Jul 10 2009

Hat die Gaming Wirtschaft schon aufgegeben?

veröffentlicht in Kategorie Gaming  

Vom Verband deutscher Spieleproduzenten hab ich schon immer mehr erhofft in der Killerspiele Diskussion, als die paar kläglichen Proteste, die es bisher gab. Aber das Problem steckt wohl noch tiefer? Es erscheint eine ePetition beim Bundestag gegen das Verbot von Killerspielen die genau dem Hauptanliegen der Gamer entspricht, die auch sehr erfolgreich beginnt (4 Tage – 25.000 Mitzeichner) und was passiert in den Spielemedien? Nicht viel..

Gamepro? Keine Antwort auf die Anfrage, ob man nicht ne kleine News mit Link zu der ePetition beim Bundestag bringen möchte. PC-Action, Gamezone, Gameswelt? Nix zu finden zur Petition.  Vom Springer Verlag Machwerk Computer Bild Spiele hab ich nix anderes erwartet.

Mein altes Gamer Forum winkt dankend ab: für sowas verschwenden wir keinen Platz auf der Newsseite. Auf einem anderen Forum ernte ich verhaltene Ablehnung: “Bringt doch eh nix”. Boris Schneider-Johne (Microsoft XBOX Marketing), der sonst gerne schon mal in seinem Blog über die unfähigen Politiker herzieht, poltert in Twitter: lasst mich in Ruhe mit Petitionen.

Gamestar vergräbt den Link in die Killerspiele Ecke, die doch kein Schwein liest, auf die Homepage kommt sowas nicht. Gerade so, als ob man sich drüber schämen müsste, dass man drüber berichtet.

Jeder uninteressante Furz zu Spielen wird in News breit getreten, aber ein ePetition gegen Spieleverbote ist unwichtig, nicht wert, in den News erwähnt zu werden? Hat die Wirtschaft uns im Stich gelassen? Den Kampf gegen unsinnige Spieleverbote schon aufgegeben? Es ist uns wohl allen klar, dass der Killerspiele Petition das selbe Schicksal blüht wie der Zensursula Petition: als Fußnote unterzugehen. Aber auch die Zensursula Petition von Franziska Heine hatte positive Auswirkungen auf die Debatte, auch wenn das Zensurgesetz erst mal nicht gestoppt werden konnte.

Jaja, der Platz, den so eine News auf der Seite einnehmen würde, der ist schon arg teuer und es ist so fürchterlich viel Arbeit mit den modernen CMS System ne News einzustellen. Das lohnt den Aufwand nicht. Ich muss mir mal überlegen, ob es für mich den Aufwand noch lohnt, die Abokosten zu überweisen.

Wenn in 1-2 Jahren in Deutschland kein Actionspiel mehr verkauft werden darf, ausländische Shops auf dem Index stehen (siehe aktueller Fall mit dem Österreicher Shop) und die heimischen Spieleproduzenten pleite oder im Exil im Ausland sind, dann möchte ich wenigstens sagen können: “Ich hab es versucht, ich bin Nummer xyz auf auf der Liste ignorierter Spieler.” LANs sind ja auch grad vom Aussterben bedroht, in Karlsruhe wurde gerade schon wieder eine LAN zu Grabe getragen.

Lobenswerte Ausnahme am Tag 4 nach Beginn der Mitzeichnungsfrist:

Auf das eigentlich branchenfremde Heise ist wie immer Verlass.
Und auch PCGames.de berichtet in den News.
Gamefront.de machts zum Top Thema.

Also, liebe Gamer: twittern, bloggen, posten wir weiter. Gehen wir weiter auf die Strasse – nächster Termin 25.07. in Karlsruhe, Berlin und vermutlich auch Köln. Niemand anders kämpft für uns, das müssen wir schon selber tun. Und im September machen wir ein Kreuzchen bei einer spielerfreundlichen Partei..

3 responses so far

3 Responses to “Hat die Gaming Wirtschaft schon aufgegeben?”

  1. Jongieon 10 Jul 2009 at 09:41

    Hi,

    die Frage hab ich mir schon öfter gestellt. Nachvollziehen kann ich die zurückhaltende Industrie auch nicht wirklich. Fakt ist aber, das viel im Stillen gemacht wird und das Thema nicht ignoriert wird.

    So hat z.B. der Hauptgeschschäftsführer vom G.A.M.E selbst eine Petition eingereicht. Einige Mitglieder haben sich schon an der Petition beteiligt.

    Und ein Blick auf Google ‘Petition Killerspiele’ zeigt auch deutlich das die Aktion weit davon entfernt ist, ignoriert zu werden. Vielleicht muntert das ja ein wenig auf. Bei mir hats geholfen!

    Gruß aus Nürnberg

  2. Boomelon 10 Jul 2009 at 09:53

    ich sage dir die Antwort :

    42

    bzw.

    EA hatte bereits vor Jahren zu erkennen gegeben das es ihnen relativ egal sei,d a sie im notfall eben die Sportschiene bedienen und Shooter und sonstige Games eben nicht mehr vertreiben.

    Das gleiche bei der ESL, aber keine Angst die werden schon noch wach. Dauert nur bis das die Besitzer realisieren das sie nicht cdu-konform durch die Lande kommen ohne Schaden zu nehmen. Zugegeben eine etwas böse Vermutung, aber ich war erst genauso fassungslos wie du, ist aber auch schon 3 Jahre her :)

    Was positiv zu erwähnen ist, sind die computec verlage und einige andere Medien die Sturm laufen gegen das ganze…

  3. Tobiason 11 Jul 2009 at 18:47

    Was ich höchst traurig finde an diesen Diskussionen, ist, dass sich doch kein Politiker ernsthaft mit gewaltverherrlichenden Spielen oder solchen mit expliziten Grafiken auseinandersetzt.

    Fakt ist, dass es in Deutschland mit der FSK und der BPjM Stellen gibt, von denen man in anderen Ländern nur träumt. In Australien, beispielsweise, geht gerade die Diskussion um, alle nicht freigegebenen Games zu verbieten. Der Haken: Die höchste Altersfreigabe ist 15 Jahre. Auch, und das ist spannend, befindet sich momentan ein Internetfilter im Betrieb, der ursprünglich nur die gleiche Funktion übernehmen sollte wie hier in Deutschland gewisse Stoppschilder. Doch nun wird der Filter weiter ausgedehnt und böse Spielewerbeseiten mit gesperrt.

    Doch zurück zu Deutschland, so interessant die Gemeinsamkeiten auch sein mögen. Jörg Tauss meinte, dass die meisten das Internet sehen als Ursache allen Übels und nicht als Spiegel der Gesellschaft – da bleibt nur anzunehmen, wie die netten Herren in der Regierung zu Games überhaupt stehen.

    Ich jedenfalls empfinde es als spannend, diese Diskussion mitzuverfolgen. Spieler kriminalisieren? In Deutschland, einem sehr spielverliebten Land und großer Kaufkraft. Diese Argumente sind für die Industrie sicherlich wichtig, warum erstellen sie sonst manchmal zwei Versionen: Eine für Deutschland, eine für den Rest der Welt?

    Schöner, gut recherchierter Artikel. Hast du eigentlich auch bei der GEE angefragt?

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