Mar 20 2011

Kurztest zur Boxee Box von D-Link (aka D-Link DSM-380)

veröffentlicht in Kategorie Computer  

Streaming Client, Internet-Settop Box und Medienspieler für das eigene Multimedia Netzwerk daheim – mit Online Anbindung. Die Boxee Box von D-Link ist eines meiner lieblings Gadgets der letzten Zeit. Hier meine Meinung/Testbericht zur Boxee Box.
(Review überarbeitet am: 03.12.2011 und berücksichtigt Firmware v1.2.2.20482)

Zuerst ins Auge fällt einem wohl das ungewöhnliche Design der Boxee Box, ein Würfel, der in der Tischplatte zu versinken scheint.. Mein erster Gedanke nach dem Auspacken: eigentlich hätte ich ihn mir größer vorgestellt. Aufs Ohr gibt’s ein auch in 3m Abstand noch hörbares Lüftergeräusch – nicht schön. Aber dank der Funk Fernbedienung (also nicht Infrarot) inkl. auf der Rückseite der Fernbedienung eingebauter QERTY Tastatur kann man die Boxee Box jedoch ruhig irgendwo vergraben und die Lärmquelle oder die ungewöhnliche Optik verbergen. Leider heißt Funk-Fernbedienung auch: mit meiner Logitech Harmony Universal-FB ist hier nix zu reißen.

Die Boxee Box bietet einen HDMI 1.3 Ausgang, einen optischen SPDIF Digital Ausgang, ein analog Stereo-Cinchausgang, ein 10/100MBit/sec Lan Port und 802.11 n/b/g WLAN ist bereits inklusive. Dazu gibt’s 2 USB2.0 Ports und ein SD/MMC/MS/MS-PRO Card Reader und einen Ausschalter. Komponenten- (YUV) und Composite- Videoausgang fehlt jedoch. Im Innern werkelt eine für einen UPnP Streaming Client ungewöhnliche Hardware: ein Intel Atom CE4110 mit 1.2 GHz und damit mehr als genug Leistung für 1080p. Dazu 1 GB interner Flash Speicher und 1 GB RAM. Power ohne Ende also, bei mäßigem Stromverbrauch: 12-15W sagt mein Stromschätzgerät.

Auf der eindrucksvollen Hardware läuft zwar ein Mini-Linux mit der OpenSource XMBC als Basis, das System ist aber in sich geschlossen, erweitern kann man die Boxee also nur in Form von Apps für die Boxee Software (es gibt eine Menge von Apps, welche diverse Online Angebote wie Musikdienste, Internet Radios, RSS Feeds und Videoportale auf der Boxee nutzbar machen). Warum D-Link da nun jedoch von einem offenen System spricht, bleibt wohl ein Geheimnis der Marketingexperten. Die Boxee Box versteht sich mit Samba und Windows Shares, liest HFS+, NTFS, FAT32, EXT2,3&4, verarbeitet Streams von UPnP & DLNA Server und kann seit neuestem auch Streams von Apples iOS Geräten verarbeiten. (Im Apple AppStore findet sich auch ein Remote App für iOS). Streaming im Netz zur Boxee Box habe ich getestet zum einen mit Twonky Media Server und zum anderen mit dem Standard DLNA Server des neuen Windows Homeserver 2011, über WLAN, LAN und DLAN und nix zu meckern gefunden. An der Boxee angeschlossene Datenträger können im LAN über SMB Shares genutzt werden, damit hat die Boxee Box also auch rudimentäre “Server” Eigenschaften.

Das (hochauflösende) GUI ist ansprechend gestaltet und unterstützt neben dem obligatorischen Deutsch und Englisch noch weitere 15 Sprachen. Zuschaltbare Jugendschutzfunktion, Wettervorhersagen und eine Playliste, die auch über das Internet erweitert werden kann sind kleine Nettigkeiten am Rande, die man auch mal erwähnen sollte.

Abspielen tut die Boxee alles klaglos, was ich ihr vorsetze. Blu-Ray ISOs, DVD ISO & Video-TS Ordner, H.264, MKV, MOV, WMV, MP1, MP2, MP4, AVI, Xvid, Divx, VOB und auch TS. Neue Codecs können auf der Boxee Box vom Hersteller problemlos als Teil eines Firmwareupgrades nachgeschoben werden, das ist bei den allermeisten anderen UPnP Client nicht machbar. Ob es jemals genutzt wird, ist die andere Frage. Dazu kommt ein eingebauter, HTML5 tauglicher WebKit basierter Internet Browser mit Flash 10.x Support, damit kann man also auch diverse Internetseiten auf der Boxee nutzen.

Beim Abspielen gab es keinerlei Probleme, DVD Navigation soweit vorhanden funktioniert auch, das ganze absolut ruckelfrei selbst bei 1080p,  das Vor/Zurückspulen seit Firmware v1.1 nun auch flüssig. Auswahl von unterschiedlichen Ton Spuren oder Untertiteln wo vorhanden klappt natürlich auch.

Besonderheiten:

  • Eingebauter PPTP VPN Client, mit dem man, ein Konto bei einem entsprechenden VPN Anbieter vorausgesetzt, auch ausländische Angebote nutzen kann. Dank dieser Funktion können Videoangebote aus dem Ausland auf der Boxee Box in Deutschland genutzt werden, das bietet meines Wissen kein anderer StreamingClient. Ich kann mit meiner Boxee hier in DE BBC iPlayer und Channel4s 4oD nutzen, oder Angebote aus den USA wie Fancast oder Hulu. (PS: der ultimative VPN Anbieter für Boxee und alles andere ist Overplay.net. Ehrlich!)
  • Online Intergration der IMDB Film Datenbank
  • Gute Unterstützung für Untertitel, inkl. (englische) Untertitel Datenbank – jedoch ist das mit den UT Downloads etwas Glücksache. Bei Kinofilmen klappts ganz gut, bei Serien geht es meistens daneben.

 

Kritikpunkte:

  • Im Standby ist der Stromverbrauch mit ca 12W deutlich zu hoch. (Im Betrieb braucht sie nicht viel mehr)
  • Als Media Renderer nicht nutzbar, was Schade ist, denn dazu wäre sie prima geeignet. Generell ist sie “ohne TV” nicht nutzbar.
  • Das ganze Konzept der Boxee Box ist etwas Internet lastig. Die Grundfunktion, das Abspielen von lokalen Medien wird in der Benutzeroberfläche fast beiseite gedrängt von all den “coolen” Online Apps, von denen leider in Deutschland nur sehr wenige nutzbar sind.
  • Bei der Ersteinrichtung der Boxee Box ist ein Internet Zugang zwingend notwendig, da man sich erst noch ein Boxee Konto einrichten muss. Wozu mein Streaming Client Teil eines SocialNetworks sein muss bleibt mir allerdings ein Rätsel. Und: mag ich nicht.
  • Es gibt zwar viele Apps für die Boxee Box, aber anscheinend keine Qualitätskontrolle, jeder kann neue Apps entwickeln und für die Boxee anbieten, erhebliche Qualitätsschwankungen sind da nicht verwunderlich.
  • Kein vernünftiges System, um seine lokalen Bibliothek offline (ohne IMDB) vernünftig zu verwalten, sprich Beschreibungen, Thumbnails, etc. editieren. Das sogenannte Scraping geht ausschliesslich über IMDB – mit Rückfall auf die bloßen Dateinamen, wenn IMDB nichts findet. Den Dateien hinzugefügte Tags werden eiskalt ignoriert. Das ist vielleicht der grosse Schwachpunkt der Boxee Box. Firmware Upgrade 1.1 fügte Support für NFO Tags hinzu und löst so das Scraping Problem. Metatags werden aber immer noch ignoriert.
  • Die Boxee Box ist zwar sehr intuitiv zu bedienen, aber ein bissl mehr an Dokumentation hätte nicht geschadet. Über das bloße Anschließen und Abspielen hinaus gibt’s keine Anleitung, zum Glück gibt es bei Boxee auf der Homepage ein sehr gutes Community Forum.

 

Die Boxee Box als FLAC Abspieler im Hifi Setup:

Netzwerkplayer im Hifi / gehobenen Audio Bereich kommen immer mehr in Mode und da die Boxee auch “lossless” Formate wie FLAC abspielt (APE und Wave übrigens auch), liegt der Gedanke nicht fern, die Boxee Box mal auf deren Eigenung dahingehend zu prüfen.

  • Für mich zumindest ein Problem bei den meisten Hifi Netzwerkplayern ist das fehlende OnScreen-Menü auf dem TV, eine umfangreiche Library auf nem 2-zeiligen LCD Display wie vom CD-Player zu navigieren ist nicht schön. Die Boxee hat nur ein OSD, aber kein LCD Statusdisplay direkt am Gerät.  Tja, was ist einem nun wichtiger? Am Besten wäre beides. Oder eine Controller App, wie es immer mehr in Mode kommt.
  • Riesengroßes Manko der meisten Netzwerkplayer aus dem Hifi Sektor: Sie unterstützen keine Gapless Wiedergabe. Die Boxee Box kann Flacs gapless abspielen..
  • aber es fehlt der Boxee Box beim Abspielen Musik jegliche Komfortfunktionen. Im Team Boxee herrscht die Devise: erst mal  Video, Audio kommt dann später mal.
    • So können Musik Playlisten nicht direkt innerhalb der Boxee Oberfläche erstellt werden, diese müssen zuerst an einem PC im m3u Format erstellt und wenn man per Windows Share anstelle eines UPnP Servers geht auch an der richtigen Stelle auf dem Netzwerk Share platziert werden. Hier gibt es weitere Infos dazu: http://forums.boxee.tv/showthread.php?t=22725 . Ohne eine zuvor erstellte Playlist kann die Boxee Box nur die einzelnen Titel einer nach dem anderen durchgehen oder am Ende eines Tracks auf die manuelle Wahl des nächsten Tracks warten.
    • Ein Vor- bzw. Zurückspulen innerhalb eines Tracks geht nur in 10 Sekunden Sprüngen. Aber Lautstärke kann man immerhin regulieren
  • Ebenfalls stört mich, dass die Boxee Box die bei FLAC üblichen Tags und eingebettete Coverart nicht auswertet – wie schon beim Scraping der Video Bibliothek bemängelt. Für Videos wurde das inzwischen verbessert, bei Musik ist da aber immer noch Handlungsbedarf.
  • Klanglich kann das Gebotene durchaus überzeugen, digital angeschlossen ist hier aber die Qualität des AV-Receiver entscheidend, analog nutzt das doch keiner mehr heute.. Oder?Langer Rede kurzer Sinn: hat man nen vernünftigen AV Receiver, geht das mit der Klangqualität der Boxee vollkommen in Ordnung. Es bleiben jedoch arge defizite im Bedienkomfort.

Mein Fazit:

Die Releaseversion der Boxee Box hatte diverse Firmware-Bugs, inzwischen sind wir 3 4 zig Releases weiter und die Boxee Box läuft bei mir perfekt. Ja, es gibt noch immer Kleinigkeiten, die stören, siehe oben, aber da bin ich guter Hoffnung, dass sich hier noch mehr tun wird. Als reiner Abspieler betrachtet, ist die Boxee Box das Beste, was ich bisher hatte und das ganze Online Geraffel könnte man als mehr oder weniger unnützes Beiwerk ja auch ignorieren.

Für mich ist jedoch ein weiteres Highlight ist dann doch noch der Zugriff über Proxy auf US und UK TV Videoportale, ohne PC direkt am HDTV. Ja, das kostet jeden Monat etwas Geld und so ganz legal isses wahrscheinlich auch nicht..

Vor der Boxee Box hatte ich ein WDTV Live HD und die trieb mich in dem Wahnsinn, mit jedem FW Upgrade gab’s bei der WDTV neue Bugs, was gestern funktionierte, ging heute plötzlich nicht mehr – so “Nebensächlichkeiten” wie der Zugriff auf die SMB Shares zum Beispiel, oder das Abspielen von MKV Files.  Im Vergleich zur WDTV wirkt die Boxee Box um Klassen besser, was sie angesichts des doppelten Preises auch sollte. Und die Benutzeroberfläche der WDTV war mir zu hässlich, die von Boxee sieht zumindest mal schicker aus.

Die Boxee Box funktioniert nicht nur zuverlässig, sie macht mir zumindest einen Haufen Spaß. Wer jetzt sofort einen Streaming Client will und angesichts des Preises um 200,- Euro  heutiger Strassenpreis teils unter 150,- Euro nicht in Ohnmacht fällt, kann bei der Boxee ruhig zugreifen und wird es nicht bereuen.

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2 responses so far

2 Responses to “Kurztest zur Boxee Box von D-Link (aka D-Link DSM-380)”

  1. Helmuton 22 Jul 2011 at 12:09

    “Die Boxee Box versteht sich mit Samba und Windows Shares, liest HFS+, NTFS, FAT32, EXT2,3&4 und verarbeitet Streams von UPnP & DLNA Server”
    ist wohl leider etwas irreführend. Ich hab es bis dato nicht geschafft die Boxee als Media Renderer zu verwenden. Ich würde das ohnehin nur für Audiodaten brauchen um von meinem Synology NAS aus der Audiostation Datein über die Boxee abzuspielen. Es ist mir nicht verständlich warum diese wichtige Funktion nicht geht, nochdazu wo es für die Boxee kein brauchbares Webinterface gibt. Wer will schon jedesmal den Fernseher aufdrehen um mp3s abzuspielen?

    Aus meiner Sicht kann man also zwar von der Boxee aus zu DLNA Servern connecten und dann abspielen, aber was ist da der Mehrwert gegenüber einem ganz normalem NFS oder CIFS connect zu einem “Dummen” Netzwerkstorage?

  2. adminon 18 Sep 2011 at 20:15

    Nunja, per DLNA bekomme ich die Medienbibliothek teils nochmal anders dargestellt, bei Twonky z.b. kann ich das sogar konfigurieren.. es ist nur eine zusätzliche Möglichkeit, oder in den seltenen Fällen falls eben NFS oder CIFS aus welchem Grund auch immer nicht gehen sollte.

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