Dec 24 2008

IMAP oder POP3 – was soll ich nutzen?

veröffentlicht in Kategorie Computer  

Zwei Möglichkeiten, auf sein Postfach zuzugreifen, aber welche ist die “Bessere”? Im Endeffekt kann man mit beidem seine eMails in Outlook & Co lesen, die Crux liegt in folgenden Unterschieden:

  • Bei IMAP verbleiben die eMails grundsätzlich immer im Postfach, solange bis sie manuell durch den Benutzer gelöscht werden. Ein eMail Programm, welches via IMAP die eMails liest, bezieht bei jedem Aufruf erst mal die aktuelle Liste aller eMails im Postfach selber. Dabei wird nicht die vollständige Nachricht übertragen, sondern erst mal nur die “Kopfzeilen” – der Header der Nachricht (und auch deren Zustand). Anhand dieses Headers kann man nun entscheiden, ob man die Nachricht gleich löschen will, ohne diese erst vollständig übertragen zu müssen – dies spart Bandbreite.
  • Ein eMail Programm auf POP3 konfiguriert downloadet alle neuen Nachrichten seit dem letzten Zugriff und löscht eine einmal downgeloadete eMail automatisch aus dem Postfach und speichert fortan diese lokal auf dem PC.

Jetzt muss man allerdings dazu sagen, dass diese Grenze immer mehr verwischt, so kann man dem POP3 eMail Programm heute in aller Regel sagen, dass die downgeloadeten eMails auf dem Server verbleiben und nicht, oder erst in xx Tagen gelöscht werden sollen – auf der anderen Seite kann man bei IMAP heute in der Regel auch sagen: hol bitte sofort die komplette Nachricht ab und nicht nur erst mal die Kopfzeilen einer Nachricht, was das “Durchblättern” von vielen eMails etwas flüssiger gestaltet.

Nutzt man nur einen PC, ist die Sache noch relativ einfach: POP3 und gut ist. Vor allem, wenn der Provider nur eine sehr geringe Menge an Speicherplatz für das Postfach bereit stellt, ist es sinnvoller, die eMails lokal zu speichern und nicht auf dem Server zu belassen – dadurch verhindert man, dass neue Mails wegen Überfüllung des Postfaches (“MAILBOX FULL”)  abgewiesen werden.

Nutzt man jedoch mehrere PCs, dann wird IMAP sehr interessant.

IMAP oder POP3 – Ein Fallbeispiel aus der Praxis:

Nehmen wir an, wir lesen unsere eMail am heimischen PC und im Büro. Beim POP3 Verfahren (mit sofortigem Löschen der Nachricht nach dem Abholen), haben wir unsere eMails über alle beide Geräte verteilt. Was die Suche nach einer bestimmten Nachricht extrem umständlich macht (Wo ist die gespeichert, hab ich diese Nachricht nun daheim oder im Büro downgeloadet?).

Also Denken wir uns: “Hah! Kein Problem, dann sag ich dem Rechner im Büro einfach: Du löschst die Nachrichten nicht, nur der PC daheim soll die Nachrichten löschen.” So haben beide PCs immer alle Nachrichten. Problem gelöst? Nur scheinbar, denn nun haben wir effektiv alle eMails doppelt und ich muss sie nun auch doppelt lesen (“als gelesen markieren”), jeden Spam doppelt löschen, jede Aktion, die ich auf eine eMail anwende, muss ich nun auf jedem PC ausführen. Bei geringem Mailaufkommen und nur 2 Rechner ist das noch kein Problem, aber jetzt lasst uns mal 100 Spams im Büro aus dem Postfach löschen nur um dann Heim zu kommen und die selben 100 Spams nochmal aus dem Postfach löschen zu müssen. Oder es kommt neben dem Rechner zuhause, dem im Büro noch ein Notebook und ein Handy mit eMail Zugang dazu? Alles mal 4 wäre das Resultat.

Hier kann IMAP seine Vorteile voll ausspielen. Wie ich anfangs bereits gesagt habe, ist der primäre Aufbewahrungsort der eMail der Mailserver selber, die Masterliste, der zentrale Punkt, mit dem alle PCs ihren eMails Bestand vergleichen. Der Rechner im Büro, Zuhause, (das Notebook, Handy, etc) gleicht also bei jedem Zugriff auf das Postfach erst mal den Bestand der eMails mit dem Server ab. Sowohl der Rechner im Büro, als auch der Rechner zuhause (und alle anderen) haben immer automatisch den identischen Postfachinhalt. Lösche ich mit dem Handy eine Spam eMail aus dem Postfach, ist der Spam auch auf dem PC zuhause und überall sonst verschwunden. Wenn ich im Büro eine eMail gelesen habe, ist diese auch daheim als bereits gelesen markiert.

IMAP funktioniert allerdings nur dann so gut, wenn ich überall wo ich eMails lesen möchten auch Internet Zugang habe – am besten durchgehend solange ich mein eMail Programm benutze. IMAP macht “offline” – also wenn ich nur gelegentlich mal Internet Zugang habe – nur wenig Spaß, weil IMAP auf die Kommunikation mit dem Postfach als “zentrale eMail Sammlung” angewiesen ist – hat man nur unregelmäßig Internet Zugang ist kann es sinnvoller sein mit POP3 zu arbeiten. Die Frage muss also sein: kann ich dort, wo ich die eMail lese, bei Bedarf jederzeit ins Internet oder nicht?

Fallstricke:

  • Wenn ich wie im o.g. Beispiel die eMails mit 2 POP3 eMail Programmen doppelt auf meinen PCs speichere, hab ich immer noch eine Sicherheitskopie auf dem zweiten Rechner, wenn ich eine Nachricht mal aus Versehen oder voreilig gelöscht habe, bzw. ein Fehler auftritt. Wenn ich per IMAP eine Nachricht von einem PC aus löschen lasse, ist die bei allen anderen PCs auch weg.
  • Selbst das größte IMAP Postfach wird irgendwann mal voll sein. Neue eMails werden dann erst wieder zugestellt, wenn man durch Löschen alter Nachrichten Platz geschaffen hat. Also muss man sich für diesen Fall eine Langzeit Archivierung überlegen – in MS Outlook gibts dazu die Autoarchivierungsfunktion, die eMails dann aus dem Posteingangsordner in den Archiv Ordner verschiebt. Bei POP3 ist das Postfach spätestens, wenn der (aus o.g. Beispiel) HeimPC die Nachricht geholt und dann gelöscht hat, wieder leer und wird niemals voll laufen.

Übrigens: ein gemischter Betrieb von POP3 und IMAP ist problemlos möglich, die meisten Postfächer, die ein zusätzliches WebInterface anbieten, nutzen IMAP fürs WebInterface und POP3 für den Abruf über den PC. So könnte man nun z.b. auch den PC daheim per IMAP betreiben und das Notebook, was nur abends Internet ANschluss hat, per POP3 (ohne löschen) benutzen.

Aus Provider Sicht:

IMAP bedeutet zunächst einen etwas höheren Resourcenbedarf für Mailserver als POP3. Dazu tendieren die Nutzer von IMAP dazu, ihre eMails für immer und ewig, bis dass Postfach überläuft und noch länger, auf dem Server liegen zu lassen – um dann anzurufen, warum die eMail XY nicht zugestellt werden konnte, oder warum es solang dauert, bis die Mails abgeholt werden (“weil da 20.000 Mails drin stecken du Dödel…” wäre zwar eine passende, aber undiplomaische Antwort.). Vielleicht ist deswegen nicht jedes kostenlose Postfach oder Postfach bei den günstigsten Tarifen IMAP fähig bzw. nur gegen kostenpflichtigen Aufpreis erhältlich.

IMAP funktioniert beispielsweise bei den in den “Private Homepage”-Paketen der 1&1 AG, oder beim kostenlosen Google eMail Konto. Bei dem im T-Online Internet Zugang enthaltenen Postfach kostet IMAP allerdings extra, bzw. wird erst mit dem erweiterten Mailpaket, welches auch SMTP Relaying anbiete, angeboten.

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One Response to “IMAP oder POP3 – was soll ich nutzen?”

  1. WM-IT » POP3 oder IMAP?on 06 May 2009 at 15:06

    […] Mountain Prophet Author: Manuel Wenner Categories: E-Mail Tags: EMail, IMAP, Outlook, POP3 Kommentare (0) […]

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