Mar 27 2011

CloudBerry Online Backup für WHS: Cloud Backups mit dem Homeserver

veröffentlicht in Kategorie Computer  

CloudBerry Labs ist einer der ganz wenigen Hersteller, die der kleinen Gemeinde von Windows Homeserver Anwendern treu geblieben sind und ihre Produkte auch für diese Plattform weiter entwickeln. Mit CloudBerry Online Backup als Add-in für den WHS gelingen vollautomatisierte Backups in die Cloud direkt auf dem WHS, bequem gesteuert über ein Homeserver Add-in. Ich benutze die Vollversion für WHSv1 nun seit einigen Wochen und seit kurzem parallel dazu die Vollversion für WHS2011 auf einem zweiten Homeserver. Die beiden Versionen sind soweit bis auf die unterschiedliche Optik identisch.

Installation

Die Installation von CloudBerry Backup auf dem WHS könnte nicht einfacher sein, Installdatei runtergeladen, in das Add-ins Verzeichnis kopieren und dann im WHS Konsolenfenster schnell auf hinzufügen klicken. Fertig. Nach einem erneuten Start der Konsole steht Cloudberry Backup als neuer Reiter in der WHS Konsole zur Verfügung (inkl. Eintrag in den Settings – dort ist als erster Schritt dann die Grundeinstellung zu vorzunehmen, inkl. Wahl des Cloudanbieters.)

Unter WHS2011 ist der Installvorgang zwar etwas anders, man download sich das Installpaket auf einen an den WHS2011 angeschlossenen ClientPCs und startet die Installation dort per Doppelklick auf die heruntergeladene Datei.

Ein klein wenig kniffliger ist dann die Einrichtung der Verbindung zur Cloud, das liegt jetzt aber nicht an Cloudberry, sondern eher am umständlichen Einrichtungsvorgang beim Cloudanbieter – aber dazu in einem How-To Artikel später mehr.

Cloudberry Backup für WHS 2011

 

Unterstützte Cloud Anbieter:

CloudBerry Labs entwickelt und verkauft nur die Backup Software, nicht jedoch den Cloudspeicher dazu, die kann man sich in beliebiger Kombination aus einer Liste der unterstützten Anbieter selbst aussuchen:

  • Amazon S3 mit Serverstandorten EU (Irland), USA (East / West) und Asien. CloudBerry Backup unterstützt ferner die Reduced Redundancy Option, welche gut 30% der Speicherkosten einspart.
  • Microsoft Azure
  • Google Storage
  • Scality
  • der deutsche Anbieter “Dunkel”, von dem ich zugegeben noch nie was gehört habe
  • neuer deutscher Anbieter: der bekannte Hoster Host Europe
  • Seeweb
  • Connectria
  • Tiscali
  • Mezeo
  • Walrus
  • … und ein zusätzliches Speicherziel auf dem lokalen Dateisystem

Die neuste Version (das Update war kostenlos) von CloudBerry Backup für WHS bietet nun genau wie das Schwesterprogramm CloudBerry Explorer Pro die hierzulande durchaus sehr interessanten Cloud Anbieter Host Europe und Tiscali ebenfalls an.

Sicherheit

Cloudberry Online Backup für WHS unterstützt auf Wunsch SSL gesicherte Verbindungen zur Cloud und kann darüber hinaus im Advanced Modus alle in die Cloud zu übertragenen Dateien zuvor vollautomatisch mit wählbarer Verschlüsselung und benutzerdefiniertem Key verschlüsseln. Zur Auswahl stehen: AES bis 256bit, sowie DES, RC2 und 3DES in unterschiedlichen Varianten.

Kompression, AES Verschlüsselung bis 256bit, Amazons RRS Option..

Mit z.b. AES 256bit verschlüsselte, auf die Cloud übertragene Dateien sind dann schon extrem sicher vor neugierigen Blicken geschützt, allerdings schränkt die Verschlüsselung den Komfort im Umgang mit den Dateien dann doch etwas ein, weshalb man auch ganz einfach darauf verzichten kann. Verschlüsselung kann für jeden Backup-Job einzeln gewählt werden, so kann ich z.b. mein Dokumentarchiv verschlüsseln, die Fotos von der Familienfeier jedoch unverschlüsselt belassen (und dann auch die erweiterten Funktionen der Amazon S3 Cloud wie WebInterface oder öffentliche Freigabe nutzen)

Hinweis: Verschlüsselte Dateien müssen erst wieder entschlüsselt werden, bevor sie nutzbar sind – im Webinterface des Cloudanbieters (getestet mit Amazon S3) geht das nicht, die Restore Funktion von Cloudberry Desktop erledigt es jedoch automatisch.

Alternativ kann auch das optional angebotene Schwesterprogramm Cloudberry Explorer Pro zum Zugriff auf verschlüsselte Daten in der Cloud genutzt werden – nicht jedoch die Freeware Variante.

Datenübertragung

Die Datenübertragung zur Cloud kann auf Wunsch SSL geschützt erfolgen, unterstützt werden auch die üblichen Proxies. Cloudberry Backup für WHS bietet die Möglichkeit, alle zu übertragenen Dateien noch vor der Übertragung in die Cloud zu komprimieren (verwendet wird anscheinend gzip).

Cloudberry Backup unterstützt den “RRS” – Reduced Redundancy Storage – genannten “Sparmodus” von Amazon S3: durch verminderte Redundanz in der Dateiablage (=Sicherheit vor Dateiverlusten innerhalb des Amazon S3 Rechentrums) können bis zu 30% der sonst üblichen Storagekosten eingespart werden. Diese Funktion wird nur von sehr wenigen Backupprogrammen unterstützt.

Ferner kann die Transfergeschwindigkeit gedrosselt werden, damit einem bei den hier üblichen DSL Leitungen der Upload nicht die komplette Leitung dicht macht. Allerdings ist die kleinste wählbare Einheit für die Drossel 25KB/sec, da sind manche DSL2000 Leitungen schon am Anschlag. Eine zusätzliche Option “10KB/sec” wäre da noch hilfreich. Leider drosselt diese Einstellung nicht nur den Upload sondern auch den Download von Dateien bei der Wiederherstellung, ein Ooops, das der Hersteller mit dem nächsten Update allerdings beheben möchte.

Blocklevel Übertragung geänderter Dateien unterstützt Cloudberry inzwischen, jedoch im Standard S3 Format erst ab Dateien größer 5 GB (das ist eine Amazon Limitierung) im Cloudberry proprietären “Advanced”-Format ab wenigen MB Dateigröße mit variabler Blockgröße.

Zur Performance der Datenübertragungen kann ich leider nicht viel sagen, meine Internetleitung DSL3000 ist so langsam, dass der begrenzenden Faktor stets meine Leitung ist, die zumindest immer voll genutzt wird.

Last auf dem Windows Home Server während der Backups

So ein Acer Easystore ist nun ja kein Leistungsgigant, aber die Lastwerte während eines Backups mit aktivierter Verschlüsselung, Kompression und SSL liegen bei ca. 40-60% auf den 2 Cores und 40% Speicherauslastung. Cloudberry ist Multithreaded konzipiert und nutzt den DualCore Prozessor. Der Homeserver ist während der Backups noch gut bedienbar/nutzbar. Auf dem WHS2011 mit seiner Q6600 CPU ist die Auslastung wenig überraschend ebenfalls kein Thema.

Backupfunktionen

Vorneweg: CloudBerry Backups macht Sicherheitskopien einzelner Dateien/Verzeichnisse, keine (sektorbasierten) BackupImages ganzer Festplatten. Wer Images machen will, ist hier falsch.

 

Laufender Backup in die Amazon S3 Cloud

Cloudberry Backup für WHS erlaubt den Zugriff auf die WHSv1 DriveExtender Shares sowie den direkten Zugriff auf die physikalischen Platten im Dateisystem (letzteres ist eher was für erfahrene Nutzer). WHS2011 hat kein Drive Extender mehr, dort spielt es erst mal keine Rolle, ob man die Shares oder das physikalische Dateisystem als Quelle nimmt.

Durch die Unterstützung der Microsoft VSS Schattenkopien können auch gelockte Dateien problemlos gesichert werden.

Im Advanced Modus kann CloudBerry Backup vollautomatisch ein Versionsarchiv für geänderte Dateien anlegen und verwalten. Auch im Simple Modus können vom WHS gelöschte Dateien noch eine einstellbare Zeit (Default 30 Tage) auf der Cloud weiter vorgehalten werden, falls das Löschen unbeabsichtigt erfolgte. Diese Funktion ist eines meiner Highlights bei Cloudberry Backup.

Beliebig viele Backup-Jobs können mit jeweils einer anderen Cloud als Ziel vebunden, fein säuberlich mit Datei und Verzeichnis Ein- und Ausschlüssen (Platzhalter *) definiert

Umfangreiche Ein- & Ausschlußfilter

 und über eine fein abgestufte Zeitsteuerung bis runter zu minütlichen Ausführung innerhalb eines vorgegebene Zeitrahmes geplant werden.

Einstellungen für den Zeitplan (Auszug) - alles da

Zusätzliche Network Shares können in die Auswahl der zu sichernden Dateien mit eingebunden werden. Zusätzliche Filter erlauben den Ausschluss älterer Dateien vom Backup anhand Datum/Uhrzeit sowie versteckter Dateien oder Systemdateien. Hier ist alles vorhanden, was man von einer komfortablen Backupsoftware erwartet.

Reporting via eMail und Protokollfunktion runden den Funktionsumfang. Während der Ausführung der Backup Jobs gibt das WHS AddIn ausführlich Auskunft über den Fortlauf, bereits gesicherte Daten, den aktuellen Durchsatz und auch die zu erwartende Dauer. Das Programm kann auch während der Backupläufe normal weiter benutzt werden.

 Alle Backup Jobs können die oben bereits genannten Einstellmöglichkeiten für Backupziel, Verschlüsselung, “Sparmods RRS”, Backup Modus, Versionierung etc. individuell verwalten, einzig die Bandbreitendrosselung gilt global.

Wiederherstellungsfunktionen

Cloudberry Backup unterstützt die Wiederherstellung der Backups aus der Cloud in den Modi “Wiederherstellung in neuester Version”, “Wiederherstellung der Dateien zu einem bestimmten Datum” (nur sinnvoll wenn Versionierung aktiv war) oder die manuelle Wahl der zu wiederherstellenden Dateien. Welche Dateien konkret wiederhergestellt werden, kann man im 2. Schritt dann nochmal auswählen.

Die Wiederherstellung kann auch an eine andere Stelle als den ursprünglichen Speicherort umgeleitet werden.

Beim Backup verschlüsselte Dateien können selbstverständlich beim Restore auch wieder entschlüsselt werden (sofern der korrekte Key eingegeben).

Wenn die Backups unverschlüsselt angelegt wurden, kann sowohl über das Amazon S3 Webinterface, als auch über diverse Freeware Programme für die S3 Cloud auf die in der Cloud gespeicherten Dateien zugegriffen werden. (Bei Verschlüsselten Dateien geht das im Prinzip auch, aber das Ergebnis einer so heruntergeladen Datei ist dann halt immer noch verschlüsselt.)

Cloudberry bietet zusätzlich noch ein eigenes WebInterface unter http://online.cloudberrylab.com, das ich allerdings noch nicht testen konnte.

Mein Fazit:

Ich finde kaum was, was ich kritisieren könnte..

  • die oben bereits erwähnten Kleinigkeiten wie die Bandbreiten Drosselung
  • mir fehlen noch ein oder zwei Backup Modi wie z.b. Synchronisieren oder Duplizieren eines Ordners. (das Schwesterprogramm CloudBerry Explorer Pro kann dies, kostet aber nochmal extra)
  • Oh, und der schöne Start Screen des WHS Addins lässt sich unter WHSv1 nicht direkt per Button aufrufen.
  • Irgendwie vermisse ich ein Handbuch / Doku / Hilfefunktion im Programm selber, aber wer schonmal ein Backup Programm benutzt hat, kommt auch mit CloudBerry Backup klar.
  • Ich hätte gerne als zusätzlichen Schritt im Backup Wizard nach der Angabe der Datei/Verzeichnisausschlüsseeine Vorschau , was nun genau gebackupt wird.

Das war es auch schon.

Beide Programmversionen WHSv1 und WHS2011 arbeiten jetzt seit ein geraumer Zeit absolut zuverlässig, ohne irgendwelche Probleme und macht genau das, was man ihm sagt. Was will man mehr?

Der Preis ist mit 29,- USD völlig in Ordnung, darin enthalten sind Updates für ein Jahr. Updates scheinen sehr oft zu kommen, wenn ich mir die Releasehistory so anschaue. Es macht auf jeden Fall den Eindruck, dass die Software tatsächlich aktiv weiterentwickelt wird, was man von einigen Konkurrenten nicht behaupten kann. Zumindest jetzt in der Übergangszeit sollen Besitzer einer registrierten WHSv1 Version kostenlos auf die WHS2011 Version wechseln dürfen.

Das Konzept: alle Rechner im LAN sichern auf den WHS und der WHS dann den zentralen Datenbestand mit CloudBerry auf eine Amazon S3 Cloud halte ich für enorm stimmig und CloudBerry Backup für WHS eine sehr gute Wahl dazu. Kauftipp.

PS: Wer keinen WHS hat, kann auch einfach die Desktop oder gar Server Version von CloudBerry Backup kaufen… Die schaut auch sehr gut aus.. Ebenfalls erhältlich eine Version für den SBS Server 2011 (“Codename Aurora”) bzw. im Betatest..

2 responses so far

2 Responses to “CloudBerry Online Backup für WHS: Cloud Backups mit dem Homeserver”

  1. […] Image wiederherstellen konnte. Soweit so schlecht. Gott sei Dank hab ich schon seit ner Weile ein Backup in der Cloud, die Daten dort sind alle in Ordnung. Die Datenkopien, die in Folge der Duplizierung von WHS […]

  2. […] klar sagen muss: ind er Praxis überzeugt mich die Acronis Cloud nicht, meine bisherige Lösung Cloudberry Backup für Amazon S3, Microsoft Azure, Google Storage uvm. kann es nicht annähernd […]

Trackback URI | Comments RSS

Kommentar dazu? (Geht anonym und ganz ohne Anmeldung)