Nov 10 2011

Kurztest: Musical Fidelity V-DAC II – Hifi Klang vom PC per USB

veröffentlicht in Kategorie Computer, Lifestyle  

Der Musical Fidelity V-DAC II ist ein externer DA-Wandler mit USB Anschluss, sozusagen eine Art externer Soundkarte, um Musik am PC in Hifi tauglicher Qualität auf die heimische Stereoanlage zu bringen. Oder den Klang eher weniger gut klingender Abspielgeräte mit Digitalausgang (Toslink oder Coax-Digital) dank besserer Wandler und weniger Jitter aufzupolieren. Aber konzentrieren wir uns in diesem kurzen Testbericht auf den Einsatz am PC.

Das ist nun hier ja schon der zweite oder dritte Test zum Thema “Musik in bestmöglicher Qualität vom PC zu Anlage”, zuletzt ging es ja um die mit 35,- Euro recht günstige Asus Xonar U1 externe USB Soundkarte. Im Vergleich dazu kann der V-DAC II wieder eine deutliche hörbare Steigerung in Klangqualität und auch im Handling bieten, aber dafür kostet er mit seinen 249,- Listenpreis auch sechsmal soviel.

Was bekommt man da für sein Geld?

Nun, das silberne Metallgehäuse des V-DAC II hat auf einer Seite einen USB Eingang, sowie einen Toslink optisch und einen vergoldeten Coaxial Digital Cinch Eingang, sowie einen kleinen Schalter, um zwischen USB und Digitaleingang umzuschalten. Dazu eine grelle blaue PowerLED und ein nicht minder leuchtendes grünes “Signal ist OK” Lämpchen. Das mitgelieferte Steckernetzteil nach Modell “Wandwarze” versorgt den V-DAC2 mit Strom. Auf der gegenüberliegenden Seite finden sich 2 vergoldete Cinch Ausgänge für das Stereosignal. Im Vergleich zum Vorgänger Musical Fidelity V-DAC I wirkt das Gehäuse durchaus wertiger, richtiges HighEnd Feeling kommt aber immer noch nicht auf.

Ganz im Gegensatz zu den inneren Werten, dort werkeln die 2 Burr Brown Chips: DSD 1796 DAC und SRC 4392 nebst asynchronem USB Interface und kümmern sich um fast schon audiophile Aufbereitung der Musik, bekämpfen wirksam den Jitter, der beim PC gerne den Klang vermiest  da ist man bei Musical Fidelity mit Recht ganz stolz drauf. So ausgestattet nimmt der VDAC-II nun klaglos hochwertige Musikaufnahmen bis 24bit/96KHz per USB (über Toslink/Coax bis 192KHz) entgegen, im Linn Downloadstore für Audiophile Musik oder bei HDTracks gekaufte Titel bis 24/96 spielen problemlos – Titel mit 24/192 verweigert er über USB wie erwartet mit “Nicht unterstütztes Format”.

Der Lieferumfang des V-DAC ist sehr überschaubar, das silberne Kästchen des VDAC2, ein liebloses wie nutzloses Faltblatt als Anleitung und ein allerwelts Steckernetzteil als Stromversorgung. Fertig.

Das Handling – oder wie schliesst man das an und benutzt es?

Vom Handling her könnte es im Vergleich zu den oftmals etwas hakeligen externen USB Soundkarten Treiber-Installationsorgien nicht einfacher gehen, der Musical Fidelity V-DAC2 kommt ohne irgendeinen Treiber per USB angeschlossen als neues Wiedergabegerät in Windows – hier Windows 7 – an. Ob das nun Windows 7, Windows XP oder MAC OSX ist, ist eigentlich Wurscht, es funktioniert bei mir mit allen Drei gleich gut. Nur Linux weiss ich nicht.

Der V-DAC II in der Windows 7 Liste der Audio Ausgabegräte

Keine Treiber, keine verwirrenden Steuerungsoptionen, ControlCenter oder Bedienpanels – aber dafür auch keine Effekte, DSP Klangspielereien oder sonstigen Schnickschnack. Nein, der V-DAC 2 tut nur eines: die Musik über USB entgegen nehmen und dann in bestmöglicher Qualität an seinen Cinch Stereoausgangsbuchsen an die Stereoanlage weiterleiten.

In der einfachsten Variante stellt man also die Audioausgabe in oben gezeigten Screenshot um auf den Musical Fidelity VDAC-II und gut ist es. Bereits so ist der Klanggewinn im Vergleich zur OnBoard Soundkarte überwaltigend. Dies ist auch der Weg, um z.b. Streaming Dienste wie Simfy oder Napster auf die Anlage umzuleiten.

Noch besser wird es jedoch, wenn man zum Abspielen seiner Musiksammlung noch eine Abspielsoftware verwendet, welchen bitgenaue Wiedergabe und exklusive Nutzung einer zweiten Soundkarte unterstützt – ich selbst verwende die exzellente Freeware Foobar2000 bzw. die kostengünstige Shareware MediaMonkey Gold. Mit so einem hochwertigen Player lässt man das Standard Windows Audioausgabegerät wie es ist auf der internen Soundkarte und weist nur dem Abspielprogramm – im Screenshot unten Foobar2000 – den VDAC-II exklusiv zu.  Auf diese Weise erreicht man auch die Trennung von PC Systemsounds, wie z.b. das Bimmeln wenn neue eMail ankommt oder wenn mich jemand anchattet, von der eigentlichen Musik.

Die beste Soundqualität erzielt man über die Verwendung der optional installierbaren ASIO- oder KernelStreaming- oder in meinem Fall mit Windows 7 über die WASAPI – Plugins der Playersoftware, welche die Soundaufbereitung/Mixer etc. von Windows komplett umgehen und so bitgenaue, unverfälschte Wiedergabe über den V-DAC 2 ermöglichen.

Output Einstellung in Foobar2000 in Win7: über WASAPI zum Musical Fidelity VDAC-2

 

Im Moment sieht die gesamte Abspielkette bei mir so aus: Win7 Netbook mit Foobar2000 und WASAPI über ein 3m passives USB Kabel an VDAC-II mit 0,5m Chinch (50,- Euro Klasse) an einen betagten aber nicht zu verachtenden Sony TAF-870ES an Quadral Montan II. Das ist jetzt kein High End, aber solides Hifi, der Musical Fidelity V-DAC II passt da prima dazu. Kabellängen bis 10m USB habe ich mit einer USB Verlängerung mit Repeater auch schon erfolgreich getestet. Die Fernsteuerung des Netbooks über Apple iPhone / iPad oder alternativ eine günstige MediaRemote Fernbedienung bietet dazu optimalen Bedienkomfort auch von der Couch aus.

 

Kritikpunkte – Achtung Meckern auf hohem Niveau:

  • Bei sehr hohen Lautstärken (und nur da!)  sind über meinen Desktop PC per 10m USB Kabel leichte Störgeräusche in Stillephasen vernehmbar. So ganz 100% sauber ist die USB Lösung zumindest auf diese Distanz also trotz allem nicht und irgendwas streut hier noch immer rein. Über das kurze USB Kabel an das Netbook angeschlossen vermag ich diese “Störungen” nicht zu hören. Über Toslink aus dem CD Player herrscht ebenfalls Grabesstille bis zum Anschlag. Ob das nun an der bescheidenen Qualität meines Desktop PCs liegt, oder an dem langen USB Kabel nebst Funktstörfeuerwerk in meinem Wohnzimmer, konnte ich bislang noch nicht 100% klären – aber ich wollte das zumindest mal erwähnt haben.
  • Die LEDs am VDAC-II sind zu grell. Selbst hinten im Rack versteckt finde ich das Leuchten der 2 LEDs etwas störend. Abhilfe: Isolierband schwarz.
  • Die Grüne “Signal OK” LED des VDAC-II erlischt, wenn der angeschlossene PC in den Ruhezustand geht und geht danach auch nach dem Aufwachen aus dem Standby bis zum nächsten Reboot des Rechners auch nicht mehr an. Eine Klangbeeinträchtigung konnte ich nicht feststellen, ich hatte mich nur gewundert, warum die LED da nicht mehr brennt. Auf Funktion hat es keinerlei Einfluss.

 

Mein Fazit:

Kurz gesagt, wer mit dem Gedanken spielt, unkompliziert seinen PC in richtig guter Qualität an die qualitativ ordentliche Stereoanlage zu bekommen und das nur zur Musikwiedergabe in Stereo nutzen will, sollte sich den V-DAC-II ruhig mal anschauen. Der ist seinen Preis durchaus wert, was da rauskommt ist sehr sehr ordentlich und kann lt. diverse Testmagazinen auch mit teureren DAC Lösungen bis 500 Euro locker mithalten. Ich beschreibe nicht gerne das “Klangerlebnis” von Hifi Geräten, das ist immer so wischiwaschi. Luftig, quirlig, feinzeichnend, sehr räumlich mit breiter Bühne und knackigem Bass fallen mir spontan ein. Mit den passenden FLACs als Quellmaterial gefüttert hab ich mich nun dazu entschlossen, den CD Player in Rente zu schicken. Mittels V-DAC II und Foobar erhalte ich bei lossless Flacs nun eine Qualität, die durchaus mit CD-Qualität der meisten Mittelklasse CD-Player mithalten kann, dank 24/96 diese sogar übersteigt.  Als angenehmer Nebeneffekt vermag der V-DAC II über Toslink angeschlossen auch den Klang meiner Boxee Box zu verbessern, allerdings ist mir deren Bedienkonzept fürs Musik hören zu umständlich, das war nur mal so zum Test.

Noch ein Wort zur Musiksammlung: 

Der V-DAC macht aus einer kaputtkomprimierten MP3 keine hochbittige Referenzaufnahme, er sorgt primär “nur” dafür, dass das Quellenmaterial ohne Verschlechterungen durch den PC an die Anlage gelangt. Diesen Job erledigt der Musical Fidelity VDAC-II ausgezeichnet. Die Qualität, die iTunes, Zune, Musicload oder Amazon MP3 bieten sind die *untere* Grenze. Wir bewegen uns letztlich hier schon auf einem Niveau, auf dem wir in Sachen Dateiformate auf Lossless Formate schielen sollten und MP3s allenfalls mit der Maximalqualität 320kbit/sec angemessen sind. Unterschiede zwischen einem 128kbit Mp3 sind deutlich, ja selbst mit den aus den MP3 Stores üblicherweise gelieferten 256kbit beim genauen Hinhören noch wahrnehmbar. Wer sich diesen Aufwand antut, der geht am besten direkt den Weg zu lossless Formaten, wie z.b. FLAC, bezieht seine Musik aus hochwertigen Quellen, rippt seine CDs selber in FLAC oder ähnlichem oder aber bedient sich dank 24/96 Support auch gerne an den spärlichen legalen HighEnd Quellen wie HDTracks, Linn Download Store.

 

Amazon Links zu den Produkten:

Das hier getestete Modell
Musical Fidelity V-DAC II
Vorgänger (nur 16bit an USB) 
Musical Fidelity V-DAC I
Günstigere Alternative:
ProjectAudio DAC Box USB
     
MediaMonkey 4 10m USB Kabel mit Repeater  
 

2 responses so far

2 Responses to “Kurztest: Musical Fidelity V-DAC II – Hifi Klang vom PC per USB”

  1. MHon 11 Mar 2012 at 12:15

    Frei von langen USB Kabeln wird das Netbook durch einen zwischengeschalteten LAN zu USB Hub der angeschlossen am WLAN Router zum ungebundenen Musikhören verhilft.

  2. Anonymouson 08 Dec 2014 at 12:20

    Guter Bericht, hat nützliche Tips

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