Dec 28 2007

Mein schönstes Weihnachtsgeschenk 2007

veröffentlicht in Kategorie Lokales  

… war die blaue Papiermülltonne der Firma Kühl. Ich kann Euch gar nicht sagen, wie sehr mir das unzureichende Müllkonzept unserer schönen Stadt Markdorf in Baden in der Bodensee Region auf den Zeiger geht. Es ist die reinste Farce, wie die Herrn Lokalpolitiker, angetrieben von weltfremden Weltverbesserern, mit meiner Zeit umgehen. Die Zustände in Sachen Müll in der Bodenseeregion spotten jeder Beschreibung.

“Ich solle doch gefälligst mein Altpapier zu den Papiercontainern an den öffentlichen Sammelstellen “fahren”, wurde ich auf Anfrage angeraunzt, warum es denn bei uns in der Stadt keine Papiertonnen gibt. Zuerst musste ich ja mal herzhaft lachen. Wir fahren also mit dem Auto, jeder für sich, seinen Papiermüll spazieren. Das ist so wahnsinnig umweltfreundlich. Aber egal. Das ich mit dem Papier unterm Arm zum Müllcontainer *laufen* soll, hat er sich der Herr wohl nicht getraut zu sagen.

Klasse Idee mit den öffentlichen Müllcontainern übrigens. Nur wie immer völlig realitätsfremd umgesetzt. Leute, ich bin berufstätig. Solls noch geben, ja, Leute die tagsüber was arbeiten.  Bei Euren Papiercontainern ist es in der Zeit, wo ich nicht arbeiten muss, unter Strafe verboten, Papier einzufüllen. Riesige “Verbotsschilder” weisen ausdrücklich darauf hin, das am Morgen, in der Mittagspause und nach Feierabend die Befüllung nicht gestattet ist.  Und die Anwohner der Papiercontainer achten mit Argusaugen darauf, dass man ja nicht eine Minute zu früh sein Papier einfüllt. Die haben scheinbar nix besseres zu tun.

Soll ich mir nun einen Tag Urlaub nehmen, damit ich meinen Papiermüll los werde?

 

Ich habe die Nase gestrichen voll, einmal die Woche mit einem Berg Altpapier durch die Gegend zu ziehen und stets mindestens zwei, manchmal auch drei dieser Container anfahren zu müssen, bis ich meinen Müll endlich los werde. Denn das Aufstellen von Papiersammelcontainern ist noch nicht genug, liebe Müllverantwortliche der Stadt, die sollten auch gelegentlich mal geleert werden. Daran, also am Leeren diverser Müllbehälter, krankt es aber in der Bodenseeregion geradezu chronisch.

Die Firma Kühl stellt jedem, der es möchte, seine eigene Papiertonne vor die Haustüre, völlig kostenlos. So groß wie man mag. Und leert diese Tonne auch einmal im Monat. Ich kann jetzt Nachts um 3:30 schnell vor die Haustür treten und die Zeitungen und Werbezettelberge entsorgen, die mir den Tag über in den Briefkasten gestopft wurden – ungefragt. Einfach so. Ich bin im 7. Himmel. Nie wieder 2 Tage lang mit Papiermüll im Kofferraum durch die Gegend fahren, weil ich die erlaubten Befüllungszeiten verpasst habe oder aber die Sammelstelle mal wieder in Müllbergen ersäuft und kein Vordringen zu den Containern mehr möglich ist.

Die Container sind eh lustig. Die Einfüllschlitze wurden inzwischen so klein gemacht, das man einen gefalteten Versandkarton gar nicht mehr rein werfen kann, nein, jetzt darf ich meine Kartonagen erst noch in handliche Stücke zerkleinern, damit ich die überhaupt in den Container rein bekomme. Bin ich denn der Einzige, der noch was Besseres zu tun hat, als Altpapier zu zerkleinern und dann spazieren zu fahren?!

Aber hier geht’s auch ums Geld…

Die Firma Kühl macht das nicht aus Spaß, sondern weil mit sauber getrennten Altpapier Geld verdient werden kann. Dieses Geld fehlt, wenn man sein Papier nicht mehr brav durch die Gegend zu den städtischen Sammelstellen trägt. Wie frech ist es doch, dass sich eine Firma erlaubt, hier mit einer bequemen und umweltfreundlichen Maßnahme dazwischen zu funken. So Frech, dass sich z.b. die Stadt Karlsruhe genötigt sah, dagegen vor Gericht zu ziehen. Oder die Stadtverwaltung hier am Ort sich genötigt sieht, ganz grauselige Warnungen auszusprechen, was alles passieren mag, wenn man sein Altpapier der Firma Kühl überlässt. Was soll denn schon groß passieren? Das niemand den Papiermüll abholt? LOL, genau das Problem haben wir ja jetzt schon.

Die Stadt Karlsruhe hatte wenigstens schon eine Recycling Tonne, sowas gibt es bei uns gar nicht. Es gibt kein Behältnis, wo man Papier einfüllen darf. Und selbst der Gelbe Sack mit dem grünen Punkt darf nicht mit Umverpackungen aus Karton oder Papier befüllt werden, obwohl diese den grünen Punkt tragen und die Hersteller für die Entsorgung aufkommen. Es ist einfach nur hirnverbrannter Schwachsinn, meine Herren Verantwortlichen aus der Lokalpolitik.

Ja, ich weiß, ein ortsansässiger Verein hat bisher immer durch quartalsweise Altpapiersammlungen seine Vereinskasse aufgebessert und dieser Verein fürchtet nun um seine Einnahmen. Aber: eine quartalsweise Entsorgung von Altpapier ist nicht ausreichend. Ich jedenfalls habe keine Lust, mir 3 Monate lang die Papierberge irgendwo zu stapeln, bis dieser Verein – völlig nachvollziehbar nur alle paar Monate – den Kraftakt Papiersammlung wieder vollbringen kann. Ein bürgerfreundliches Papier-Recycling System kann nicht durch einen Verein alleine gestemmt werden und die öffentlichen Papiercontainer in ihrer heutigen Form sind für die vollzeit berufstätige Bevölkerung eine Zumutung.

Ich sage Euch eines, wenn Ihr mir den privaten Altpapierrecycling Dienst nehmt, dann kipp ich in Zukunft meinen Papiermüll einmal die Woche vors Rathaus. Ich habe die Bevormundung und Idiotie satt, welche Aushängeschild der hiesigen Müllpolitik sind. Körnerfressende Biolatschentragende Umweltschützer können von mir aus mit Ihrem Papiermüll machen, was se wollen, ich jedoch wünsche mir ein Recyclingsystem, das nicht auf den Rücken der berufstätigen Bürger ausgetragen wird. Und die Firma Kühl gibt mir genau das, ein bequemes, sinnvoll, für mich kostenneutrales Entsorgungssystem, das umweltverträglicher ist, als wenn jeder seinen Müll auf lustige Containerrundfahrten bringt.

Kurz gesagt, es ist mir scheissegal, wer meinen Papiermüll abholt. Aber spazieren fahren tue ich ihn nicht mehr. Punkt. Höchstens noch vors Rathaus.

Ich setzte noch einen drauf: der Betroffene Verein möge sich bei mir melden und erhält von mir einmal im Jahr eine Spende, welche den Wert meines Papiervolumens um ein deutliches übersteigen wird.

 

Wer ebenfalls keine Lust mehr hat:

http://www.blauetonne-schlauetonne.de/

 

Und hier noch ein paar weitere Stimmen zur Blauen Tonne der Fa. Kühl

http://blog.tessarakt.de/archiv/2007/06/21/schlaue-stadte-mixen-papier-nicht-mit-mull/

http://blog.tessarakt.de/archiv/2007/09/26/blaue-tonne-schlaue-tonne/

http://www.suedkurier.de/region/friedrichshafen/art1063,2889847

http://www.suedkurier.de/region/friedrichshafen/kreis/art3229,2977898

2 responses so far

2 Responses to “Mein schönstes Weihnachtsgeschenk 2007”

  1. Sabineon 06 Jan 2008 at 20:08

    Hallo Stephan,

    du sprichst mir aus der Seele. Bin bei der Recherche nach der blauen Tonne auf deine Site gestoßen und habe mich sofort verstanden gefühlt.

    Hab mir soeben bei Kühl so ein blaues Teil bestellt.

    Grüße
    Sabine

  2. adminon 06 Jan 2008 at 20:41

    Hallo Sabine,

    Du wirst es nicht bereuen. Ich freu mich immer noch wie ein kleines Kind wenn ich an den Briefkasten laufen kann und die ganzen Werbebriefe gleich noch vor Ort entsorgen kann und gar nicht mehr ins Haus tragen muss.

    Ich bin grad am überlegen, ob ich nicht einfach nen Schlitz in den Deckel der Schlauen blauen Tonne schneiden soll und den Briefkasten abschaffe, dass würde gleich noch einen Arbeitsschritt einsparen.

    Übrigens macht Stark jetzt im Moment Konkurrenz, die verteilen jetzt hier im Bodensee auch Papiermülltonnen..

    PS: Hey, du hast meinen Namen rausgefunden :) Denic Eintrag?

    Edit: Stark is die 2. Firma hier, nicht Sitra. Das kommt davon, wenn man ständig nur mit Speditionen zu tun hat.

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