Apr 03 2008

USV Mustek Powermust 1000 USB

veröffentlicht in Kategorie Computer  

Mustek, bekannt vor allem für preiswerte Scanner, hat schon seit einer Weile Unterbrechungsfreie Stromversorgungen im Angebot, auffälligstes Merkmal: der günstige Preis. So schlägt die Mustek Powermust 1000 USB nur mit 99,- Euro (bezogen bei www.conrad.de) zu Buche und das bei einer Leistung von 1000VA -genug auch für anspruchsvolle PCs.

Aber fangen wir von vorne an, die technischen Daten der USV:

  • Leistung: 1000VA / 600 W
  • Betriebsart: Line Interaktiv
  • Geeignet: für 110-115V und 220-240V
  • Ausgangswellenform: Angepasste Sinuswelle
  • Akkus: 2x 12V 7Ah
  • Lade zeit: von 0 bis 90% in 8 Stunden
  • Schaltzeit: 4-6ms
  • Filter: Überlastschutz, Überspannungsschutz, AVR Funktion (Netzfilter) zur “Reinigung” des Netzstroms.

Geliefert wird ein schwarzer Kasten, 13,8 KG schwer, 36x14x18cm groß, stabiles Metallgehäuse mit seitlichen Luftschlitzen aber billigst anmutendes Plastik an der Front. Die Front “zieren” insgesamt 6 kreisförmig und den Ein-/Aus Knopf angeordnete LEDs, 5 grün, eine Rot. Die erste Grüne dient als Power-LED, mit den nächsten 4 grünen LEDs wird während des normalen Betriebes die aktuelle Auslastung angezeigt (im Akkubetrieb die noch verbleibende Kapazität) und die rote LED leuchtet im Falle eines Fehler auf: Überlast, Wartungsklappe offen, etc. Im Akkubetrieb blinkt die Power-LED und die USV piept in etwas erhöhter Zimmerlautstärke vor sich hin. Nicht gerade arg laut, aber wohl noch ausreichend. Das Piepen kann man mit der mitgelieferten WinPower Software auch abstellen.

Zum Thema laut: Leider hat Mustek der USV einen rückseitigen Kühler verpasst, welcher mit gut hörbaren < 40dbA im Normalbetrieb, bis zu < 45dbA im Akkubetrieb auf sich aufmerksam macht. Leise ist das Ding also gewiss nicht. Das ist ein Nachteil.

Wenn wir es gerade von der Rückseite haben, auf der Rückseite der Powermust 1000 USB finden wir eine 9polige serielle Schnittstelle und den USB Anschluss zur Verbindung mit der Shutdown Software auf dem PC, dann 4 Stromausgänge (alle Akkugestützt, kein einziger Ausgang “nur gefiltert”), ein Schraubverschluss zum Zugriff auf die eingebaute Sicherung und 2 RJ-9 Buchsen für den Modem/Telefon Überspannungsschutz.

Mitgeliefert wird ein USB Kabel, 2 Strom-Anschlusskabel z.b. für PC und Monitor, ein serielles Kabel (9pol Trapez). Ein zwar daumendickes aber sehr dürftiges Handbuch in zig Millionen Sprachen (dafür aber nur so ca. 10 Seiten pro Sprache) – wenig hilfreich, wenn jemand vorher noch wie was mit USVs am Hut gehabt hatte, sowie eine CD mit der Shutdown Software Winpower (nur für Windows Betriebssysteme) in mehreren Sprachen, auch Deutsch wählbar. Auf http://www.ups-software-download.com/winpower.htm findet man zusätzlich noch Software für Linux/Unix/Mac, etc. Diese Versionen haben wir aber nicht getestet.

Unsere Erfahrungen mit der Mustek USV:
Angeschlossen zum Testen haben wir einen Intel P4 3GHz Northwood, ATX 320W Netzteil (Fortron), 2x IDE Festplatten, ein DVD Brenner, ATI Radeon X800PRO Grafik, auf Intel basierten Noname Board inkl. Sound und Netzwerk on Board, 1024 MB RAM, TV Karte und die üblichen Verdächtigen, USB Maus, Tastatur, Docking Station für den PDA und dazu noch 3 zusätzliche Gehäuselüfter. Dazu 2 TFT Displays, 1x 19″ und 1x 17″ und ein billiges Aktivboxenset. Mit dieser Ausstattungen kommen wir auf eine Auslastung von ca. 20%, da ist also noch ordentlich Luft nach oben offen, entsprechend hoch fällt die Überbrückungszeit bei Stromausfall aus: ca. 20 Minuten Betrieb über den Akku sind locker drin. Die Arbeit als Notstromversorgung/Filter verrichtet die USV problemlos, die Schaltzeit ist schnell genug, um dafür zu sorgen, dass sich der angeschlossene PC nicht verschluckt, wenn die USV von Netzstrom auf Akkubetrieb umschaltet.

 
Sollte die USV unsaubere Netzspannung entdecken, wird automatisch im sogenannten AVR Modus der PC mit gefiltertem Strom versorgt. Das Netzteil dieses Test-PCs schaltet schon bei kleinsten Schwankungen im Stromnetz ab, z.b. wenn die Klimaanlage anspringt, etc. Seitdem die Powermust 1000 USB an den TestPC angeschlossen ist, lässt sich das Problem nicht reproduzieren. Die Filter arbeiten also zuverlässig und schnell.

Nicht ganz zufrieden sind wir mit der arg überfrachtet Shutdown Software WinPower, auch hier lässt die von Mustek dazu gepackte Anleitung in Form einer knappen Onlinehilfe-Datei zu Wünschen übrig. Sie wirkt dazu arg antiquiert (DOS Fenster arbeitet Stapeldatei beim Start ab..) Ansonsten ist Winpower netzwerkfähig, remote steuerbar und bietet dazu noch zig Einstellungen, Protokollfunktionen, ein Statusdisplay, Benachrichtigungsfunktion darunter für eMail, Windows Nachrichtendienst, MMS und Pager – ist von dem her also gar nicht mal schlecht mit Funktionen ausgerüstet, dafür etwas verwirrend am Anfang.

Aktualisierungen gibts für die Software über die Mustek Homepage keine, die mitgelieferte Version is Asbach Uralt und im Netz findet sich auch nicht viel brauchbares zum Thema WinPower. Einzig die bereits oben erwähnte Seite, wo in unregelmäßigen Abständen Updates veröffentlicht werden ist uns bekannt.

Dummerweise gelang es uns auch nicht, eine bessere Software aufzutreiben, die mit der Mustek USVs auch kommunizieren kann. Das WinXP eigene USV Modul kann mit der Mustek leider gar nichts anfangen, Vista auch nicht.

Die Standardeinstellungen der Winpower Software sind nur wenig sinnvoll: Da nicht viele Windows XP Rechner es schaffen, wirklich innerhalb der voreingestellten 2 Minuten komplett abzuschalten, muss der erste Schritt wohl erst mal sein, die Abschalt Parameter sinnvoll an die Gegebenheiten des eigenen PCs anzupassen. Stellt man das nicht richtig ein, dann kann es passieren, dass die USV nach ner ein paar Minuten meint: “Ok, der PC müsste nun eigentlich aus sein, ich kann nun abschalten”. Dabei klemmt die USV dem im Herunterfahren befindlichen System dann einfach den Saft ab. In unserem Test mit o.g. PC System hatten wir die Standardeinstellungen aktiv. Nach den 10 Minuten Überbrückungszeit begann WinPower das Herunterfahren des Systems. Zu diesem Zeitpunkt war die USV also 10 Minuten im Akkubetrieb (wie gesagt bei ca. 20% Auslastung) und meldete noch 65% verbleibender Akkulaufzeit. Jedoch waren die besagten 2 Minuten zu optimistisch. 3-4 Minuten braucht der TestPC bis wirklich alles beendet ist, also würgte uns die USV wegen der falschen Einstellung mitten im Herunterfahren den PC ab. Das hätte man sich dann grad auch schenken können, ein Shutdownsoftware, die nicht wartet, bis der PC heruntergefahren wurde, ist eher gefährlich als nützlich. Eine Ausschaltzeit von 5 Minuten funktioniert dagegen wesentlich besser.

Weitere Kritikpunkte: die Akkuladestandsanzeige wird nur dann korrekt angezeigt während wir im Akkubetrieb sind – ansonsten steht sie auf dem WinPower Display grundsätzlich bei 100%, das wird wohl ein Bug sein. Allgemein scheint die Akkuzustandsanzeige mehr als Schätzwert als eine verbindliche Anzeige des Ladezustandes zu verstehen sein.

Der Spottpreis von 99,- Euro macht viele der kleinen Macken dann doch wieder vergessen. Billiger findet man “heute” keine 1000VA USV. Wir vergeben daher trotzdem 8 von 10 möglichen Punkten und geben gleich noch folgenden Hinweis: Wer bislang aufgrund der hohen Kosten keine USV für seinen PC anschaffen wollte, erhält mit der Mustek Powermust 1000 USB ein gutes weil günstiges Angebot. Andere USVs in der selben Leistungsklasse kosten meist doppelt wenn nicht sogar 3x soviel – normalerweise Kosten die Ersatzakkus der bekannten Markenhersteller schon mehr als die komplette Mustek USV – allerdings ist dort häufig die mitgelieferte Shutdown Software deutlich besser.

Nachträge:

  1. Inzwischen gibt es auch eine Vista taugliche Version der WinPower Software. Doiwnload hier: http://www.ups-software-download.com/winpower.htm Die Seite ist zwar in Englisch, aber die dort herunterladbare Software ist mehrsprachig und kann auf Deutsch umgestellt wernde. Zur Installation benötigt man eine Seriennummer, diese steht im Handbuch/Beipackzettel der mit der USV mitgelieferten WinPower Version. Nach Neuinstallation der Software ist das admin Passwort überigens wieder auf das Standard Passwort “Administrator” bzw. “administrator” zurückgesetzt. Diese Version funktioniert recht zuverlässig mit Vista32 bit, es sind uns keine Probleme aufgefallen bis jetzt. Wichtig ist bei eventuell aufpoppenden Warnungen der Vista Firewall der Zugruff zu gestatten, da sonst keine Kommunikation mit der USV möglich ist.
  2. Im Langzeit Eisatz ist uns aufgefallen, dass der eingebaute Lüfter doch eher aus der Billig Fraktion stammt und nun deutliche Lärmbelästigung verursacht. Müsste man wohl mal gelegentlich gegen ein hochwertigeres Lüftermodell tauschen, dazu müsste die USV aber komplett zerlegt werden, dazu hatten wir noch keine Lust.
  3. Was uns bei der letzten Bastelarbeit im Inneren der USV aufgefallen ist, ist dass die Frontabdeckung, welche den Zugriff zu den 2 verbauten Blei Akkus ermöglicht, nach 4-5 Mal öffnen nicht mehr richtig schliesst und die USV nun mit Klebeband zusammengeklebt werden musste, damit der Frontdeckel ned ständig abfällt. Auch hier wäre etwas bessere Materialgualität wünschenswert gewesen. Nichts desto trotz verrichtet die Mustek Powermust weiterhin zuverlässig ihre Arbeit
  4. Nach inzwischen ca. 2,5 Jahren machen sich Ermüdungserscheinungen breit. Die Akkus halten beim aktuellen E6300/Gefore 8800GTS/2xHDD/22″ TFT nur noch knappe 6 Minuten und die Schaltzeiten (???) werden schlechter – oder die Sensibilität des Netzteils des angeschlossenen PCs nimmt zu, so das es schon dazu kommen kann, das der PC rebootet anstatt stabil weiter zu laufen, wenn der Strom grad nicht mehr so will. Angesichts des ehrwürdigen Alters tritt die USV nun den Ruhestand an. Meine erste USV, eine APC hat auch nicht länger gehalten…

One response so far

One Response to “USV Mustek Powermust 1000 USB”

  1. Matthiason 28 Feb 2012 at 20:04

    Danke für den guten Erfahrungsbericht. Ich habe derzeit 3 Powermust’s (2 x 2000VA und eine 600VA) im Einsatz. Deine Erfahrungen kann ich 100% bestätigen. Eine der 2KVA-USV hat nach 4 Jahren einen neuen Akkupack bekommen. Der Selbsttest lief nicht mehr, bei Stromausfall war auch die Überbrückungszeit minimal, einzig als Netzfilter war das Teil noch zu gebrauchen. Nach dem Akkutausch war wieder alles fein. Die ausgebauten Akkus liefern noch 11V Leerlaufspannung, aber das reicht wohl nicht mehr für sinnvolles Arbeiten. Der Hinweis mit der Einstellzeit zum Runterfahren ist absolut wichtig. Mein Server braucht mindestens die 5 Minuten zum Herunterfahren. Soviel Reserve muß man unbedingt einräumen + 1 Minute extra.

    Alles in allem recht brauchbar, leider kann man die Dauergeräuschkulisse nicht ignorieren. Die eingebauten Lüfter laufen auch, wenn die USV’s abgeschaltet sind. Ob das unbedingt notwendig ist, müßte mir ein Entwickler mal plausibel erklären.

    Viele Grüße!
    Matthias

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