Jun 08 2009

-8.x% CDU in Baden Württemberg: Killerspiele & Zensur

veröffentlicht in Kategorie Lifestyle, Lokales, Online  

Sehr schön. Killerspiele und Zensur machten CDU/CSU sowie die Verräterpartei SPD für mich unwählbar. Es folgt ein langer Bericht, warum ich mich darüber freue und warum ich mich inzwischen zu den Protestwähler zählen muss. Wer mag, klickt auf Weiterlesen, wer nicht mag, überspringt es einfach.

Ich spiele Computerspiele seit dem ich im Quelle Fachgeschäft in FN-Eriskirch etwa um 1978 herum mein erstes eigenes Videospiel gekauft habe: ein Universum “Telespiel 2006” (Bild Universum Telespiel 2006 bei Homecomputermuseum.de). Das war vor 31 Jahren(!). Aus mir ist was geworden, ich bin bei meinen Kunden gern gesehener Berater für Internet & IT-Fragen und seit vielen Jahren selbständig/freiberuflich unter anderem auch für einigen namhaften Firmen hier im Bodenseekreis tätig – aber auch darüber hinaus, sogar international.

Ich war trotz jahrelangen Mobbings durch Schüler und vereinzelter Lehrkräfte in der Zeit auf dem Gymnasium Überlingen nie gewalttätig oder Suizid gefährdet – obwohl ich zum Ausgleich  (als Flucht?) *jeden* Nachmittag bis tief in die Nächte vor der jeweils aktuellen Daddelkiste hing – auch über Zeiten hinweg, als Muttern ganztags arbeiten musste und Vadder durch Fremdgehen das Familienleben auf einen traurigen Tiefstand brachte. Exzessives Computerspielen ist eine Flucht aus/vor der Realität, ein bisschen sogar Therapie. Exzessives Spielen von Gewaltspielen kann ein Begleitsymptom seelisch geschädigter Kinder/Jugendlicher sein, ein Warnzeichen, ein nicht hörbarer Hilfeschrei, aber es gibt entgegen der Behauptung unserer Politiker keinen Nachweis dass es ein Auslöser sei.

Ich hab mir schon in der Schulzeit über Zeitungsannoncen (Grüße an den “Knacki” Freiherr von G. – es gibt noch Gerechtigkeit, wenn auch manchmal erst spät – jetzt darf er richtig Tanja spielen), auf dem Schulhof und später über Mailbox und Datennetzen auch den abscheulichsten Spieleschund besorgt, den man sich vorstellen kann – oder vielleicht besser auch nicht vorstellen kann. Spiele, deren Besitz bereits in den 80er Jahren verboten war, bis zur aktuellen Top Liste der kritisierten Spiele heute. Ich kenne wie jeder begabte Teenie auch die Wege, selbst bei einem absoluten Besitzverbot mir diese Software zu besorgen. Wenn es ein Skandalspiel gibt, habe ich es wahrscheinlich gespielt. Die Horrorschilderungen der Medien und Politiker sind zu großen Teilen einfach nur falsch. Gewusst gestreute Übertreibung, um Meinung zu machen. Was nicht mal geleugnet wird – entsprechende Vorwürfe ernten in der Regel nur ein Schulterzucken oder dumme Sprüche. Die propagierte Endlösung: Produktionsverbot & Vertriebsverbot ist unwirksam und in Sachen Amokläufen nicht zielführend. Eine billige Augenwischerei zum Verdecken der Machtlosigkeit allgemein und der Unfähigkeit das Problem an der Wurzel anzugehen.

Wir haben heute im Jahr 2009 einen effektiven, fast schon übertriebenen aber definitiv an Bevormundung mündiger, erwachsener Bürger und Steuerzahler grenzenden Jugendschutz in der Computerspiele Branche, der funktionieren könnte, wenn die Einhaltung der jetzt schon gültigen Bestimmungen endlich mal durchgesetzt werden würde – und wenn das Elternhaus ein Minimum an medialer Verantwortung für den Medienkonsum ihrer Kinder übernehmen würde. Anstatt Unsinn über Killerspiele zu verbreiten, könnten die Energien auch genutzt werden, die Medienkompetenz von Eltern zu stärken. Aber Nein, das erfordert, aktiv zu werden anstatt dumme Parolen zu schwingen! Es ist kein Hexenwerk, zu kontrollieren, was Sohnemann im abgedunkelten Kämmerlein so treibt. Es ist kein Hexenwerk dafür Sorge zu tragen, dass der Handel seine Verantwortung wahrnimmt und keine für Jugendliche verbotenen Spiele an Schulkinder verkauft.

Statt dessen stellt sich die CDU/CSU und die Verräterpartei SPD hin und predigt einen hanebüchenen Blödsinn über dubiose Killerspiele, die man verbieten müsse – die in der Form wie sie von erregten Politikern beschrieben werden gar nicht existieren – und deren real existierende Vorbilder schon seit Jahren aufgrund der bereits bestehenden Gesetze gar nicht in den Besitz von Jugendlichen kommen dürfen. Die so objektiven, fairen, neutralen, Öffentlich Rechtlichen Sender stehen den kreischenden Privaten in nichts nach und verfälschen lustig Material, streuen Lügen, Effektheischend zusammengeschnitten Ekelbilder und brillieren vor allem in Ignoranz. Als krönender Abschluss wird man als bekennender Gamer (wieso verdammt muss ich mich eigentlich für mein Hobby ständig rechtfertigen?) von einem Minister der CSU Joachim Herrmann in einer Pressemitteilung als Verbrecher und Kinderschänder tituliert? (weitere Quellen hier oder hier oder..) Und so ein P… soll ich wählen?!

Aber es kommt noch schlimmer.

Ich bin auch noch Internet Experte. Ich arbeite, ich konsumiere, kommuniziere – ich lebe – nicht nur, aber auch im Internet. Vom ersten Akustikkoppler in den späten 80ern zur eigenen Fido Mailbox(und Telefonrechnungen in den tausender Bereichen) und den ersten Datennetzen, über CompuServe, Prodigy, AOL, EOL zum weltweiten WWW. Ich habe Computer vernetzt, habe Webseiten gebaut, “intelligente” Agenten für Datennetze & das Internet geschrieben, Datentransferprotokolle ausgearbeitet, Web Infrastruktur errichtet, habe Datenbanken und Anwendungen ins WWW gestellt – aber noch nie Kinderpornographie “konsumiert” und bin in all den Jahren auch nicht zufällig drüber gestolpert. Die Politiker betreiben eine unerträgliche Pauschalisierung und stellen alle Netaffinen, die sich gegen Zensur wehren, unter Generalverdacht.  Ich kann die Stopp Schild Technologie übrigens tatsächlich verstehen, kann mir ein Urteil über deren Effektivität, deren Sinn und deren Gefahren erlauben, ich kann Jedem in 2 Minuten (wie jeder andere auch, der Google.de tippen kann) erklären, wie er die Stopp Schilder für sich abschalten kann. Ja, ich hab  meinen Abgeordneten immer wieder mal angeschrieben – ohne jemals Antwort zu bekommen. Ich habe die Petition gegen die Internet Sperren mit Namen und Anschrift unterzeichnet, um die unter dem zynischen Vorwand des “Schutzes der armen missbrauchten Kinder” nutzlosen Sperren die von der CDU auf Biegen und Brechen durchgeprügelt werden soll zu verhindern – welche letztendlich zum Ziel hat eine verfassungswidrige Zensur des Internets (selbst Bundesjustizministerin warnt davor) in Deutschland für ganz andere Inhalte zu implementieren. Z.b. auch um ungeliebte Computerspiele zu blockieren. Und muss mich zu guter letzt dafür von Frau von der Leyen & Co wiedermal als Pädokrimineller beschimpfen lassen. Nicht zum ersten Mal – bereits in den späten 90er hätte ich als Folge des CompuServe Skandals um Felix Somm lt. unseren Politikern, Medien und hirnlosen Mitmenschen schämen sollen, weil ich als Nutzer von Compuserve und später dem Usenet wohl pervers sein muss. Ich bin es verdammt nochmal leid.

Wie soll ich eine Partei wählen, die mit völliger Ignoranz populistischen Dünnschiss über ein Thema verbreitet, auf dem ich mich auskenne? Wie soll ich so einer Partei mein Vertrauen schenken? Wenn die in Gebieten wo ich mich auskenne so eine gequirlten Mist erzählen – woher nehm ich die Gewissheit, dass in anderen, wichtigeren Bereichen, die meine Kompetenz übersteigen, nicht der selbe Bockmist fabriziert wird?!

Daher freue ich mit über jedes verlorene Prozent der CDU/CSU und der Verräterpartei SPD. Daher hab ich zum letzten Mittel der Protestwahl gegriffen, das mir noch bleibt. Wenn die Demonstration der Gamer wie in Karlsruhe Schule machen, werde, werde ich vielleicht auch nochmal auf die Straße gehen. Aber CDU/CSU oder die Verräterpartei SPD wählen, dass kann ich nicht mehr. Ein ganz kleines bisschen hoffe ich, vielleicht fernab jeglicher Realität, das die Verluste der CDU ein bisschen auch auf dieses unleidige Zensur & Killerspiele Aktionen zurückgehen und dass die Herren Politiker endlich aufwachen.

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