Apr 20 2011

Devolo dLAN 200AVplus: “Powerline” im Altbau – ein voller Erfolg

veröffentlicht in Kategorie Computer  

Die Ausgangslage: ein Altbau aus dem Jahr 1950, veraltetes Stromnetz, uralte Sicherungskästen, ungünstige Phasenverteilung und dazu 2 Stromzähler, die willkürlich das Haus in 2 Teile teilen. Die Aufgabe: Internet verteilen vom Keller (da steht der Router) bis in den Dachboden (dort steht ein Streaming Server angeschlossen an der Sat Anlage). Das “Werkzeug”: 3x Devolo dLAN 200 AVplus, 2x Devolo dLAN 200 AV mini. Das Ergebnis und generell was es bei dLAN zu beachten gibt, gibt’s nach dem Klick.

Vorbereitung:

Eigentlich gibt’s nicht fürchterlich viel einzustellen, die Verschlüsselung geht zur Not auch auf Knopfdruck (Alle Adapter schnell an irgendwelche Steckdosen verteilen, dann Knopf am 1. Adapter drücken, innerhalb 2 Minuten den Knopf am 2. Adapter drücken, usw.), so blieb nur noch, Passwort, Gerätenamen und das Firmware Upgrade der gelieferten v4.1 auf die aktuelle v4.4 (zum Download auf der Homepage erhältlich) als vorbereitende Maßnahme auszuführen. Firmware Upgrades können übrigens nur über einen direkt per Kabel angeschlossenen PC installiert werden. Das Firmware Upgrade an sich kommt in Form eines kleinen Setupprogrammes, welches absolut problemlos und verständlich das Upgrade durchführt (getestet unter Win7 64bit). Die ganze Vorbereitung dauert pro Adapter keine 3 Minuten, danach kann es schon ans Verteilen der Adapter im Haus gehen. Genauso veraltet wie die Firmware auf den Devolo Powerline Adaptern erwies sich die mitgelieferte Devolo dLAN Cockpit Software, sie dient zur Konfiguration und Überwachung der Adapter inkl. Leitungsmessung – auch hier gibt’s die aktuelle Version auf der Devolo Homepage. (Die Software ist übrigens nach der Erstinstallation komplett verzichtbar.)

Verbinden & Kontrolle

Nachdem alle Adapter erst mal auf der jeweiligen Etage in eine zufällige Steckdose gesteckt waren, wird im Keller der Router (eine Fritzbox 7270) mit dem mitgelieferten Kabel an den ersten Devolo dLAN 200 AVplus angeschlossen, im EG findet ein 8-Port Gigabit Switch Anschluss an den Powerline Adapter und im OG wird ein einzelner Windows PC direkt an den Powerline Adapter gesteckt. Zum Streamingserver auf dem Dachboden schreibe ich die Tage einen extra Testbericht. Die durchgeschleiften Steckdosen der Devolo AVplus Geräte machen das ganze Vorhaben erst möglich, denn im Altbau sind Steckdosen chronische Mangelware, absolut undenkbar, da eine Steckdose exklusiv zu opfern.

Warum ein Gigabit Switch im EG? Die Devolos können doch nur 200mbit/sec?
Ganz einfach: im EG stehen File- und Mediaserver und mehrere PCs, die untereinander im Gigabittempo kommunizieren können. Erst wenn die Daten das EG verlassen müssen, dann erst bremst das Stromkabelnetz, aber was innerhalb des EGs passiert, läuft über den Switch und das bei voller Gigabit Leistung.

Zur Kontrolle die Devolo Cockpit Software gestartet und nach wenigen Sekunden tauchten alle 4 Adapter auf. Das an sich hat mich schon sehr positiv überrascht, denn damit hatte ich nicht gerechnet. Das heißt nämlich, dass nicht nur die unterschiedlichen Phasen sondern auch die Stromzähler überwunden wurden. (Keller und OG sind jeweils auf einer eigenen Phase, EG ist gemischt ich glaube alle 3 Phasen zufällig verwurschtelt und das OG verfügt dazu noch über einen separaten Stromzähler und dennoch klappte die Verbindung auf Anhieb.) Vermutlicher Retter in der vermeintlichen Not ist wohl die Tatsche, dass auf allen 3 Etagen ein Elektroherd existiert, welche dreiphasig angeschlossen sind, so ergeben sich vermutlich lange Kabelstrecken, die parallel nebeneinander verlaufen, und ein optimales Überspringen des Signals ermöglichen.

dlan Informer: Status des Netzes

 

Transferraten

Gänzlich ohne Phasenkoppler – gemessen vom Router im Keller aus ergibt sich folgendes Bild der Leistungswerte als Bruttodatenrate: Innerhalb des Kellers, alles selbe Phase, bis zu erstaunlichen 195mbit/sec. Im EG selbe Phase immer noch gute 170mbit/sec. EG andere Phase ausreichende 100mbit/sec. Der Problemfall OG andere Phase/eigener Stromzähler schwankt zwischen noch ausreichenden 60mbit/sec bis zu 80mbit/sec – bei Verwendung des AVplus Adapters, die kleinen AV mini lagen teilweise gute 20% unter den Leistungswerten des “großen Bruders”. Die Verbindung Keller – OG bricht beim mini auf für HD Streaming kritische 40mbit/sec zusammen.

Bei der Verwendung der Devolo Cockpit Software ist sehr interessant zu sehen, wie jeder Adapter mit den anderen im Haus verfügbaren Adaptern “Verbindung” aufnimmt und welche Transferraten dabei gemessen werden.

Teilweise konnte der Netzverbund mit diesem Wissen noch etwas optimiert werden, eine andere Steckdose im selben Raum kann wesentlich bessere Transferraten bringen, also ruhig etwas rumprobieren, die Cockpit Software hilft bei der Auswertung enorm. Als etwas nervig erwies sich allerdings die Stromsparfunktion: ist am Powerline Adapter nichts angeschlossen oder der angeschlossene PC geht in Stromsparmodus, dann verabschiedet sich auch der Adapter prompt aus der Übersicht, wacht aber problemlos wieder auf, wenn Daten ankommen. Schliesst man ein Switch an funktioniert die Stromsparfunktion der Devolo dLAN Adapter zumindest in v4.4 nicht mehr.

Anmerkungen

Vermutlich zeigt sich hier meine Ignoranz, was die HomePlug Technik angeht: ich hätte eigentlich gedacht, je mehr Adapter ich benutze, umso besser wird die Qualität, aber das lies sich in der Praxis nicht bestätigen: ob nun nur 2 Adapter oder alle 5 mir verfügbaren Adapter im Einsatz sind, macht im Endeffekt keinen Unterschied.

Zu beachten ist auch folgendes: dLAN 200 verspricht eine Bruttodatenrate von 200mbit/sec. Dabei ist das von dLAN genutzte Stromkabel jedoch ein sogenanntes “Shared Medium”, sprich wenn Sie nur einen Transfer (Datenübertragung zwischen einem Sender/Empfänger Pärchen) in Betrieb haben steht ihm die gesamten theoretischen 200mbit/sec Brutto zur Verfügung, bei 2 gleichzeitigen Transfers sind es dann nur noch ~100mbit pro “Pärchen”, bei 4 Transfers nur noch 50mbit/sec.. (Nur als Sinnbild – die genaue Aufteilung erfolgt gemäß QoS / Priorisierung). Alles Brutto, die Nettoraten liegen nochmal deutlich darunter.

Letztendlich hab ich aus diesem Experiment folgende Sachen gelernt:

  1. Glückliche Zufälle wie die Elektroherde können auch in vermeintlich schwierigen Ausgangslagen einen problemlosen Betrieb der Netzwerk über die Steckdose Technik ermöglichen, am besten ist es: einfach mal austesten, was da am Ende bei rauskommt
  2. Ein Phasenkoppler ist nicht zwingend notwendig, selbst Stromnetzwerk Killer wie ein separater Zähler ist nicht das Ende der Netzwerkträume
  3. Für stationäre Geräte ist das Netzwerk über die Steckdose praktischer, zuverlässiger und teilweise sogar schneller als WLAN.
  4. die AVplus Modelle der Devolo dLAN 200 Adapter funktionieren besser als die AV minis und die durchgeschleifte Steckdose ist Gold wert.
  5. Ja, ein Ethernet Kabel durch das Haus gezogen ist immer noch schneller und noch zuverlässiger, aber das saubere nachträgliche Verlegen eines solchen Kabels ist ein riesen Ferkellei (Wände auffräsen, Kabel einlegen und eingipsen, neu Tapezieren..)

 

dLan und WLAN kombiniert

Übrigens dLAN und WLAN/Wifi schließen sich nicht aus: im OG hängt nun auch noch ein aktueller Wifi-N Hotspot am dLAN Adapter, der zusammen mit der Fritzbox im Keller meine mobilem Geräte (iPad/iPhone) versorgt. Das dLAN Netz über die Steckdose bildet ein stabiles “Rückgrat”, welches die zu geringe Reichweite des WLAN Teils der Fritzbox elegant überbrückt und den 2. WLAN Hotspot im OG erst ermöglicht.

Sonstiges

Wenn mein Elektriker nach Ostern nochmal ein bissl Zeit für mich hat, lasse ich mir trotz der durchaus brauchbaren Resultate mal noch einen Phasenkoppler einbauen, rein um zu schauen, ob das nicht noch besser geht. Übrigens kann man mit dLAN auch “Brücken” bauen: 2 dLAN Adapter unterschiedlichem Passwort in jeweils einer Steckdose (z.b. andere Phase oder gänzlich anderer Stromkreis) direkt mit einem Kabel zusammengeschlossen und schon hat man eine Brücke. In der Praxis dürfte dieser Fall aber nur sehr selten auftreten. Das gleiche Verfahren geht auch, um sich einen Repeater zu basteln, wenn die Reichweite (300m Leitungslänge) des dLAN nicht ausreichen sollte.

Unterschiede Devolo dLan Mini, AVplus und Smart+

Der günstigste Adapter aus Devolos Palette ist der Mini, in meinem Netz waren die inzwischen 2 Minis, die mir zur Verfügung stehen, immer die Schwächsten im Vergleichzu AVplus und Smart+.  Dazu kommt, dass der Mini keine durchgeschleifte Steckdose für den Strom hat, ich weiss nicht wie es Euch geht, aber bei mir sind Steckdosen absolute Mangelware. Die Steckdose im AVplus und im Smart+ ist übrigens zusätzlich mit Netzfiltern vor Störeinstrahlungen geschützt, vielleicht habe ich deshalb mit den AVplus/Smart+ den besseren Empfang als mit den Minis.

Der einzige Unterschied zwischen AVplus und Smart+ ist das LCD Display. Ja, es ist informativ, zeigt den Status der in der Nähe befindlichen Adapter an und erlaubt die Einrichtung des Netzwerks auch ganz ohne Computer, was irgendwie in meinen Augen jedoch kein so wahnsinnig wichtiges Argument ist, schliesslich kauf ich das ja, um Computer zu vernetzen. Wie dem auch sei: ein einzelner Smart+ im Netz reicht für diese Vorzüge ja schon aus, alle Adapter als Smart+ Variante zu kaufen halte ich daher etwas übertrieben, schliesslich sind die Smart+ ja doch nochmal ein bissl teurer als die AVplus.

Vom Mini würde ich basierend auf meinen Erfahrungen eher abraten. Klar, wenn er wie z.b. im TV Sat PC Paket für effektiv nen 25,- Euro mit dazugepackt wird, geht das schon in Ordnung, aber gezielt kaufen würde ich den Mini nicht.

Nachträge:

Bei Gewitter geht der Durchsatz auf dem dLAN drastisch in den Keller.. Interessant, im Moment wird mir ins OG nur noch 10mbit/sec Brutto gemeldet.

Ich glaub, mein dLAN stört meine drahtlose Türklingel..

Preise:

AVplus 200 Starterset AVplus 200 3er-Set AV Smart+ 200 Einzeln Schneller: AVplus 500 Starter

Eine mögliche Alternative:

Ebenfalls ganz interessant als Alternative zu Powerline / dLAN für Situationen Powerline nicht (gut) funktioniert ist das hier: Satix Coaxline – Netzwerk über Sat Antennenkabel

One response so far

One Response to “Devolo dLAN 200AVplus: “Powerline” im Altbau – ein voller Erfolg”

  1. Stefanon 24 May 2011 at 19:38

    Danke für den ausführlichen Bericht. Ich erkenne einige meiner Überlegungen wieder. :-)

    Für mich ist Powerline auch nicht mehr aus meiner Wohnung wegzudenken. Ich nutze mittlerweile seit einigen Jahren die 200 MBit Adapter von Allnet ohne Probleme und gutem Durchsatz. Gerade bei Audio/Video-Anwendungen finde ich die Technologie stabiler und besser als WLAN.
    Und es funkt schon genug im Haus, auch ohne mein zutun. Da muss ich nicht noch mitmachen.

    Mit den dLAN-Adaptern habe ich bei Freunden ebenfalls gute Erfahrungen gemacht. Das läuft sehr gut und – wie erwähnt – die zusätzliche Steckdose ist ein immer ein wichtiger Punkt, selbst im Eigenheim bei vorheriger sorgfältiger Planung.

    Weitere Infos habe ich hier zusammen gefasst: powerlineethernet.de

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