Oct 07 2010

Internet im Deggenhausertal (PLZ 88693)

veröffentlicht in Kategorie Lokales  

So schön es ist, im D-Tal zu wohnen, so bescheiden sind die DSL Kapazitäten hier im Hinterland. Theoretisch bietet die Telekom T-DSL (also normales, asynchrones ADSL) bis DSL6000 an, jedoch scheint es ein Kapazitätsproblem in der “Vermittlungsstelle” zu geben, wer ein DSL Port will, der kommt erst mal auf die Warteliste…

Aber nicht nur die generelle Verfügbarkeit und der etwas veraltete Stand der “Vermittlungsstellen” die nur DSL6000 können, auch die langen Leitungswege sind ein Problem, so dass mir schlussendlich nur eine Leitung mit 3.5MBit/sec Down und ca. 560Kbit/sec Up zum Preis von DSL6000 zur Verfügung gestellt werden konnte. Mehr ging aufgrund der Entfernung nicht. Damit ist surfen und Online Games, VideoOnDemand Streams in SD Qualität gut, VoIP geht, Videokonferenzen im kleinen Fenster grad noch so machbar. Große Downloads sind allerdings recht zäh. Uploads mit 500kbit/sec kein Spaß, Serverbetrieb undenkbar. Onlinegaming problemlos.

Telekom Reseller wie 1&1 bieten damit zumindest theoretisch ebenfalls die gleichen Leitungen an, die Telekom muss ja den Konkurrenten im Zweifel den Port überlassen,  jedoch erwies es sich recht schwierig, eine entsprechende Bestellung tatsächlich aufzugeben, weil die vorgeschaltete Verfügbarkeitsprüfung in der Regel ebenfalls am “keine Ports vorhanden” Problem abbricht und die Bestellhotline dann auch nicht mehr weiß, was se tun soll. 1&1 hats bei Bekannten nach einiger Verspätung dann doch noch geschafft, bei mir wars die Telekom..

Es gibt ein Motto, das man sich merken könnte: im Zweifel immer erst über die Telekom beantragen und dann erst im Folgejahr wechseln.. dieser Tipp hat schon Wunder bewirkt.

Internet über das TV Kabel ist im kompletten PLZ Bereich 88693 Deggenhausertal nicht verfügbar, so sagt es zumindest der Verfügbarkeitscheck von Kabel-BW

Internet übers Handynetz können wir im D-Tal mangels UMTS ebenfalls vergessen, GPRS/Edge und ISDN taugt vielleicht zum Mal ne kurz die eMails lesen, aber das war’s dann auch wieder. 220Kbit/sec maximale Down, 110 Kbit/sec max. Upstream für Edge, bzw. die 55Kbit/sec Down für GPRS sind zu langsam für jede anspruchsvolle Anwendung.

ISDN ist im D-Tal problemlos verfügbar und immerhin noch besser als die alten analog Modems über die stink normale Telefonleitung. Mit stabilen 64Kbit/sec bzw. 128kbit/sec im 2Kanal Betrieb ist ISDN etwa auf dem Level von EDGE, das ja auch noch je nach Empfangsstärke weit unter seiner maximal möglichen Performance bleibt.

Der Haken bei GPRS/Edge ist ja noch, dass viele der billigen Datenflats nicht für Edge gelten sondern wirklich nur für UMTS Verbindungen (da muss man im Kleingedruckten sehr genau lesen!) und für ISDN gibt’s heute ebenfalls keine Flatrates mehr, echte zumindest nicht.

Wer etwas tiefer in die Tasche greifen kann und Kosten um 150 Euro für Internet im Monat nicht scheut, der könnte auch an weiter entfernten Standorten wo DSL nicht mehr geht das fast in Vergessenheit geratene S-DSL (bei uns bis maximal 4Mbit/sec) über die Telekom oder einem Reseller wie die QSC AG greifen. Ebenfalls lohnenswert ist ein Anruf bei der Firma TeleData in FN. Effektiv bereitgestellt wurde mir über die Telekom nun S-DSL mit 1.5mbit/sec synchron Up&Down. Die 1.5mbit/sec sind hart an der Grenze, das ist schon viel Geld für eine doch verdammt langsame Leitung. Der Reiz an S-DSL ist allerdings der 3 Mal höhere Upstream gegenüber dem DSL3000.

Die Fragen, die man sich stellen muss:

  • Bin ich zu weit weg für normales DSL, dann kann S-DSL die einzige Möglichkeit sein.
  • Bin ich sowohl im Bereich von normalem DSL und S-DSL ist die Frage, wie wichtig ist der Upstream.

Im meinem konkreten Fall ist rein aus Privatverbraucher Sicht die S-DSL Leitung sinnlos und ADSL klar der bessere Weg.

Wer sich für S-DSL entscheidet: Lasst euch keinen teuren Router aufschwatzen, wenn ihr in nicht unbedingt braucht, zum S-DSL Anschluss der Telekom wird ein kostenloses Modem gestellt, dahinter klemmt man dann einen beliebigen Router aus dem Consumer Bereich, z.b. die Fritzbox. Der vergleichsweise hohe Upstream ermöglicht es, vernünftig einen kleinen Server, VPNs oder gar ein Exchange ins Inet zu stellen oder einfach nur in guter Geschwindigkeit Dateien ins Internet hochzuladen. Von den Pingzeiten her ist S-DSL in der Regel etwas über dem Level von (async.) DSL mit Fastpath – mangels eben diesem Fastpath.

Kommerzielle Nutzer, die auch 400+ Euro im Monat fürs Internet ausgeben können, können im Company Connect Produktbereich der Telekom synchrone Festverbindungen mit bis zu 10Mbit/sec über die Business Hotline der Telekom ordern, das langt auch üppig für ein Hotel. Company Connect schafft im Vergleich zu S-DSL durch Bündelung weiterer Leitungen noch höhere Übertragungsraten auch da, wo ADSL nicht mehr machbar ist, aber der Preis, das muss man sich schon gut überlegen.

Die mehrmals als laues Lüftchen durch die Lokalpresse geflatterte Meldung zur Breitband Offensive bezieht sich auf das WiMax Angebot der EnBW Tochter Neckarcom bzw. das neue Mobilfunknetz mit dem dämlichen Namen LTE. Obwohl erste ländliche Gebiete in DE damit nun erschlossen wurden, mach ich mir  bei Beiden keine großen Hoffnungen auf eine schnelle Realisierung hier bei uns im Tal. Zum einen gibt es bei uns zumindest theoretisch brauchbare DSL Leitungen entsprechend gering dürfte der “Druck” sein, es schnell einzuführen (der Telekom Verfügbarkeitcheck sagt derzeit: wer ein irgendwie geartetes DSL und sei es Light, bekommen kann, bekommt von der Telekom kein LTE) und zum anderen bin ich sehr skeptisch, was die konkrete Preisgestaltung und Performance dieser Lösungen angeht. Das WiMax Projekt Markdorf & Umgebung scheint dazu ja schon ne Weile eingeschlafen zu sein.

Internet per Sat, SkyDSL und wie se alle heißen sind in der Tat auch im D-Tal machbar, aber aufgrund von der exorbitant hohen Ping Zeiten sind latenzkritische Anwendungen wie z.b. VoIP, Online Gaming nur mühsam – und billig sind die Zugänge grad auch nicht, dann schon lieber ne S-DSL Flat.

Persönlich habe ich für mich durch die Koppelung der ADSL Leitung plus die S-DSL Leitung über einen LoadBalancer und ausgefeilte Routingregeln in einem Profi Router einen brauchbaren Kompromiss geschaffen, aber empfehlenswert ist diese Lösung auch nicht. Ich denke ich werde in nem Jahr dann die S-DSL Leitung wieder abschaffen und versuchen nochmal 1-2 DSL 3000 Leitungen zu ergattern und diese dann zu einem Bündel zusammenzufassen.

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