Nov 29 2011

Fantec QB-35US3R externes Festplattengehäuse mit RAID

veröffentlicht in Kategorie Computer  

Ein ernüchternder Blick auf Fantecs QB-35US3R externes 4-Bay Festplattengehäuse mit RAID 0-10, USB3 und E-SATA? Klingt gut? Nunja.. abwarten und

Wer hat das nicht, irgendwo im Schreibtisch liegt noch ein Stapel alter 3.5″ SATA I & II Festplatten, denen man doch ganz gerne noch einen vernünftigen Daseinszweck geben möchte, da greift man schnell zum QB-35US3R und merkt: das QB-35US3R hat zwar RAID 0, 1, 3, 5 und 10.. aber kein JBOD. Ja, bin ich selber Schuld, dass ich angenommen hätte, das Dinge könnte JBOD, stehen tut es tatsächlich nirgends.  Aber wenn es schonmal hier ist, wollen wir uns das auch gleich mal genauer anschauen. 

Unterschiedliche Festplatten kombinieren? Vergisses!

Selbst wenn sich das Fantec da etwas lockerer beim Mischen zeigen würde, generell gilt: die Größe eines RAID Verbundes richtet sich primär nach der kleinsten Platte. 2*2TB und 1*500GB im RAID 3 ist z.b. absolut daneben. Würde kein Sinn machen.

Gemischte Plattenkonfigurationen im RAID 3 oder RAID 5 Verbund mag der gute Fantec QB35US3R überhaupt nicht und er verabschiedete sich spätestens unmotiviert beim Initialisieren des Arrays. Am Ende blieb ich bei 4*WD20EARS erst im RAID 5 und dann 3 der WD Platten im RAID 3. Überzeugt hat mich aber alles nicht. Mal abgesehen davon, dass die WD Eco Green Serie als Öko-Desktop Platte für den RAID Einsatz schon ansich keine gute Wahl ist.

Zum Mischen unterschiedlicher Platten eignet sich am ehesten noch der RAID 0 Spanning Verbund als zusammengefasstes, großes “BIG Drive” – aber noch besser: ein komplett anderes Gehäuse mit JBOD. Getestet hab ich vorhin noch mal RAID 0 Spanning mit 2 WD10EADS, einer Hitachi Deskstar 250 GB und einer Samsung HD502HI 500GB, das hatte soweit gut funktioniert, aber empfehlen kann ich solche Mixturen nicht.  Dazu ist RAID 0 Spanning auch noch genauso anfällig für Datenverluste aufgrund Festplattendefekten wie RAID 0 Striping, ohne jedoch von der erhöhten Zugriffsgeschwindigkeit des Stripings zu profitieren. Ergo witzlos. RAID 0 ist einfach ein Glückspiel wegen des überhöhten Ausfallrisikos (jede zusätzlich Platte erhöht das Risiko).

Für Raid 1 kauf ich kein 4-Bay Gehäuse

RAID 1 ist sicher, braucht nur 2 Platten, man verliert aber eine der Platten komplett als Sicherungslaufwerk, 50% Speicherplatz flöten – aber für RAID 1 brauch ich mir kein 4-Bay Gehäuse kaufen, ein 2-Bay gibts wesentlich günstiger. Das Fantec kann nur einen einzelnen RAID-Verbund darstellen, RAID 1 also in doppelter Hinsicht rausgeschmissenes Geld. Ein RAID kann man nachträglich nicht vergrößern, ohne sämtliche Daten auf dem RAID zu verlieren, jetzt mal mit 2 Platten RAID 1 anzufangen und dann nachträglich Neue dazu stecken geht in RAID nicht, geht nur in JBOD.

Mein Kompromiss Tipp für das QB-35US3R: RAID 3 mit 3 Platten.

Wenn man wirklich dieses Gehäuse nutzen will, dann ist meiner Meinung nach nur RAID 3, 5 oder 10 sinnvoll. Angesichts aktueller Festplattenpreise würde ich bei 3 absolut identische Platten bleiben. RAID 5 wenn dann nur mit 3 Platten. Bei RAID 5 mit 4 Platten bricht die Schreibgeschwindigkeit bei mir drastisch ein. RAID 10 hab ich nicht getestet,

Langer Rede kurzer Sinn:  QB-35US3R RAID taugt für mich nicht.

Aus vielerlei Hinsicht: es taugt meiner Meinung wirklich nur dann, wenn man am besten 3 identische Festplatten bereits daheim rumliegen hat.  Bei den heutigen Festplattenpreisen dank Thailand Überschwemmung wäre ein Neukauf der Platten ein teures Unterfangen. Da rechnet sich das Fantec Gehäuse nicht mehr: 170 Euro für Fantec plus nochmal 3*150,- Euro für 3 identische und bescheidene RAID geeignete 1TB Platten macht 620 Euro, dafür bekomme ich auch ein 4 TB fixfertiges NAS, das hat dann noch nen LAN Anschluss und sooo ne Latte an Serverfunktionen, die das QB-35US3R alles nicht hat. 

Letztendlich überkam mich dann recht schnell die Erkenntnis: ok, da hab ich das falsche Fantec Gehäuse gekauft, ein JBOD Gehäuse wäre besser gewesen – ganz ohne RAID, Platten beliebig zusteckbar und wenn eine der 4 Platten kaputt geht, dann hat man zumindest die anderen 3 noch funktionsfähig. Das hätte ich mir kaufen sollen.

Dafür kann Fantec nix, aber wofür Fantec etwas kann ist:

  • die Installationsprozedur ist umständlich: erst müssen die zu verwendenden Platten in einen PC oder ein externes Gehäuse eingebaut werden und dort initialisiert & formatiert werden. Diese Ersteinrichtung ist *NICHT* im Fantec Gehäuse selbst möglich, also entweder muss ich meinen PC umbauen oder mir ein externes Gehäuse/Dockingstation kaufen, damit ich überhaupt das Ding in Betrieb nehmen kann. Das deutsche Handbuch gibt sich hier mißverständlich und etwas kryptisch und verschweigt die 2. Hälfte der Inbetriebnahme komplett: Nachdem man seine 4 Festplatten im PC erst mal mit GPT initialisiert und NTFS formatiert hat, dann in das Gehäuse eingeklemmt und dann den RAID Modus ausgesucht hat, passiert erst mal gar nix, einzig der kleine PnP Treiber Assi signalisiert mit einem schüchternen kleinen Balloon Tipp, dass ein neues Gerät gefunden wurde. Windows (getestet mit Win7 64bit) sitzt ansonsten nur da und tut nix. Tjo. Nun mag ein versierter Nutzer durchaus wissen, dass er nun in der Datenträgerverlwatung von Windows das RAID jetzt nochmals initialisieren und dann NTFS formatieren muss, aber für die weniger versierten Anwender hätte man da ruhig noch nen Satz schreiben können.
  • der Haltemechanismus der die Platten  an die Controllerstecker im Gehäuse drücken soll ist absolut billig und eher windschief als alles andere. Die Platten rasten kaum spürbar ein – oder wie bei einer meiner Platte ganz ohne “rasten” und werden von einem kleinen Plastikbügel mit Schaumstoff-Noppen mehr larifari hinten gegen die Kontakte und vorne halbherzig  gegen eine Metallplatte gedrückt.

    Ich bin (k)ein HDD Einbauhmen !?


    Im Vergleich zu den Einbaurahmen der Konkurrenz ist dies absolut billig gelöst.
    Es kommt noch besser: zusammengehalten wird die ganze Konstruktion durch eine kleine Metallplatte, welche zwar oben einrastet, aber unten einfach nur gegen eine dünne Plastikleiste nur wenige Milimeter stark und hoch als Widerlager geklemmt wird. 

    Stabil und Vertrauenserweckend sieht anders aus

  •  das Controller Board im Innern des Gehäuses verdeckt den Lüfter zu gefühlten 95%. Da hilft es nix, dass der Lüfter temperaturgesteuert und in 3 Stufen regelbar ist. Leider noch oben drauf nur in billigster Qualität und macht schon nach kurzer Zeit bei großen Kopiervorgängen laut röhrend von sich hören.

    Von Innen betrachte beschleicht einen angesichts der durchdachten Kühlkonstruktion des Fantec QB-35US3R schon ein etwas mulmiges Gefühl...

    Wundert man sich da über schlechte Kühlleistung? Ich nicht wirklich. Einen habe ich noch:

    aber von Aussen wirkt das erst so richtig.. Ihr wollt mich veräppeln, oder?

    Durch den versperrten Luftweg ist die Kühlung der Platten stark beeinträchtig und vermutlich deshalb heizen die Platten schnell auf, um dann den Lüfter zu einem nervtötenden Lärmspektakel zur veranlassen. Im Idle ist es, solang der Lüfter noch neu ist, durchaus erträglich, allerdings geb ich dem Lüfter kein halbes Jahr. Wenigstens kann man ihn tauschen. Dieser fast komplett zugebaute Luftweg ist in meinen Augen ein Designfehler. Im Moment betreibe ich die Kiste mit geöffneter Frontplatte, dann bleibt es wenigstens leise. Das in Rezensionen öfter erwähnte Pfeiffen des Netzteils kann ich dagegen nicht nachvollziehen.

  • Kompatibilität bescheiden. Schon beim Versuch der Inbetriebnahme hagelte es ein Problem nach dem anderen, das Raid lies sich am ersten PC gar nicht erst initialisieren, die Datenträgerverwaltung bricht mit Fehlern ab. Per USB 3.0 funktionierte bisher gar nichts, werde die Tage mal noch einen dritten USB3 Controller testen, aber eigentlich langts mir inzwischen. Wenn es überhaupt mal funktionierte, taucht das RAID nach einem Neustart zwar auf, verabschiedet sich dann aber sang und klanglos nach ein paar Minuten und ist nicht mehr ansprechbar. Ich hab hier 3 PCs stehen, 2 mit USB3.0 & USB2.0 und ein Notebook mit nur USB2.0 – einwandfrei funktionieren tut das Fantec Gehäuse nur an einem der Drei und dort nur per USB2.0.  Überhaupt nirgends zum Laufen bekommen hab ich das Firmwareupgrade Tool, auf einem PC findet es das Gehäuse nicht, auf dem anderen findet er zwar das Gehäuse, aber vermeldet dann falsche JMicron Controller Version und weigert sich, irgendwas zu tun.
  • Die Schreibperformance.. nunja, das ist ein komplexes Thema: per USB2.0 angeschlossen komme ich nicht mal auf 20 MB/Sek, egal welcher Modus und damit langsamer, als es unter USB2.0 sein müsste. Aber das ist alles Makulatur: USB2.0 ist nicht akzeptabel und solang ich USB3.0 nicht doch noch zu laufen bekomme, macht es keinen Sinn, sich da nun groß drüber zu unterhalten. USB3.0 konnte ich noch nicht einen Meßwert erhalten.
  • Das Handbuch ist zwar deutsch, aber unlogisch strukturiert und sehr lückenhaft. Der Fantec Support, den ich wegen meiner “Da tut sich gar nix, was soll ich tun”-Probleme angerufen habe fällt in die Kategorie “NaNu” (Nett aber Nutzlos). “Schauen Sie doch mal ins Forum und versuchen Sie USB2.0”.. das “wenns mit USB2.0 geht, liegts nicht an uns” denke ich mir jetzt einfach mal… Aber nochmal: ich kauf kein USB3 Gehäuse, um es mit USB2.0 zu betreiben!

 

Lieferumfang:

  • Gehäuse mit externem Netzteil, Kabel mit Schuko Stecker
  • 4 wabbelige Plastikbügel nebst 8 Schrauben, die an die Festplatte geschraubt, die Platte im Gehäuse fixieren sollen und kleinem Schraubendreher
  • E-SATA und USB 3.0 Kabel
  • Handbuch & Garantiekarte

 Mein Fazit:

Wer explizit nach einem RAID fähigen 4-Bay Leergehäuse für unter 200,- Euro sucht, der kann ja mal sein Glück versuchen. Viel Auswahl gibts da ja auch nicht gerade. Wenn es denn mal läuft, mit viel Glück sogar unter USB3.0, mag das ja durchaus in Ordnung gehen. Für mich wäre das JBOD Modell aus der selben Serien sinnvoller gewesen, aber ehrlich gesagt, mag ich nach diesem enttäuschenden Auftritt der QB-35US3R kein weiteres Fantec Gerät probieren. Dank Fernabsatzgesetz habe ich noch ein paar Tage, um nochmal weiter zu testen, aber ich denke mal, da gehört nun ein sauberer Schlussstrich drunter. Das QB-35US3R als RAID Gehäuse vermochte mich nicht überzeugen, die 170,- Euro, die man dafür bezahlt, ist es einfach nicht Wert. Ich werde mir jetzt mal die teureren aber hoffentlich überzeugenderen NAS Boxen von QNAP & Thecus anschauen, oder doch wieder zu ner fertig bestückten Synology oder Buffalo greifen. Mal schauen.

Nachtrag: Ich sehe gerade durch Zufall, dass mir während der Verwendung / eines Kopiervorgangs ständig Controller Fehler ins Windows Protokoll geschrieben werden. Vermutlich ist das Ding also schlicht defekt.

 

QB-35US3R wie getestet Version nur JBOD Günstige 4-Bay NAS

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One Response to “Fantec QB-35US3R externes Festplattengehäuse mit RAID”

  1. […] also nach dieser Milchmädchenrechnung nur 90,- Euro, und damit nur die Hälfte dessen, was das Fantec Raidgehäuse aus meinem letzten Post kosten […]

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