ReadOnly und das Hidden Flag nicht korrekt.

Mein Fazit:

Wenn die TerraStation III ES nicht so langsam wäre, wäre sie echt genial. Guter Funktionsumfang, stabil, solide Verarbeitungsqualität. Leicht einzurichten (aus der Box bereits fertig nutzbar) und zu benutzen, Profi Features und trotzdem unkompliziert in Betrieb zu nehmen. Man bekommt Sie nur inklusive Platten, in 2, 4 oder 8TB, die Preise für die 4 TB und 8 TB Modelle sind vergleichsweise durchaus noch günstig. Wem es jetzt nicht unbedingt auf Geschwindigkeit sondern eher auf Nutzbarkeit und Qualität ankommt, der ist bei der Buffalo TS-XEL schon eher richtig.

Die TeraStation III ES bei Amazon:

 

TS-XE4.0TL
wie hier getestet
TS-XE8.0TL
Variante mit 8 TB
Synology DS411 ohne Platten
deutlich schneller & teurer

 

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