Sony Cyber Shot DSC-WX1 – der Dämmerlicht Spezialist im Kurztest

Von | 15.03.2010

Sonys ultra-kompakte DSC WX-1 bietet interessante Features für einen sehr eng gefassten Einsatzzweck: Knipsen unter schlechten Bildbedingungen. Im normalen Einsatz bleibt jedoch unterm Strich nicht mehr als eine sehr kleine Hobbyknipse mit zahlreichen Problemen übrig. Mehr dazu nach dem Klick auf..

 

5fach optischer Zoom und für die Knirps-Klasse eindrucksvoller Weitwinkel (24-120mm), mit komplett abschaltbarem Digitalzoom, optischer Bildstabilisator (plus Anti-Verwackel-Modus), neuartiger EXMOR-R Sensor für höhere Lichtausbeute (bis zu 200% mehr laut Sony – oder Aussage eines Foto Profis: „macht so etwa ein f-stop aus“), lichtstarkes f/2.4er Sony “G” Objektiv, ISO von 160 bis 3200, Fokus-Assist LED und spezieller “LowLight” und Anti-Blur Modus bei langer Belichtung.. Die Liste der Features der ultrakompakten Digitalkamera DSC-WX1 zeigt doch recht gut, wo der Schwerpunkt der Kleinen liegt.

Aber fangen wir von vorne an. Das wertige Metallgehäuse mit den Abmessungen 9cm * 5cm * 2cm passt grade so in eine Zigarettenschachtel und bringt etwa 130g auf die Waage, alle Bedienelemente schmiegen sich eng an das Gehäuse und sind bis auf den Ein-/Ausschalter trotzdem sicher und bequem zu bedienen. Nur die Öse für die mitgelieferte Handschlaufe steht ein paar Millimeter vom Gehäuse ab. Die kleine Klappe am Boden nimmt nur Sony zertifizierte Akkus auf und einen MemoryStick von Sony. Diese Klappe wirkt billig, wackelig und gar nicht vertrauenserweckend – ein krasser Gegensatz zum Rest der WX1. Die Rückseite der Kamera wird von einem hellen 2.7” LCD mit 230.000 Pixeln dominiert.

Schnell aus der Hosentasche ziehen und losknipsen steht nichts im Wege – die Kamera startet in Windeseile und ist blitzschnell bereit fürs erste Foto. Ich habe bislang nur ganz wenige dieser ultrakompakt Kameras besessen, aber die DSC-WX1 ist mit Abstand die Schnellste. Schnell ist auch der Burst Modus, der bis zu 10 Bilder in der Sekunde machen kann – nach diesen 10 Aufnahmen dann allerdings eine kurze Verschnaufpause benötigt. Der Makro Modus geht bis 5cm, den Blitz schaltet man dabei besser ab, der Objektivschatten macht das ansonsten nämlich witzlos. Übrigens nicht die einzige Situation, in der der Blitz Schatten durchs Objektiv verursacht. Das alte Problem der ultrakompakt Kameras mit den vorstehenden Zoom Objektiven und einem Blitz der viel zu dicht am Objektiv montiert ist eben. Ebenfalls problematisch: häufig und stark auftretende Lensflares ab etwa 3x optisch Zoom. Auch das ist nix neues bei Digicams dieser Bauart.

Die Kamera macht Bilder bis 3648×2736 Pixel Auflösung, dazu kommt ein Panorama Modus, mit dem man in der Auflösung reduziert bis zu 256° Panos durch einfaches Schwenken der Kamera in der Hand erstellen kann  Die Kamera stitcht die Einzelbilder dann automatisch zu einem 7152 x 1080 Panorama zusammen. Wer den richtigen Dreh oder besser Schwenk raus hat, macht hübsche Panoramas ganz ohne Fummelei direkt aus der Hand – aufm Stativ klappt’s dagegen nicht so gut, weil das (Metall-) Stativgewinde offcenter, ok,  fast am linken Seitenrand angebracht ist.

Die Videofunktion macht 720p (1280*720 Pixel)  HD MPEG4 Videos bei 30fps mit maximal 29 Minuten Länge am Stück (entspricht 2GB Dateigröße). Alternativ geht auch eine reduzierte Movie Auflösung von 640*480 pixel (VGA). Das eingebaute Mono Micro ist allerdings nur als Notlösung zu verstehen, Aufnahmen leiden durch die stark hörbaren Kamerageräusche.

Sony hat so einiges an künstlicher Intelligenz in die Kamera gepackt

  • der LowLight Modus schiesst 6 Bilder in schneller Folge (<1 sec)  und verrechnet diese dann miteinander. Die WX1 bringt auch in der dunkelsten Ecke brillante und trotz hoher ISO Settings rauscharme Bilder, allerdings darf sich der aufgenommene Gegenstand dabei nicht bewegen, sonst wird er rausgerechnet.
  • Der Anti-MotionBlur Modus arbeitet ähnlich und eliminiert zusätzlich anhand der Bildserie unerwünschte Wischer/Schlieren, falls sich bei längerer Belichtungszeit das aufzunehmende Motiv bewegt (oder man selber wackelt), gerade eben wieder bei wenig Licht sehr interessant. Hier wird mit maximalem ISO die Bildserie geknippst (bis zu ISO 3200 in meinen Tests), um die Belichtungszeiten so kurz wie möglich zu halten. Das Ergebnis wird dann wie beim LowLight Modus zusammengerechnet, um das Rauschen zu entfernen. Bewegt sich das fotografierte Objekt während der Aufnahme der Serie, wird der von der Bewegung betroffene Teil des schärfsten Serienbildes in die anderen Bilder kopiert, um im Vergleich mit den anderen Teilbildern die Bewegungsunschärfe (daher Anti-MotionBlur) wegzurechnen. So wird Bewegung effektiv gestoppt ohne zu verwischen, allerdings kommt es dabei zu dem Phänomen, dass das bewegte Objekt dank hoher ISOs stark verrauscht, während die statische Umgebung dank LowLight Modus deutlich rauschfreier sind. Etwas ungewöhnlich, aber durch die 2 Modi gelingen spektakuläre Aufnahmen bei ganz wenig Licht, die fast schon an HDR erinnern und so mit den meisten Hobbyknipsen nicht machbar sind.
  • Der ebenfalls vorhandene abschaltbare optische Verwackelschutz selbst tut seinen Dienst  gut und zuverlässig. Die 2-stufige Dynamik Optimierung DRO, schneller und intelligenter Autofokus sind weitere Beispiele der nützlichen Funktionen, während Gesichts/Lächel-Erkennung und Anti-Blinzel Programm eher Richtung Mumpitz tendieren, die zudem den Kamerabetrieb verlangsamen – abschalten ist die Devise.

Die DSC-WX1 bietet zig unterschiedliche Aufnahme Modi, Makro, LowLight und Anti-Wackler wurden schon genannt, die alten Bekannten wie Portrait, Nachtportrait, Landschaft, Nachtbild, Feuerwerk sind genauso vertreten wie so Exoten wie: Essen, Haustier, Strand, Schnee und Unterwasser – ohne genau zu beschreiben, was die tatsächlichen bringen. Somit ist viel Trial & Error notwendig, bis man als Neubesitzer weiss, mit welchem Modus man das beste Resultat erzielt.

Die Kamera richtet sich an Laien-Bilderknipser nach dem Point&Shoot Prinzip – verwirrt diese aber wiederrum mit unklaren Programmmodi. Am meisten Kontrolle über die Aufnahmeparameter erhält man noch im P (Programm) Modus, hier kann man folgende Einstellungen vornehmen:

  • Bildauflösung und Seitenverhältnis (4:3 in 10M, 5M, 3M & VGA, 3:2 in 8M, 16:9 in 7M und 2M)
  • ISO Auto/160/200/400/800/1600/3200
  • Burst Modus bis 10 Bilder/Sec
  • Bracket Shooting für Belichtungsreihen aus 3 Aufnahmen (+/-0.3 EV, +/- 0.7EV oder +/- 1 EV)
  • Belichtungskorrektur (1/3 bis +/- 2EV)
  • Weißabgleich: Auto, Manuell und 7 Presents
  • Autofocus Multi/Center/Spot/Gesicht Erwachsene, Gesicht Kinder
  • Multi/Center/Spot Metering
  • Lachen/Rote Augen Erkennung
  • 2 Modi zur Dynamikverbesserung “DRO”
  • Blitz an/aus/auto/slow sync
  • Timer 2 sec/10 sec
  • Display hell/dunkel/mit Histogramm

Manueller Eingriff in Belichtungszeit oder Blende ist nicht vorgesehen. Manueller Fokus natürlich auch nicht, nicht mal Presets. Zumindest Einmessen und Neuausrichten bei halbgedrückten Auslöser geht, ansonsten ist Essig.

Komischerweise hat Sony eine Zuschneiden-Funktion für Fotos in die Bildansicht integriert und einen Unscharf Maskieren sowie weiteren Rote Augen Filter dazu. Bilder auf der Karte werden wahlweise in Kalenderblattansicht, oder sortiert nach Datum / Ordner angezeigt. Auch hier wieder auf Wunsch mit Histogramm. Eine Videoschnittfunktion fehlt komplett. An den TV werden Slideshows mit Hintergrundmusik (vom PC übertragbar), Bilder und Videos via YUV oder Composite in PAL oder NTSC ausgegeben. Universalkabel für alle Ausgabefunktionen liegt bei, inkl. obligatorischem USB Transfer zum PC.

 

Lieferumfang:

  • Spar-Akku LiIon mit zu kurzer Laufzeit. Kompatibilität mit Akkus von DrittParty Hersteller ist problematisch.
  • Ladegerät für den Akku, nicht als Netzgerät für die Kamera nutzbar
  • Handschlaufe bereits an die Kamera geknotet
  • Kurzanleitung gedruckt, ausführliches PDF Handbuch auf DVD
  • Fotobrowser und Musik-Transfer Utility für Win/Mac auf DVD
  • Universal Kabelbaum, Sony proprietär für USB, Composite und YUV 

Pro:

  • Hervorragende Fotos bei schlechtem bis fast gar kein Licht
  • HD 720p Videofunktion
  • Gutes, lichtstarkes Objektiv mit gutem Weitwinkel und  5fach Zoom mit optischem Stabilisator
  • Kamera agiert flink und ist damit für spontane Schnappschüsse sehr gut geeignet.
  • Klein, stabil, handlich, leicht

Contra:

  • Nur vergleichsweise mittelmäßige Bildqualität bei normalen Lichtverhältnissen
  • Beim Winterspaziergang letztens bemerkt: Der Ein-/Ausknopf ist selbst mit dünnen Handschuhen nicht mehr zu bedienen.
  • Objektiv wirft im Blitzbetrieb Schatten
  • neigt zu Lensflares
  • Etwas schwierig zu halten, da so klein und man mit großen Händen ständig Gefahr läuft, etwas zu verdecken.
  • Laufzeit des mitgelieferten Akkus deutlich zu kurz. Sony zertifizierte Akkus sind dazu 4 Mal so teuer wie Akkus von Drittherstellern, die aber leider nicht immer in der WX1 funktionieren.
  • kein Standard USB Anschluss – teurer “Spezialkabelbaum” liegt zwar bei, ist aber unhandlich und wehe dem, der das Kabel verliert, der Ersatz kommt richtig teuer.
  • Benutzt nur die teuren Sony Memorysticks Pro bzw. Pro Duo. Memory Stick wird *nicht* mitgeliefert.

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