Apr 12 2009

Testbericht Freecom Network Drive 500 – Billig NAS

veröffentlicht in Kategorie Computer  

Im lüfterlosen silberschwarzen Alu Gehäuse des für 119,- Euro im örtlichen Media Markt erstandenen Freecom Network Drive 500 auch bekannt als “FND 500” kommt eine Samsung HD502HI 500 GB SATA 300 Festplatte mit 5400 RPM, welche einzeln etwa 60 Euro kosten würde. Die Platte ist bekannt für den leisen Betrieb und Energieeffizienz. Leider auch für etwas langsame SpinUp Zeiten, aber dazu gleich mehr.

Komischerweise sollte eigentlich lt. Beschreibung eine 7200er Platte drin stecken, die Samsung aus der Eco Green Serie ist aber definitiv eine 5400er, dafür hat sie auch 16MB Cache anstelle der gelisteten 8MB. Da die Performance der Platte eh vom lahmen Controller gebremst wird, ist das wahrscheinlich eher gut so, denn langsamere Umdrehung = Weniger Lärm und weniger Stromverbrauch und Abwärme.

An Anschlüsse gibt es einen USB 2.0 sowie einen 10/100Mbit/Sec LAN Port. Wobei immer nur einer der beiden Anschlüsse gleichzeitig benutzt werden kann. Sehr schön gemacht ist dagegen das externe Netzteil, das mit einem schlanken Eurostecker wesentlich freundlicher zu meinen Steckdosenleisten ist, als die gängigen Steckernetzteile der Konkurrenz.

Die Platte kann per DHCP ins LAN integriert werden, oder auch per fix vergebener IP, ein DHCP Server kann aktiviert werden, aber das überlasse ich in der Regel meinem Router. Ein simples aber funktionales Web Interface hilft bei der (spärlichen) Konfiguration. Das Freecom Network Drive unterstützt SMB Netzwerk Shares – allerdings ohne irgendeinen (Passwort) Schutz, sowie einen (abschaltbaren) FTP Server, der Gott sei Dank mit User/Passwort Schutz für einzelne Ordner eingerichtet werden kann. (Anynomous mit wahlweise nur Lese- oder Schreib-/Lese Zugriff möglich). Die Spitzfindigkeit, den nicht vorhandenen SMB als “Share Level Security” zu titulieren halte ich schon als sehr frech.

Größtes Ärgernis der Freecom Network Drive 500 ist allerdings die lausige Performance über den LAN Port, die Freecom Hotline spricht von einer nutzbare Übertragungsgeschwindigkeit von ca. 3.5 MB/sec, mehr würde der verwendet Prozessor nicht hergeben – so heißt es im Forum. Hier scheint es ein paar Änderungen in den neueren Revisionen gegeben zu haben, mein Model mit Revision “H” am Ende erreicht teilweise bis zu 6MB/sec (von maximal nutzbaren 12MB/Sec im 100mbit/sec LAN) – aber auch nur beim Transfer einer durchgehenden großen Datei (hier ein 15GB Backup Image). Beim Transfer vieler kleiner Dateien bricht der Durchsatz ein auf mickrige 1.5MB/sec. Damit ist das Freecom Network Drive 500 trotz allem das zweit langsamste NAS Gerät, das mir jemals unter die Finger gekommen ist. (Netgears StorageCenter SC101 Test hier war langsamer und dazu noch unzuverlässig).

Eine weitere Änderung scheint es im verwendeten Dateisystem gegeben zu haben, zwar nirgends klar dokumentiert, heißt es im Freecom Forum, dass FAT32 verwendet wird. Das deckt sich auch mit dem Rat der Hotline, unter 12 Zeichen in Verzeichnisnamen zu bleiben. Allerdings gelingen mir auch Transfers über 4GB max. Dateigröße hinaus, was eigentlich mit FAT32 nicht möglich sein sollte. Geblieben auch in meiner Revision sind Probleme beim Löschen von Verzeichnissen.

Nettes Feature: im Web Interface kann man einen Inactivity Timer für die Platte eingeben, nach der die Platte in den Schlafmodus geht. Das spart Strom, verringert die eh schon wenigen Geräusche – aber durch die langsame SpinUp Zeit dauert der nächste Zugriff dann schon merklich länger.

Die Platte – nein das Freecom Gehäuse drum herum – ist zwar stinkend langsam, aber soweit zuverlässig im Betrieb, auch bei großen Dateitransfers. Allerdings konnte ich bei der stundenlangen Übertragung eines Backups eine deutliche Erwärmung des Alu Gehäuses feststellen, so dass man hier ein bissl auf den Standort achten sollte: frei stehend mit ausreichend Luft zum Atmen. Schlisst man die Platte statt über LAN über die USB 2.0 Schnittstelle an, erhält man brauchbare Transferraten, aber dafür kauft man kein NAS,

Die mitgelieferte Backup Software “NTI Shadow” für MAC OSX und Windows XP/Vista ist guter Durchschnitt, aber auch kein wirklicher Kaufanreiz.

Der einzige wirkliche überzeugende Punkt für Freecoms Network Drive ist die Tatsache, dass die Platte geradezu unhörbar ihren Dienst verrichtet. Die Platte steht im Moment ca. 1 Meter von mir weg auf dem Schreibtisch und ich kann sie nicht hören. Weder im Idle, noch während einem Kopiervorgang. Das – und nur das – ist der Grund, warum ich die Platte nicht am nächsten Tag wieder in den Media Markt getragen habe. Sie steht nun in einem Sideboard im Wohnzimmer und in den ganzen Wochen seit dem noch nie ist sie mir aufgefallen – bis auf die blaue Status LEDs. Achja, und die Chip verlieh den Titel “Stromsparendstes NAS im Test”.

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