Jun 01 2010

Anarchie & Chaos auf Baustelle Markdorf Süd.. und eine Menge Kot

veröffentlicht in Kategorie Lokales  

Ach, was ist es doch eine Freude, nach Feierabend nochmal schnell mal die 2 Fellnasen auf einen Spaziergang raus aus der Stadt mitzunehmen. Im Moment? Gar keine!

Verteilte hier neulich noch die hiesige Immoplan ganz liebe Briefe an alle Anwohner, egal ob dafür zuständig oder nicht, man solle doch gefälligst dafür sorgen, dass Hunde den Weg aus der Stadt raus finden – die Felder wären doch so nah… sprossen da am Wegesrand schon die ersten Blümchen privaten Meckerschilder… Schwupps, schon wurden alle südliche Wege raus aus der Stadt totalgesperrt, inkl. für Fußgänger. Wo koten jetzt die Pfoten, überall ist’s nun verboten? Und wie steht’s um die Großbaustelle? Das ganze Drama nach dem Klick.

Prima Timing übrigens, Immoplan, ich habe zumindest herzhaft gelacht. Erstens ob der Anmaßung, mir überhaupt etwas sagen zu wollen, zweitens ob der unfreiwilligen Komik des Timings und drittens ob der Pauschalverurteilung aller Hundehalter und der blödsinnigen Begründung. (Katzen != Hunde.. Aber Katzen sind ja Default Okay, die dürfen Hinmachen wo se wollen, notfalls auch gerne bei mir auf die Fußmatte – Doppelte Standards for teh Win!) Bei der Gelegenheit: wenn die Hunde der Immoplan Gärtner, die zur Arbeit mitgebrachten werden, unangeleint durch die Anlage rennen und die Rabatten düngen, dann ist das Ok und muss natürlich auch nicht weggeräumt werden. Klar, das sehe ich natürlich auch so.

Aber nun zur Baustelle und nur mal so aus meiner Laiensicht: nachdem die Heggelinstraße also erst mal vorsorglich vollgesperrt wurde, obwohl eigentlich keine erkennbare Not bestand, fragte Tage später ein Bürger(?) in der Gemeinderatssitzung den zuständigen Leiter nach dem Grund der Sperre und erwischte den armen Mann auf dem falschen Fuß – der Südkurier berichtete. Eine Antwort gab’s nicht, wohl auch später nicht, ich hab jedenfalls nie mehr was gehört – dafür war die Sperre nach weiteren 48 Stunden verschwunden. Ein Schelm, wer da auf dumme Ideen kommt. Persönlich hätte ich in meiner Naivität ja erwartet, dass ein “Leiter” über solche Sachen Bescheid weiß..

Inzwischen tat sich ein interessanter Nebenschauplatz auf: die rüstigen Grantler: stockschwingend (Versuchte Körperverletzung?), lauthals Brüllend (keine Manieren?) sprangen Anwohner da ein, wo Markdorfs Ordnungshüter in gewohnter Abwesenheit glänzen. Den (Schuh?)-Werfer aus dem Wohnsilo, der ebenfalls lauthals brüllend sein Revier gegen was auch immer verteidigte, darf ich natürlich nicht vergessen.

Und auch nicht die omnipräsenten Baustellen Touristen. Neulich am Wochenende begegnete mir ein Rudel eben dieser auf der verbarrikadierten, zur Todeszone erklärten Baustraße einher radelnd, die mit besonderer Ignoranz geschlagen waren: Mit dem Finger auf das Wohnsilo an der Ecke Sudetenlandstraße zeigend war man sich nicht zu blöde, folgende Weisheit vom Stapel zu lassen: “Ah, da wohnen also die Meckerfritzen aus dem Südkurier, erst selber hier bauen und dann Motzen”. Mein lieber Unbekannter: ich wage zu bezweifeln, dass die Bewohner des Apartmenthauses, die sie mit dieser Weisheit bedacht hatten, tatsächlich die Bauherren waren… Hier werden also schon die Grundlage für gute Nachbarschaftsbeziehungen gelegt.

Wenn wir schon beim beliebtem Fingerzeigen sind: die Frau, die meinte, mich mehrfach inkl. Fingerzeig bei Anderen ungerechtfertigt zu denunzieren (da, der da!) und sich dann selbst 2-3 Tage später von mir dabei erwischen lässt, wie sie Ihren Hund sein Geschäft aufm Gehweg verrichten lässt, ohne Sauber zu machen, erhält auf meiner persönlichen Hitliste einen Platz ganz weit oben. Ich räume den Dreck meines WELPEN *immer* weg, ohne Ausnahme. Sie erwiesenermaßen nicht. Ich kann nix dafür, dass ein Welpe noch nicht 100% die Kontrolle hat, was ist Ihre Ausrede? Dummerweise wurde ich erzogen, nicht mit dem Finger auf Sie zu zeigen (siehe Knigge) und ich hab ich stets meine Rolle Tütchen dabei und benutzt – oft genug auch bei den Hinterlassenschaften der anderen – auch die von Ihrem Hund? (siehe meine Restmülltonne). Und übrigens: der Leinenzwang in Markdorf gilt für alle, bis zum Ortsschild (siehe Stadtordnung).

Alsdann ergab es sich, dass im Südkurier berichtet wurde, dass die Heggelinstraße zwecks Rohrverlegung im August aufgerissen werden müsse. Ich hatte mich schon gefreut, dass sowas im Voraus angekündigt wird. Dummerweise scheint August ein dehnbarer Begriff zu sein, beinhaltet der Monat August doch auch die letzte Mai Woche. Jedenfalls wurde kurz nach dieser Ankündigung bereits im Mai die Straße wieder aufgerissen und für 24h total gesperrt, diesmal inkl. einer Sperranlage, die der ehemaligen Deutsch-Deutschen Grenze zu allen Ehren gereicht hätte. Es spricht wieder der Laie: das hatten wir doch grad erst mit dem Graben unter der Straße durch, hätte man das ned gleichzeitig machen können?

Interessant auch zu sehen, wie sich kein Mensch um die Sperre kümmert, kaum brach der Abend an, war die Sperre sabotiert und die Markdorfer kletterten reihenweise daran vorbei. In guter Tradition, denn schon die imposanten Absperrgitter, meterhoch an einem Ende, mit dem einbetonierten Brückengeländer am anderen Ende verkettet, welche die hoch sensible und bis auf die Zähne vor Sonntags-Spaziergänger zu schützende Baustraße abriegeln sollte, konnte den Drang der Markdorfer nicht bremsen. Warum eigentlich der ganze Zirkus, wem schadet es, wenn da jemand am Sonntag drüber läuft? Und bin ich der einzige, der es urkomisch findet, wenn da 3×2 Meter “Riot-Fence” auf den mit Kies aufgefüllten ehemaligen Feldweg montiert wird, als gelte es, marodierende Banden aufzuhalten, man aber lustig im Kreis drum herum laufen kann?

Angesichts der instabilen Gassi Lage wundert es nicht wirklich, dass der Hundekot gerade während der Vollsperren auf dem Gehweg und direkt unter dem “Das ist keine Müllhalde” – Schild angehäuft zu finden ist, schlimm ist eigentlich nur, dass der Hundekotgeruch bei weitem nicht so penetrant ist, wie der Gestank, der mal wieder aus den Gully Deckeln aufsteigt. Noch so ein unerklärtes Mysterium. Aber darüber hab ich mich ja schon mal ausgelassen.

Kein Mysterium dürfte es sein, warum ich inzwischen wie ein Sträfling die noch verbleibenden Tage in dieser surrealen Kleinstadtidylle vom Kalender abstreiche. t minus 60 and counting. Als Alice den Hasenbau hinunter purzelte, muss sich sie ähnlich wie ich hier beim Einzug gefühlt haben. Oder kurz: Ich gehör hier nicht hin, hier will ich nicht sein. Ich bin ein Nerd, holt mich hier raus. Ich erzähle auch niemanden, dass ich eigentlich “Einheimischer” bin. Noch 2 Monate..

No responses yet

Trackback URI | Comments RSS

Kommentar dazu? (Geht anonym und ganz ohne Anmeldung)