Oct 25 2009

Gedanken zum Amazon Kindle 2 International

veröffentlicht in Kategorie Lifestyle  

Es hat lange gedauert, inzwischen sind sie da: die Amazon Kindle 2 International Versionen, die auch hier in Deutschland voll nutzbar sind. Als erster Teil einer kleinen Reihe an Posts zum Kindle2 hier mal ein paar Worte zu Kosten, Internationale Version, Bücherangebot und dem DRM des Kindle 2…

Kosten:

Amazon hat nun endlich den Kindle 2 auch in Euroland verfügbar gemacht. Oder zumindest mal so halbwegs, denn bestellen kann man das Gerät weiterhin nur direkt in den USA, was nicht nur den Preis, sondern auch Garantie und Service Ansprüche beeinflusst. Anstatt der hier üblichen 2 Jahre Garantie/Gewährleistung plus 14 Tage Rückgabe nach Fernabsatz gelten für den Kauf also die US Bedingungen und die sehen mit 1 Jahr Garantie + Versand im Garantiefall doch etwas mickriger aus.

Kosten tut der Kinde2 in der International Version jetzt nur noch 259,- USD – Early Adopters des Kindle 2 Int. bekamen ungefragt eine entsprechende Gutschrift. 259,- USD entsprechen inkl. deutscher Märchensteuer ca. 220,- Euro. Dazu kommen nochmal ca. 20,- Euro für den Versand (UPS Express 2-3 Werktage). Damit ist der Kindle 2 mit seinen grob gesagt 250,- Euro Kaufpreis immer noch einer der preiswerten Vertreter der eBook Reader auf dem deutschen Markt, die Konkurrenz verlangt für vergleichbare Modelle auch schon mal 400,- Euro und noch mehr.

International Version – was soll das?

Der eigentlich Gag der International Version des Kindle2  ist, neben der Öffnung des US Kindle Book Stores für das Ausland, dass ein universelles 3G/EDGE/GPRS “Modem” verbaut wurde – anstatt wie bei den anderen Kindle Modellen nur auf das eigene “Whispernet” zu setzen, welches nur in den USA von AT&T und Sprint bereitgestellt wird. Ein Kindle 1 bzw. Kindle 2 USA Version kann ausserhalb der USA nicht “drahtlos” betrieben werden. In Deutschland bucht sich der Kindle 2 International Version fröhlich in das 3G Netz der T-Mobile ein – ohne dabei für den Kindle Besitzer zusätzliche Kosten zu veursachen, man braucht also keinen Vertrag mit T-Mobile oder Amazon.

Die Nutzung des Handynetzes zum Stöbern im Kindle Store ist kostenlos.

Aber es gibt 2 Haken:

  • zum Ersten ist in Deutschland der integrierte experimentelle Browser gesperrt, das Surfen würde Extra kosten, aber dafür gibts kein Abrechnungsmodell
  • zum Anderen lügt uns Amazon die Hucke voll, wenn sie in der Werbung behaupten, der Transfer per Handynetz auf den Kindle wäre kostenlos. Ist er nicht, denn Amazon zeigt EU Kunden einfach einen höheren Endpreis der Bücher an, was ein simpler Vergleich der US und EU Buchpreise im Kindle Store auf den ersten Blick zeigt.

Bücherangebot:

Kindles größter Vorteil für mich und gleichzeitig absolutes KO Kriterium für viele deutsche Interessierte ist: es gibt keinen deutschen Kindle Store. Deutschsprachige Bücher kann man mit der Lupe suchen. Kurz gesagt, wer nicht ausschliesslich an englischen Bücher interessiert ist, kann hier an der Stelle aufhören zu lesen. Bis ein nennswerter Bestand an deutschen Büchern vorliegt, wird es noch eine Weile gehen, bis dahin gibts neuere und bessere und günstigere Reader.

Die meisten eBook Reader bisher – und ich hatte die letzten Jahre über schon einige – krankten immer an der mangelhaften Versorgung mit aktuellen Büchern. Nennen wir das Pferd beim Namen: wenn ich Projekt Gutenberg oder Public Domain Literatur nur sehe schlafe ich schon ein. Dafür brauch ich kein eBook Reader. Mein Interese an einem eBook Reader steht und fällt mit dem Angebot verfügbarer Bücher.

Hier hat Amazon USA mit dem Kindle Store meiner Meinung nach bereits die Nase vorne und hat so trotz seines proprietären Formates Kindle .AZW die beste Auswahl an englischsprachigen Büchern. Barnes & Noble, die neulich eReader & Fictionwise übernommen haben, dürfen sich jetzt also weiss Gott nicht ausruhen, um nicht endgültig den Anschluss an den neuen Klassenprimus zu verlieren. Sony als Dritter im Bunde kann zwar auf Deutsch Punkten, aber auch deren Library vermag mich nicht so sehr zu begeistern, wie Amazon es kann. Wer mit dem Gedanken spielt, ein eBook Reader zu kaufen sollte unbedingt vorher klären, ob er ausreichend Bücher dafür bekommt, sonst wird so ein Reader nämlich sehr schnell langweilig.

Aus Mangel an deutschsprachigem Content hat man sich bei Amazon also dazu entschlossen, den Deutschen Kunden ganz einfach den Zugriff auf den US Kindle Store zu gestatten (das war bisher nicht möglich, über IP Check und Verifizierung der Herkunft der Kreditkarte wurde mir bisher der Einkauf in den USA verhindert). Das Angebot an englisch sprachigen Bücher ist mit eines der besten heute – bis hin zu zeitgleichen Releases der Titel auf den aktuellen Bestsellerlisten auf Kindle und Hardcover. Wobei ein Kindle Buch Durchschnittlich ca. 10,- Euro kostet und damit meist nicht billiger als eine Taschenbuchausgabe kommt. (Ausnahmen um 3-5 Euro pro Buch bestätigen die Regel.)

Die Auswahl an internationalen Zeitungen für den Kindle ist interessant, aber in Deutsch gibts nur zwei: FAZ und Handelsblatt und zu exotischen Preisen.. US Zeitungen gibts z.b. ca. 30 und die kosten auch nur die Hälfte im Monat. Was Magazine angeht, das kann man getrost abhaken egal welche Sprache, da ist man mit http://www.zinio.com definitiv besser bedient.

Sagte ich oben, Amazon gibt Zugriff auf den gesamten US Kindle Store? Ooops. Ich meinte fast den Gesamten, denn auch im Kindle Store stolpert man gelegentlich über die von uns USA Medien Freaks so heiss geliebte Meldung “Der Content ist in Ihrer Region nicht verfügbar” – wenn Publisher mal wieder die Regionalkeule sprechen lassen. Aufgefallen sind mir jetzt erst eine Hand voll Titel, den genauem Umfang dieser Regionsbeschränkung kann ich also nicht abschätzen.

Kopierschutz, DRM und Formate:

DRM mäßig ist der Kindle eine wahre Seuche. Ausser dem geschützten proprietären .AZW Format ist der Kindle nicht in der Lage, auch nur ein einziges anderes geschütztes eBook Format wie z.B. Secure eReader, Adobe Digital Editions, Protected MobiPocket oder MS .LIT anzuzeigen. (für letzteres also MS .LIT gibt es wenigstens einen sehr einfachen Weg aber auch sehr illegalen Weg, das DRM zu entfernen: ConvertLit und Calibre erledigen den Job problemlos).

Die fehlende Unterstützung fremder DRM geschützer Formate war jeher ein riesen Problem der eBook Reader. Amazon macht es keinen Deut besser,  aber hat eben (erstmals?) Rückhalt durch seinem hervorragenden Kindle Store. So drückt Amazon also mit Gewalt sein eigenes Format auf den Markt. 

Seit Jahren nun doktoren die Hersteller von eBook Reader an diesem Formatechaos rum und keiner lernt dazu. Wann kommt das Apple Itunes der eBook Welt und zwingt die Publisher auf den Verzicht von DRM?!

Auch bei der Unterstützung ungeschützer Formate zeigt der Kindle Schwächen: der PDF Support ist grenzwertig und wird als “Experimental” bezeichnet. Plain Text wird in der Darstellung teils sehr verwurstelt und ist unbequem. MS Word, RTF und HTML und eine handvoll anderer ungeschützter Formate wie Mobi und eReader in der ungeschützen Variante werden brauchbar angezeigt – am besten für eigenen (oder gecrackten) Content eignet sich meiner Meinung für den Kindle 2 das .Mobi Format (ungeschützte Variante) – einen DonationWare Converter gibts in Form von Calibre für Mac, Win und Linux im Netz. Aber halten wir wieder fest: Auch hier bei den ungeschützren Format sehen wir wieder das alt bekannte Problem aller eBook Reader: zuwenig Formate. Und was gibt es schon gross in ungeschützten Formaten? Richtig, nur wieder die alten Klassiker, die mich schon in der Schule zu Tränen gelangweilt haben. Oder eben Selbstgemachtes..

Neben diesem auch wieder nur lückenhaften Support von eBook Formaten spielt der Kindle MP3 und Audible Audiobooks ab und soll JPGs anzeigen können (was mir bisher noch nicht gelang), allerdings funktioniert die Aktivierung von Audible Audiobooks derzeit nicht für Leute, die einen Mac benutzen. Ein kostenloser Windows basierter Client zum Lesen der Kindle AZW Bücher am Notebook/PC ist für November angekündigt, eine iPhone Version gibt es derzeit nur auf dem US AppStore und entsprechend kompliziert kommt man da dran (hat man das Ding erst mal aufm iPhone klappts dann aber wunderbar auch mit deutschem Account).

Amazon war neulich heftig in die Kritik geraten, weil es gekaufte Bücher wieder von den Kindles der Käufer gelöscht hatte. Ich seh den Fall jetzt nicht ganz so tragisch, denn wenn man seine Library mit dem heimischen PC abgleicht, können die Löschen solang se wollen. Ausserdem hat Amazon inzwischen versprochen, sowas nicht mehr zu machen.

Amazons DRM erlaubt es, bis zu 6 Geräte gleichzeitig einem einzigen Amazon Kundenkonto zuzuordnen. Alle Geräte, die dem selben Konto zugeordnet sind, können gleichzeitig den gesamten Buchbestand dieses Kontos nutzen. Hier im Haus heisst das Konkret: (in Kürze) Desktop, iPhone und Kindle meiner Frau und von mir nutzen die selbe Library und können ein Buch auf allen 6 Geräten gleichzeitig lesen, wenn wir wollen.

Interessant ist auch: Amazon bietet eine 7 Tage “Gefällt mir nicht, will mein Geld zurück” Garantie für gekaufte eBooks, das ist schon selten.

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