Mar 27 2011

Cloud Backups generell und auf dem Homeserver

veröffentlicht in Kategorie Computer  

Seine Daten regelmäßig auf den NAS/externe Festplatten/Homeserver oder DVDs kopieren alleine ist noch kein zuverlässiges Backup Konzept, es ist schon mal ein prima Anfang, aber es fehlt die Komponente der “externen Aufbewahrung”. Cloud Backup springt hier in die Bresche: es archiviert die Backups an einer entfernten Stelle – über das Internet, in der “ominösen” Cloud. Klingt fürchterlich kompliziert? Nö, isses gar nicht. Und soo teuer auch nicht unbedingt.

Und sag jetzt bitte keiner “ich brauch kein Backup und schon gar kein entferntes Backup” – ich erlebe mindestens einmal im Monate das direkte Gegenteil – auch bei Privatnutzern.

Meine Meinung zu Backups in der Cloud generell und warum ausgerechnet auf einem WHS, das alles gibt’s nach dem Klick auf…

Warum Backups in der Cloud?

Wie ich Eingangs schon sagte, gehört zu einem tauglichen Backupkonzept auch die Absicherung für den Fall dazu, dass z.b. bei Brand, bei Blitzschlag, Hochwasser oder sonstigen “größeren” Schadensereignissen die gesamte eigene EDV Ausrüstung inkl. der Backupmedien in Mitleidenschaft gezogen wird. Aber auch abseits der Super-GAUs gibt’s immer wieder Fälle, wo die lokalen Backupmedien nicht mehr weiterhelfen können. Gründe, warum 2 unabhängige Backups an 2 verschiedenen Orten aufbewahrt besser sind,  gibt es massig, hier ein paar selbst erlebte Fälle:

  • Überspannung killt PC und Backup Platte zur selben Zeit.
  • Eine Datei wurde unbemerkt verändert und das automatische lokale Backup hat seine Kopie des Originals schon überschrieben. Hier hilft ein Online Versionsarchiv enorm, ist aber lokal nicht immer einfach zu realisieren (Backuprotation ist im Small-/HomeOffice Bereich noch immer schwierig)
  • Backupmedien sind plötzlich nicht mehr lesbar… (Wussten Sie das selbstgebrannte CDs/DVDs und BluRays altern und somit ein “Verfallsdatum” haben?)
  • …oder es gibt schon gar keine passenden Lesegeräte mehr (Na, wer hat noch ein Iomega ZIP- oder auch nur ein Diskettenlaufwerk im Rechner?)
  • Ein Windows Update legt die Restore Funktion des sonst absolut zuverlässigen Backupsystems lahm. Gerade in dem Moment braucht man natürlich die Datei X und kann nicht warten.
  • und so weiter…

Backups, zumindest der wichtigsten Daten, sollten daher zusätzlich zur lokalen Sicherungskopie noch an einer entfernten zusätzlichen Stelle außer Haus gelagert werden.

In Betrieben kann der IT-Mensch die Backups ja vielleicht noch mit nach Hause nehmen, oder es gibt ein Schließfach bei der Bank, aber schauen wir in den HomeOffice Bereich oder gleich zu Privatnutzern, da ist diese räumlich getrennte Aufbewahrung der Backups dann schon komplizierter zu verwirklichen.  Hier kommt das sogenannte Cloud Backup ins Spiel.

Der ominöse Begriff Cloud sagt dabei erst mal nur: irgendein Dienst, hier Speicherplatz, der per Internet erreichbar ist. Früher nannte man das einfach so: Speicherplatz im Internet. Unter der hübsch neudeutschen Bezeichnung Cloud Backup versteht man nichts anderes, als eine zusätzlich Kopie der eigenen Dateien im Rechenzentrum des Cloud Anbieters abzulegen.  Die Cloud ist also der Lagerplatz für meine Sicherheitskopien, oder noch besser: Lagerplatz gleich mehrerer Kopien unterschiedlicher Versionen meiner Dateien in einem Versionsarchiv. Die Cloud ist dabei immer verfügbar, bei namhaften Anbietern über Jahre hinweg, in der Größe nur durch den Zahlungswillen des Nutzers begrenzt und wenn was kaputt geht, interessiert uns das als Nutzer überhaupt nicht. (im Gegensatz zum Ärger, wenn die eigene Backupplatte mal wieder den Geist aufgibt, hatte ich jetzt auch schon ein paar Mal)

Mit geeigneter Software ist das ganze Prozedere des Cloud Backups auch wesentlich einfacher, als mehrmals die Woche irgendwo außer Haus Datensicherungen zu deponieren. Und wenn ich eines gelernt habe ist es: wenn ein Backup umständlich ist, dann wird es sowieso nicht gemacht.

Die Suche nach dem idealen Cloud Backup beinhaltet 2 Grundüberlegungen:

Wem vertraue ich meine Daten zur langfristigen Aufbewahrung an?

Derzeit gibt es eine richtige Schwemme an Anbietern, die klassischen Internet Provider / WebHoster drängen in diesen Markt, z.b. Strato mit seinem neuen HiDrive Angebot oder Host Europe.. Auch Softwarehersteller versuchen sich ein Stück des Kuchens einzuverleiben in dem sie Onlinespeicher zusammen mit ihrer Software anbieten: z.b. Acronis (Hersteller der TrueImage Backupsoftware) und Symantec/Norton natürlich auch… und und und… Auf den ersten Blick ein unüberschaubarer Wust von Anbietern. Den will ich jetzt mal etwas lichten.

Serverplatz im Internet ist inzwischen relativ günstig zu bekommen, meist nur ein paar Euro im Monat, bei geringen Datenmengen gibt’s das teils sogar kostenlos und das selbst bei Anbietern die eigentlich für die Profis gedacht sind.

Backups sind Vertrauenssache: seine eigenen Daten jemand anderen in die Hände geben sollte man nicht zu leichtfertig machen. Bei Online Backups kommen in meinen Augen nur die wenigsten namhaftesten (gibt’s das Wort eigentlich?) Anbieter überhaupt in Betracht.

  • Ich trau z.B. den kleinen Klitschen nicht über den Weg, wer weiß ob es die nächstes Jahr überhaupt noch gibt? Haben die überhaupt die Infrastruktur und die Ressourcen, um meine Daten sicher zu verwahren? Und genug Bandbreite, um schnelle Transfers zu ermöglichen? Auch in 10 Jahren noch? Auch abseits eventueller gesetzlicher Aufbewahrungsfristen (Finanzamt bei Selbständigen z.b.) habe ich nicht vor, mit meinem Backuparchiv ständig umzuziehen.
  • Ich plädiere dringend dafür, den Cloud Anbieter vom Softwarehersteller meiner heute genutzten Backupsoftware getrennt zu halten. Cloud Anbieter, die mich auf ein ganz bestimmtes, womöglich noch selbst entwickeltes bestimmtes Backupprogramm festlegen wollen, kommen für mich nicht in Frage. Mein Backup darf nicht abhängig von einer bestimmten Software oder gar Softwareversion sein…
  • …und auch nicht vom Betriebssystem. Die Ausrede mit FTP oder WebDAV (beide übrigens unsicher) ist keine Alternative und der teils propagierte Workaround erst noch mit OpenVPN zu tunneln eher ein Scherz.
  • Verschlüsselte Aufbewahrung ist ein wichtiges Argument, genauso wie gesicherte Übertragung.. Bietet der Anbieter keine durchgehende Verschlüsselung, ist das Ding ein No-Go.
  • dazu kommt Serverstandort: DE oder wenigstens EU muss sein, aus Performancegründen  und auch wegen der gesetzlichen Verpflichtungen der Anbieter zum Datenschutz hierzulande. Ein US Anbieter kommt überhaupt nicht in Frage.
  • Eher zweitrangig halte ich Zusatzfunktionen, wie z.b. Öffentliche Ordner, ein WebInterface usw, aber das mag jeder für sich selber entscheiden.

So lichtet sich das Durcheinander immer mehr und es kristallisieren sich für mich ein paar wenige Kandidaten heraus – allen voran:

Cloud Backup Anbieter Amazon S3

Amazon S3 (ja, der Internetshop – oder besser: deren Rechenzentrum)  ist so ein Anbieter professioneller Cloud Services mit ‘State of the Art’ Rechenzentren in Irland, denen ich zum einen traue, kein Schindluder mit meinen Daten zu treiben (und zum anderen verfügen sie über die entsprechenden Zertifizierungen) und bei denen ich überzeugt davon bin, dass die auch nächsten paar Jahre nicht Konkurs anmelden werden.

Die Preise sind, wenn wir bei überschaubaren Datenmengen bleiben und gerade mit der Option “Reduzierte Redundanz” durchaus konkurrenzfähig. Die reduziete Redundanz spart übrigens ein gutes Drittel der sonst anfallenden Kosten, bei vernachlässigbarer Reduzierung der Verfügbarkeit der gespeicherten Dateien.

Amazon S3 rechnet übrigens streng nach Nutzung in monatlichem Rythmus ab, Kreditkarte ist Pflicht, andere Zahlungsmethoden werden nicht angeboten. Nein, Amazon S3 ist keine Billigheimer, aber wer unter 5GB bleibt, zahlt jedoch trotzdem erst mal gar nix. Etwas komplex ist Amazons Preismodell, welches  den belegten Speicherplatz, ein- und ausgehendem Traffic sowie Transaktionen berechnet. Am besten schaut man sich das mal auf der Amazon S3 Homepage genauer an: http://aws.amazon.com/de/s3/

Die Amazon S3 Technologie ist für alle Softwareentwickler offen, so dass es jetzt schon zahlreiche Softwareprodukte für alle gängigen Betriebssysteme gibt, mit denen die Nutzung des Amazon S3 Cloud Speichers möglich ist. – inkl. Apple iOS und Android für die SmartPhone Besitzer unter uns. Ich bin bei Amazon S3 eben nicht auf einen einzelnen Hersteller angewiesen. Eine interessante wenn auch längst nicht vollständige Liste an S3 kompatiblen Tools gibt’s hier: http://www.aboutonlinetips.com/amazon-s3-tools/ oder einfach mal Google fragen.

Grundsätzlich verfügt auch Amazon S3 über ein WebInterface, jedoch hilft dieses nur dann, wenn die Dateien nicht verschlüsselt in der Cloud abgelegt werden. Sicherheit nervt halt manchmal leider ein bisschen.

Deutsche Alternative: HostEurope

Als eine der ganz wenigen deutschen Alternativen böte sich noch Host Europe an, die einen zu Amazon S3 kompatiblem Dienst auf eigener Hardware am Standort Köln anbieten: http://www.hosteurope.de/produkte/Cloud-Storage-Preisuebersicht. Host Europes Cloud Speicher nutzt ein im Vergleich zu Amazon S3 vereinfachtes Preismodell, bei dem die Anzahl an Transaktionen nicht berechnet, sondern nur Speichplatz und Traffic in Rechnung gestellt werden. Dafür leider mit 10 Cent pro GB Traffic und 15 Cent pro GB Speicherplatz – ohne monatliche Freigrenzen und mit 25,- Euro Einrichtungsgebühr für den kleinen Bedarf teurer als das Amazon Angebot.

Wie bekomme ich meine Daten möglichst sicher und bequem dort hin?

Nachdem nun der zukünftige Verbleib der Daten geklärt ist, gilt es, eine möglichst komfortable Software zu finden, um seine Daten vom heimischen PC auf den entfernten Cloud Speicherplatz zu transportieren.

  • Die verwendete Software muss die Datenübertragungen über gesicherte Verbindungen erledigen können. Idealerweise erlaubt die Software zusätzlich noch vor der Übertragung in die Cloud die Verschlüsselung aller hochzuladenden Dateien.
  • Wer wie ich Amazon S3 als Cloudanbieter nutzt, sollte tunlichst darauf achten, dass die Backupsoftware auch den günstigeren Reduced Redundancy Modus beherrscht.
  • zum einen müssen die Backupdurchläufe per komfortablen Zeitplan eingestellt werden können  und zum anderen muss es die Möglichkeit geben, den maximalen Durchsatz der Übertragungen zu begrenzen, damit ein Backup Lauf nicht die komplette Internet Leitung lahmlegt (ein altes Problem bei DSL Leitungen, egal wie schnell)
  • Übertragungszeit und Speicherplatz in der Cloud kosten Geld und nerven: daher muss die Backupsoftware eine präzise Auswahl der zu sichernden Dateien ermöglich, inkl. Datei- und Verzeichnisausschlüssen, wenigstens mit Platzhaltern, besser noch mit regulären Ausdrücken.
  • Sämtliche zu sichernden Dateien sollten vom Backupprogramm noch vor der Übertragung komprimiert werden, um den bestmöglichen Datendurchsatz zu erzielen. Idealerweise unterstützt die Software (und die Cloud) die Blockweise (Teil-)übertragung geänderter Dateien.

Cloud Backup und langsame Internet Verbindungen – geht das?

Mit Geduld geht alles. Ich lebe ja selber in der Breitband-Wüste, mehr wie ein DSL3000 mit seinem mickerigen 500Kbit/sec Upstream ist nicht zu haben hier. Das tut der Freude aber keinen Abbruch, wenn man seine Backupläufe gut plant, zu den Uhrzeiten starten lässt, in denen sonst nichts groß auf dem Rechner/der Leitung ansteht und man sorgsam die zu sichernden Dateien auswählt. Ja, das allererste Backup kann Tage dauern, aber in späteren Backupläufen werden ja nur noch die tatsächlich geänderte Dateien seit dem letzten Mal übertragen, so dass das Ganze eine durchaus sinnvolle Ergänzung zu den lokalen Sicherungen darstellt.

Primär kommt es natürlich auf die tatsächlich zu sichernde Menge an Daten an, wie oft sich etwas ändert und die jeweiligen Dateigrößen. Meine Videosammlung würde ich jetzt nicht unbedingt in die Cloud stellen wollen, aber die wichtigsten Dokumente, oder in meinem Fall Projektarchive gehen durchaus.

Noch wesentlich unkritischer wird es, wenn man das Online Cloud Backup noch mit einem dedizierten NAS Laufwerk, besser noch einem Windows Homeserver oder gar einem speziell für Backups abgestellten Rechner kombiniert. Tatsächlich halte ich z.b. die Kombination aus Windows Homeserver plus Cloud Backup für eine ideale Lösung. Alle PCs sichern zunächst nur auf den Homeserver, der als zentraler Sammelpunkt aller Daten fungiert, und nur dort installiert man sich dann die Software für das Übertragen auf die Cloud. So gehen die Backups der PCs in Windeseile und der WHS kann von mir aus die Nacht über dann durchorgeln, das stört mich nicht mehr. Vom dem her ist Stratos HiDrive Ansatz mit der Kombination aus subventionierter NAS plus Cloud gar nicht dumm, schade ist nur, dass Strato bei diesem Angebot an vielen anderen Stellen gehörig patzt…

Damit hat sich die Frage nach

Cloud Backup oder lokales Backup, was ist besser?

fast schon erledigt. Am besten ist beides zusammen. Lokale Backups für die schnelle Abarbeitung und das Backup auch sehr großer Datenbestände, das Cloudbackup ergänzend dazu für die kritischsten Daten, auf die man keinesfalls verzichten kann.

Vorteile Cloud:

  • sehr zuverlässiger externer Lagerort für die Sicherung seiner wichtigen Daten und Dateien
  • keine Hardwareanschaffungskosten, Wartung oder Reparaturen notwendig
  • in der Größe beliebig skalierbar
  • Voll automatisierbar, man muss nix einstecken, umstecken, keine Rotation beachten

Nachteile Cloud:

  • Anhängig von der Internetverbindung und selbst mit schneller Internetleitung deutlich langsamer als lokale Backups
  • Kosten pro Monat auf Dauer gesehen meist höher als lokale Backups
  • für riesengrosse Images (komplette Plattenspiegelungen) und die sogenannte Bare Metal Desaster Recovery (Wiedereinspielen einer Komplettsicherung von Null / ohne OS Installation) so nicht geeignet.

Vorteil lokale Backups auf WHS/NAS oder ähnliches:

  • Unabhängig von der Internetverbindung, höchste Backupgeschwindigkeit
  • keine monatlichen Kosten
  • auch für riesig große Backup-Images geeignet
  • Bare Metal Restore eines ausgefallenen PCs problemlos möglich

Nachteile WHS/NAS:

  • Hoher Anschaffungspreis der Hardware amortisiert sich erst nach einer geraumen Weile
  • keine externe Sicherung an einem entfernten Ort
  • Wartungsaufwand und Ausfallrisiko höher als bei der Cloud

Muss man sich für eines entscheiden, dann ist wohl das Cloud Backup sicherer, weil eben dezentral und es gibt kein Ausfallrisiko. Hat man große Datenmengen und nur langsames Internet, hat das lokale Backup auf NAS/WHS/externen Platten die Nase vorne, weil schneller und günstiger

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