Feb 09 2011

Komplett PC Medion Akoya 7302D im Test: Schotten-Gamer bei Euronics

veröffentlicht in Kategorie Computer, Gaming  

Der Rotstift regiert beim aktuell für 999,- Euro bei Euronics erhältlichen Medion Akoya 7302 D (mit SSD). Alles, was man nicht unbedingt braucht, wurde gestrichen. Der ganze Sparwahn dient wohl dem Zweck, die durchaus vorhandenen Highlights des Medion Akyo 7302D Komplettrechners unter der magischen 1000,- Euro Grenze zu halten. Heraus kommt ein durchaus guter Gaming PC mit einem ganz besonderen Flair..

Das Datenblatt des Medion Akyoa 7203D
(in der bei Euronics erhältlichen Konfiguration)

  • Intel Core i5 760 Lynnfield, Sockel 1156LGA
    • Quadcore, 2,80 Ghz, 8MB Cache, TurboBoost
    • ausladender Alu CPU Kühler mit 80er Lüfter, Temperatur-geregelt, Drehzahl in Windows auslesbar.
    • riesiger Plastiktrichter auf dem CPU Kühler verfrachtet Luft zu den Kühlschlitzen an der linken Seite
  • Microstar MS-7658 Mainboard
    • passsiv gekühltes Intel P55 Chipset
    • AMI Bios vom Juni 2010, ganz massiv im Setup beschnitten. Da ist nicht allzuviel einzustellen.
    • 2 RAM Slots belegt mit 2x2GB Hynix DDR3 PC1333 (Modell: hmt125u6bfr8c-h9)
    • maximal 8 GB RAM, Dual Channel
    • Realtek Gigabit LAN
    • Realtek HD Audio 6.1
      • Digitalausgabe nur über HDMI – kein spdif!
      • Kein LiveEncoding, per HDMI kommt bei Games also nur Stereo an.
    • 2x PCI, 1x PCI Express, PS/2 Maus & Keyboard, 8x USB2.0 (2 frontseitig), Mic & Headphone (frontseitig)
  • ATI Radeon HD6870 ohne erkennbaren Hersteller (AMD Referenzdesign)
    • belegt beide PCI Slots des Mainboards
    • 1GB GDDR5 Videospeicher
    • Ausgänge: 1x HDMI 1.4a (inkl. Ton), 2x DVI (ein Single und ein DualLink), 2x DisplayPort 1.2
    • 4 Displays gleichzeitig nutzbar
    • gekühlt mit einem einzelnen, 70mm temperaturgeregelten Lüfter
  • Intel X25-V 40GB Sata-II 2.5” SSD
    • 32mb Cache
    • für SSD kreuz langsam Schreibgeschwindigkeit
    • für SSD moderate bis gute Lesegeschwindigkeit
    • unterstützt Trim/Garbage Collection, um die Performance auch Dauerhaft zu halten
    • im 3.5” HDD Einbaurahmen
  • Hitachi CinemaStar 5K1000 1TB HDD (HCS5C1010CLA382)
    • 3,5” SATA-II 5600RPM 8MB
    • “leise und stromsparend”
  • LG DVD Brenner GH22NS50
    • SATA, 2MB Cache, Buffer-Underrun Schutz
    • Lesen CD bis 48x, DVD bis 16x
    • Schreiben CD-R bis 48x, DVD+/-R bis 22x, DVD-R DL bis 12x, DVD+R DL bis 16x
    • Schreiben CD-RW bis 32x, DVD-RW bis 6x, DVD+RW bis 8x, DVD-RAM bis 12x
  • 450W Netzteil Fortron Source
    • mit großem Lüfter, temperaturgeregelt, echter Aus-Schalter
  • ATX Minitower ohne irgendwelche Besonderheiten
    • Platz für 2x 5.25” und 2x 3.5” HDD – bis auf 1x 5.25” Schacht ist alles belegt
    • Cardreader hinter einer klapprigen Klappe an der Front
  • Win7 Home Premium 32bit OEM
    • auf mitgelieferten Restore Discs und Restore Partition
    • Voraktiviert
    • so gut wie keine vorinstallierte Software
  • langweilige kabelgebundene Maus und Tastatur
  • Allgemeines Handbuch, Treiber / Tools DVD

 

Die Highlights des System

Da ist zum einen die neu erschienene Intel X25-V SSD Festplatte zu nennen, die Medion hier verbaut hat. Wenn man durch die Regale in den Discounter schlendert finden sich so gut wie kein Fertig PC mit SSD, der Akoya 7302 mit seiner kleine 40GB Intel SSD sticht da schon heraus. Dabei macht es durchaus Sinn, durch die extrem schnellen Zugriffszeiten / Lesegeschwindigkeit der als C:\ Platte installierten SSD startet das Win7 des Medion in nur 20 Sekunden.

Die ATI Radeon HD 6870 ist eine performante, dabei stromsparende und leise, uneingeschränkt spieletaugliche Grafikkarte gerade noch am oberen Ende der aktuell erhältlichen ATI Modelle. Mit 1GB an schnellem GDDR5 Speicher ausgestattet, per Treiber übertaktbar, voll DX11 kompatibel, mit dem ATI eigenen hervorragendem MultiScreen Support. Die Karte stemmt jedes aktuelle Game auch in hohen Auflösungen problemlos. Dank HDMI 1.4a (inkl. Ton) eignet sich die 6870 auch prima zum Anschluss an den heimischen HDTV gerne auch 3D, wenn denn 3D bei ATI etwas verbreiteter wäre – der Medion als leises Herzstück im Home Entertainment. Im Vergleich zu den (populäreren) NVidia Karten kratzt die 6870 knapp an der Leistungsmarke der Nvidia GTX 470, schneidet dabei aber was Verbrauch und Lärm angeht deutlich besser ab.

Intels Core i5 760 ist eine sehr gute Wahl für einen günstigen Spiele PC, der 2.80GHz getaktete Vierkern Prozessor liegt was seine Spieleleistung angeht nur ganz hauchdünn hinter den wesentlich teureren Core i7 CPUs. Benchmarks zeigen nur wenige 2-3 fps Unterschied im Vergleich zum i7 860, man könnte den Unterschied im Gaming Bereich also durchaus als vernachlässigbar bezeichnen. So ist die i5 760 auch der Kauftipp bei mehreren Spiele-Magazinen für Gaming PCs in der Preisklasse unter 1500,- Euro. Die hohe Taktfrequenz von Haus aus, kombiniert mit Intels TurboBoost Funktion, welche bei Spielen, die nicht alle Kerne nutzen, den Takt noch weiter erhöht, sowie das (theoretisch zumindest) große Übertaktungspotential machen die CPU zum Preistipp für den preisbewussten aber trotzdem ambitionierten Gamer. In anderen Anwenungsbereichen mit speziell auf Mehrkern/Hyperthreading optimierten Programmen ziehen die i7 CPUs dann allerdings dank Intels SMT davon (je nach Grad der Optimierung so 10% bis 30%, welches den i5ern fehlt). Im Gaming ist SMT  jedoch eher nicht relevant und die i5 mit ihren 4 Kernen gut im Rennen.

Die (teils eklatanten) Probleme des Medion Akoya 7302D

Völlig unverständlich ist die Wahl der Windows 7 Home Premium Version in der 32bit Edition. Hier muss jemand bei Medion gepennt haben, in der 32bit Version von Windows sind von den verbauten 4GB RAM nur noch etwa 2,8 GB nutzbar. Das ist das untere Ende dessen, was ein Gamer braucht und schadet der ansonsten sehr guten Gaming Performance des Medion Akoya 7302 – ein Griff ins Klo, meine Herren. Ein Update von 32bit auf 64bit ist nur durch Neuinstallation möglich – und erst mal an eine 64bit Version kommen, die den OEM Key dann auch noch akzeptiert. Glücklicherweise sind alle benötigten Treiber auch für Windows7 64bit bereits auf der Treiber-CD enthalten, so dass man zumindest dort keine Probleme bekommt. Ich selbst habe die C: Platte formatiert und ein Win7 64bit Ultimate neu installiert, das ganze lief ohne irgendwelche Probleme und ohne Treibersucherei. Wo nix ist an exotischer Hardware da gibt’s auch keine Treiberprobleme und beim Akoya 7302 ist wie gesagt nix an Extras da.

Das im Akoya verbaute Mainboard hat nur 3 Steckplätze, 2x PCI, 1x PCI Express. Die 6870 Grafikkarte verdeckte beide PCI Steckplätze und damit steht man vor einem echten Problem, wenn man noch irgendwas zusätzlich da einstecken möchte.  Hier treibt der Sparwahn der Hersteller schon kuriose Züge, ein paar mehr PCI Steckplätze hätten den Preis jetzt doch auch nicht durch die Decke gehen lassen, oder?

Auch was die Anschlüsse angeht zeigt sich der Medion Akoya 7302 sehr spartanisch: 8x USB2.0, 2x PS/2 (wer braucht sowas heute noch?) und das wars auch schon. Ein separater Digitalausgang des SoundChips? Fehlanzeige. Heute auch in der Preisklasse üblich sind zumindest mal ein zusätzlicher eSATA Anschluss, gerne auch schonmal ein USB3.0 Port – gibts hier nicht. WLAN und BlueTooth sucht man ebenso vergeblich. Der einzig noch nutzbare PCI Express Steckplatz musste bei mir zur Aufnahme einer USB3.0 Karte herhalten, mal schauen, ob ich den noch freien SATA Anschluss noch irgendwie ans Gehäuse nageln kann, um den fehlenden eSata Port noch selbst bereitzustellen.

Wo andere Systeme mit HotPlug fähigen Schnellwechselrahmen, Dockingstationen für externe HDDs, futuristischen Bedienpanels am Gehäuse und sonstige Luxus-Spielereien oder zumindest mehr oder weniger spannenden Softwarebeigaben glänzen, packt Medion beim Akoya 7302 grad noch einen stinknormalen Cardreader ins Rennen. Sparen, sparen, sparen…

Die bereits unter Highlights erwähnte SSD hat aber auch einen großen Nachteil: für Leute, die sich mit einem PC eher weniger auskennen, ist die geringe Größe der verbauten SSD absolut nix. Zwar hatte Medion schon ein paar kleine Anpassungen an der Standard Windows Konfiguration vorgenommen, um der SSD Rechnung zu tragen, aber die nicht konsequent durchgezogen. In der Praxis wird die SSD ohne weitere Konfigurationsänderungen in kürzester Zeit voll laufen und dann steht der unbedarfte Nutzer wie der Ochs vorm Berg. 40 GB ist halt leider extrem wenig Platz. Um das Volllaufen der SSD zu verhindern muss “umgebaut” werden: Benutzerprofile auf die 1TB große D:\ Platte verschieben, alle Temp Ordner und das Pagefile ebenso. Hiberfil.sys muss weg – vor allem, wenn man das RAM noch weiter ausbaut. Am besten grad auch die Wiederherstellungspunkte und eventuelle Schattenkopien. Und dann muss beim Installieren neuen Programme streng darauf geachtet werden, dass die neuen Programme auch wirklich auf die D:\ Platte installiert werden – was nicht bei jedem Programm auch wirklich möglich ist. (Weitere Tipps zu SSDs als Bootlaufwerk hier).  Damit ist ein unerfahrener PC User überfordert und das Problem einer vollen Boot Platte wahrscheinlich schon in kurzer Zeit akut. Ich selbst habe mein Win7 Ultimate inkl. Office Professional und Adobe Cs4 nun auf eine Gesamtgröße von 22 GB gebracht, so dass mir noch 18GB auf der SSD zur Verfügung stehen. Das langt jetzt mal ne Zeitlang, aber es bleibt eng. Auch muss man darauf hinweisen, dass eine SSD – selbst aktuelle Modelle wie die hier verbaute Intel – immer noch anfälliger sind, was Datenverlust angeht. Wer hier nicht konsequent backupt, der wurde gelegentlich schon in den Allerwertesten gebissen.

Sonstige2 Gedanken zum Medion Akoya 7203 D

Der Akoya 7302 ist in der Ausstattung sehr laufruhig. Durchaus Wohnzimmer geeignet, die durchwegs stromsparenden Komponenten erlauben ein minimales Kühlkonzept. Es gibt im Rechner nur 3 Lüfter: Netzteil, CPU Lüfter und auf der Grafikkarte – alle temperaturgeregelt, alle angenehm leise. Das Gehäuse würde noch 2 weiteren Lüftern Platz bieten, aber da ist kein Bedarf für, alle Temps bleiben Rahmen.

Der Sparzwang setzt sich auch in der Software durch, ausser einer Kopie der Brennsofware Cyberlink Power2Go v6 (aktuell ist v8) nebst DVD Player Soft findet sich noch eine 60 Tage Demo eines Virenkillers (den ich allerdings gleich deinstalliert habe – Bullguard oder so?) und der obligatorische Adobe Reader. Dann ist noch Google Chrome installiert und das kostenlose Office Starter. Sonst nix. Bislang hab ich noch bei jedem PC über die völlig vermüllten Win Installationen gemeckert. Hier gibts nix zu meckern. Hier ist ja nix drauf. Das wirkt so leer alles… Nichtmal so dämliche Support/Hersteller Tools oder sowas, statt dessen ein paar Verknüpfungen ins Web. Sonst nix. Das ist eigentlich gut. Denke ich mal. Naja, musste trozdem neu installieren, den Win7-32bit geht gar nicht.

Mein Fazit:

Das System wirkt karg und spartanisch, bietet aber eine sehr gute Gaming Performance. Aufs Minimum reduziert hat Medion beim Akoya 7302 alles weggelassen, was man unter Komfort verstehen könnte und schafft so einen sehr leistungsfähigen Spiele PC unter 1000,- Euro. Die Wahl der kleinen SSD macht das System für PC Neulinge aber zum NoGo. Der Lapsus mit dem 32bit Win ist sehr ärgerlich und versaut sowohl den Preis als auch den Komfort der guten Vorinstallation. Auf der einen Seite enttäuscht das Fehlen der Extras, auf der anderen Seite begeistert die Performance sowohl bei der täglichen Office Arbeit oder beim Surfen, als auch beim Spielen nach Feierabend. Eines muss man auch ganz klar sagen: auch als Allround PC leistet der Medion in dieser Ausstattung exzellente Dienste. Nur mit Aufrüsten ist nix. Und man muss bei der Win Konfiguration noch nacharbeiten. Aber Win7 auf ner SSD ist selbst bei der eher langsamen X25-V so sau schnell. Ein wahres Vergnügen. Ich glaub, ich werd schizo. Ach Mist: der Akoya 7203 ist toll. Punkt. Kauftipp für alle, die wissen, auf was sie sich da einlassen.

Nachtrag:

Die vorinstallierten Treiber für den HDD Controller (Intel RST  a.k.a Iastore) sind zu alt und haben gerade beim Umgang mit SSDs noch einige Defizite. Ein Upgrade ist daher dringend angeraten.

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