Feb 15 2011

Leben mit einer zu kleinen Bootplatte – Tipps für SSD Nutzer

veröffentlicht in Kategorie Computer  

Solid State Festplatten sind im Vergleich zu herkömmlichen Festplatten rasend schnell, allerdings auch sehr teuer. FertigPC Hersteller wie auch preisbewusste Endverbraucher greifen daher oft zu der kleinst möglichen SSD als reine Windows Bootpartition, um Kosten zu sparen. Den Nachteil des begrenzten Speicherplatzes macht die hohe Geschwindigkeit allemal wieder wett – wenn man den Füllstand seiner SSD dabei im Auge behält. Nach dem Klick auf Weiterlesen gibt’s hierzu ein paar Tipps.

Selbst auf einer “mickrigen” 40 GB SSD, die es derzeit schon unter 80 Euro im Handel gibt, ist genug Platz für ein Windows 7 (gerne auch die Ultimate Edition) und die eine oder andere “wichtige” Anwendung. In meinem Fall z.B. ist auf der 40 GB SDD ein Windows7x64 Ultimate, eine angepasste Office 2010 Installation sowie ein Großteil der Adobe CS4 Publishing Collection enthalten. Und ich habe immer noch mehr als 15 GB frei. Das passt. (Zu voll darf man seine SSD auch nicht machen, so ca. 20% der nominellen Kapazität sollte immer frei bleiben.

Wenn der Platz auf der SSD zu knapp zu werden droht, kann man in Windows um Platz zu sparen, zu diesen Mitteln greifen:

– den Hibernation Modus deaktivieren, dabei wird die Datei hiberfil.sys auf der Bootplatte entfernt (diese belegt immer exakt soviel Speicherplatz wie RAM installiert ist. – das spart gute 4GB oder gar mehr bei der heutigen RAM Ausstattung) Zum Löschen gibt man im CMD Shell Fenster powercfg -H off
ein – siehe auch:  http://blogs.technet.com/b/dmelanchthon/archive/2006/09/24/wie-kann-ich-hiberfil-sys-unter-windows-vista-l-schen.aspx

– die Auslagerungsdatei pagefile.sys, welche Standardmäßig auf der C:\ Platte erstellt wird, auf eine andere Festplatte verlagern (über die Systemsteuerung) – das bringt je nach Rechner ein paar GB Platz.

– die Benutzerprofile bzw. die darin enthaltenen Ordner wie Eigene Dokumente, Eigene Videos, Eigene Music, etc. auf eine andere Festplatte verlagern (das geht ganz bequem über das Kontextmenü des jeweiligen Verzeichnisses im Dateiexplorer bei Eigenschaften > Pfade) oder mit Hilfe der kostenlos herunterladbaren Microsoft Powertoys – das spart längerfristig ganz ordentlich Plattenplatz, weil Hinz und Kunz seine Daten dort ablegt. Ohne diese Änderungen dürfte der Platzverbrauch schon fast in Richtung unkontrollierbar gehen.

– Die 2 Standard Temp Verzeichnisse einer Win7 Installation auf eine andere Festplatte verlagern und in der Systemsteuerung die Systemvariablen anpassen nicht vergessen.

– das Erstellen von Speicherabbildern bei Systemabstürzen kann man deaktivieren, gleiches gilt für die Fehlerberichtserstattung. Diese 2 Funktionen sind für Normaluser sowieso eher wenig hilfreich.

– Die maximale Größe der für Wiederherstellungspunkte reservierten System Volume Information Ordner drastisch reduzieren, oder gleich komplett deaktivieren und statt dessen ein echtes Backup fahren. Der Standard hier ist für die beengten Verhältnisse oft zu großzügig gewählt.

– Nutzer von Internet Explorer sollten den Ordner Temporäre Internet Dateien Ordner verschieben (im MSIE unter Extras > Internet Optionen). Nutzer anderer Browser verfahren analog zu.

– Gerade bei einer 64bit Version von Windows würde ich den Ordner Programme bzw. Programme x32bit nicht verschieben und statt dessen bei der Installation neuer Anwendungen manuell ein anderes Laufwerk wählen. Gelegentlich gibt es Programme, die mit in der Registry geändertem Pfad zum Programme Ordner nicht klarkommen.

Nutzer von MS Office können:

– den MSOCache Ordner bei oder nach der Installation entfernen lassen oder verschieben, das spart bis zu einem halben GB. Den Ordner aber nicht einfach nur löschen, es gibt in der Microsoft Knowledgebase ein Migrations Utility dazu. http://support.microsoft.com/kb/924616/en-us

– Outlook User: POP3 Postfächer und Exchange Ordner können problemlos verschoben und dann über Systemsteuerung > eMail wieder eingebunden werden. Bei IMAP Konten geht dieses Verschieben leider nicht so problemlos. IMAP Nutzer lassen da besser die Finger von.

– Office installiert einen Haufen Kram im Zuge der Standardinstallation, den normal sterbliche User eigentlich nie brauchen. Also nicht die Schnellinstallation wählen, sondern die benutzerdefinierte Installation und da ganz beherzt deaktivieren, was man eh nicht braucht. Spart mehrere GB an Festplattenplatz. Notfalls kann mans immer noch nachinstallieren.

Generell sollte der Griff zur benutzerdefinierten Installation zur neuen Gewohnheit werden. Fast alle größeren Programme installieren Unmengen an wenig bis nie gebrauchten Optionen, die man einfach deaktivieren kann, wenn man sich die Mühe macht. Leider lassen sich nicht alle Anwendungen in abweichende Verzeichnisse installieren, aber dort, wo es möglich ist, sollte das genutzt werden, gerade bei nicht missionskritischen Anwendungen.

 

Empfehlenswerte Tools:

Um den Verbrauch an Festplattenplatz auf der SSD besser nachvollziehen zu können und eventuell unnötiger Platzfresser aufzuspüren, empfehle ich die Festplattenplatz Überwachung mit TreeSize (Freeware). Diese zeigt bereits sehr detailliert auf, welche Verzeichnisse wie viel Platz belegen. Wer sich die Ergebnisse notiert, kann so gut kontrollieren, wo sich Daten anhäufen und was eventuell noch verschoben/umkonfiguriert werden sollte.  Wer es ein bissel bequemer mag und auch sonst die Dateigrößenanalyse als wichtig empfindet, nimmt die TreeSize Personal Edition für 19,95 Euro und erhält eine komfortable Snapshot/Vergleichsfunktion und noch viele weitere nützliche Features, wie Datei-Deduplikation, mit der sich auch nochmal einiges an Platz zurückgewinnen lassen kann (aber mit Vorsicht genießen). Allerdings könnte man nun auch argumentieren, das Geld für die Shareware könnte man auch gleich in eine größere SSD stecken.)

Zum Großreinemachen und Eliminieren unnötiger Dateileichen auf der Platte eignet sich die Freeware CCleaner ideal. Sie spürt auch Dateileichen auf, welche die Standard “Laufwerk bereinigen” Funktion von Windows nicht findet oder nicht finden mag.

One response so far

One Response to “Leben mit einer zu kleinen Bootplatte – Tipps für SSD Nutzer”

  1. adminon 28 Feb 2011 at 02:49

    PS: Wer dazu noch Maxdome nutzt, sollte sich auch mal den Tipp Silverlight Anwendungsspeicher verschieben durchlesen:
    http://www.mountainprophet.de/2011/02/28/microsoft-silverlight-anwendungsspeicher-isolated-storage-verschieben/

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