Dec 17 2005

Digitalkamera kaufen

veröffentlicht in Kategorie Computer  

Verarschung mit technischen Angaben

Vor allem die TV Versandhäuser sind prima Beispiele, wie man mit nichtsnutzigen Angaben versucht, Käufer in die Irre zu leiten.. Primitive Billigstkameras werden dort anhand diverser technischer Werte zu wahren Leistungsboliden schön geredet – und in Wirklichkeit hat man nix weiter als ein billiges Spielzeug ergattert. Schauen wir uns mal ein paar Punkte an, was dahinter steckt und wie man hier in die Irre geführt wird.

Die Auflösung:

Da wird marktschreierisch mit MegaPixel Auflösungen um sich geworfen, Kameras für 50 Euro mit mehr als 6 Millionen Pixeln – oder 6 MegaPixeln. Unwahrscheinlich. Wie schon vor zig Jahren bei den Scannern bedient man sich hier einer interpolierten Auflösung, das heißt, die tatsächliche Auflösung wird einfach per Software hoch gerechnet. So kommt das Bild dann am Ende zwar auch auf seine Pixelanzahl, nur wenn ich ein “1-Megapixel”-Bild um den Faktor 5 per Software aufblase – das genau passiert bei der Interpolation, dann hab ich die selben 1 Million Pixel wie ohne Interpolation, nur ist nun jeder Pixel 5 Mal größer als vorher. Das bringt rein gar nix. Und das sowas natürlich nicht die selbe Qualität hat, wie eine Kamera welche 5 Megapixel von Haus aus ohne Interpolation auflösen kann, dürfte wohl jedem klar sein. Die interpolierte Auflösung ist also völlig für die Katz. Es bringt nicht mehr Qualität und verbraucht zusätzlich noch wesentlich mehr Platz auf der Speicherkarte, so dass man weniger Bilder speichern kann. Entscheidend ist nur die wirkliche Auflösung. Diese Interpolierung kann man dann beim Ausdruck am PC / am Drucker selber noch anwenden – bzw. der Druckertreiber erledigt dass dann automatisch.

Dazu will ich gleich mal anmerken, das ein Anwender, der nur Bilder für die Homepage oder zum Betrachten am TV oder Computer machen will, wahrscheinlich mit 1 Megapixel auskommt. Wer Standard Bildformate 10x15cm ausdrucken will, dem reichen  2 bis 3 Megapixel. Nur wer größere Formate drucken will, braucht mehr Pixel. Wer seine Bilder in A4 Format drucken will, sollte so 4-5 MegaPixel ins Auge fassen – aber bitte nicht interpolierte Megapixel. 8+ Megapixel bieten eh nur Kameras aus dem Profi Lager mit entsprechendem Preisschild, da geht es primär darum, Bilder in einer Auflösung zu erhalten, die auch im klassischen Druck (Kataloge, Zeitschriften) noch eingesetzt werden können – dazu bedarf es wesentlich höherer Auflösung als fürs Bilder ausdrucken daheim oder über den Photo-Service.


Das Objektiv & der Bildsensor

Wichtiger wie die Pixelanzahl ist zum einen die Qualität des verwendeten Objektives, der Linsen und des Bildsensors. Taugt das Objektiv nix, erhält man halt am Ende Ende 2 Millionen matschiger Pixelbrei. Das hilft auch nicht wirklich weiter. Das ist das Problem der Handy-Kameras, Kameras am Schlüsselanhänger, etc die zwar inzwischen meistens 1.3 Megapixel Auflösung bieten, aber durch die kleinen billigen Plastikobjektive – kombiniert mit den billigen CMOS Sensoren kommt damit halt immer noch keine Freude auf.

So sind in der Regel die CCD Sensoren der namhaften Hersteller den billigeren CMOS Sensoren vorzuziehen, es gibt ein paar Ausnahmen im HighEnd Bereich, die aber in den billig Kameras nicht anzutreffen sind. (Anders gesagt, es gibt teure CMOS Sensoren, die den CCDs in nichts nachstehen, aber die sind nur in sehr teuren Kameras zu finden). Problem der billigen CMOS Sensoren sind starkes Bildrauschen und schwache Helligkeit sowie minderwertige Videoaufnahmen.

Größere CCDs (aktive Fläche) bringen meist auch etwas bessere Resultate als die kleineren CCD Vertreter, darum wird bei CCDs auch oft die tatsächliche aktive Fläche in den technischen Daten genannt. Wobei sich diese Faustregel “größeres CCD ist besser” dank der SuperCCDs in Waben Struktur von Fujifilm u.a. relativiert hat.

Im Niedrigpreis Segment findet man kaum Angaben zum verwendeten Sensor, drum ist der Teil wahrscheinlich unnütz, ich halte persönlich so, dass ich im Billigpreissegment um CMOS Sensoren einen Bogen mache, wenn ich denn das Wort irgendwo finden kann. Ist zwar sehr vereinfacht, aber bin bislang damit nicht so schlecht gefahren.

Der Zoom

Es gibt 2 Arten von Zoom, der optische Zoom und der digitale Zoom. Nein, eigentlich gibt es nur optischen Zoom und dann noch digitalen faulen Zauber. Digitaler Zoom ist für die Katz. Beim digitalen Zoom nimmt man einen Bereich eines Bildes, schneidet ihn aus, vergrößert ihn per Software und wirft den Rest des Bildes weg. Ist genau das selbe wie mit der interpolierten Auflösung – auch den digitalen Zoom, kann man bequem daheim am PC selber besser und gezielter in selbst preiswerten Grafikprogrammen machen, als wenn man es der Kamera überlässt. Zum einen hat man zuhause besser die Möglichkeit, den Ausschnitt zu wählen, als man das auf den kleinen, meist nicht sonderlich scharfen Displays der Kamera hat, zum anderen arbeiten höherwertige Bildbearbeitungsprogramme meist besser bei der Vergrößerung als es die Kameras selber tun und man hat mehr Einfluss auf das Ergebnis über die diversen Bearbeitungs- und Filterfunktionen.
Die Angabe digitaler Zoom ist also mal wieder für den Dummenfang prädestiniert. Der unbedarfte Neu-Käufer liest 10x digital Zoom und freut sich, dabei ist das Ergebnis des digitalen Zooms wenn man auf Qualität Wert legt einfach nur ungenügend. Der optische Zoom ist das Entscheidende, dort wird die Vergrößerung rein wie der Name schon sagt optisch durch das Zusammenspiel der Linsen erreicht, ohne Qualitätsverlust. Da gibts nix zu tricksen und zu pfuschen dran, optischer Zoom kann durch nix ersetzt werden. Per optisch Zoom herangeholte Bildausschnite nutzen die volle Auflösung der Kamera nur für diesen Bildauschnitt, so erreicht man die optimale Qualität für den Bildausschnitt – nachträglich/digital lässt sich das nicht in vergleichbarer Qualität realisieren. Wer also Zoom Funktion an seiner Digitalkamera will, der braucht optischen Zoom.

Das Problem mit dem optischen Zoom ist folgendes, damit ein optischer Zoom machbar ist, muss der Abstand der Linse zum Sensor vergrößert werden. Nimmt man nun so eine ultraflache Digitalkamera, geht das nicht – es ist einfach nicht genug Platz. (Übrigens: wer eine ultaflache Digitalkamera sieht, die mit Zoom ohne Angabe ob optisch oder digital wirbt, der kann meist davon ausgehen, dass es sich um digital Zoom handelt, weil das Objekt nicht bewegt werden kann.) Darum haben eben viele der sehr flachen Digitalkameras keinen oder nur kleine optischen Zooms, bzw. das Objektiv fährt aus dem Gehäuse heraus, wenn optischer Zoom benutzt werden soll. So ein 3fach Zoom einer Digitalkamera ist in der Praxis im Vergleich zur herkömmlichen Fotografie aufgrund der kleineren Brennweite allerdings auch nicht viel Wert, da ist nicht arg viel mit gewonnen, wenn es darum geht, weit entfernte Objekte heranzuholen – man sollte es also nicht überbewerten. Besser als gar nix allerdings auch. Sog. SuperZoom Digitalkameras mit 5x optische oder manchmal auch 7x  oder gar 10x optischem Zoom sind schon eher in Größenordnungen mit denen man arbeiten kann, aber die sind dann halt sehr ausladend, nix für die Hemdtasche. Beim optischen Zoom geht man immer der Kompromiss ein: viel Zoom = große, unhandliche Kamera. Schlanke Kamera = kaum optischen Zoom.

PS: Darauf achten sollte man, das man bei Kameras, die z.b. 3x optischen Zoom und darüber hinaus noch digital Zoom bieten, man die Kamera immer nur bis maximal am Ende des optischen Zoombereichs benutzt, damit sich der digital Zoom nicht einschaltet, sonst verschenkt man Bildqualität durch das Interpolieren. Ich schalte grundsätzlich den digital Zoom, sofern möglich, komplett aus, damit ich gar nicht in die Gefahr laufe ihn zu nutzen und so aus Versehen meine Bilder interpolieren zu lassen.

Unser Fazit:

Heute bekommt man im ElektroMarkt um die Ecke qualitativ einwandfreie 2+ MegaPixel Kameras teilweise mit optischem 3x Zoom von Markenherstellern für ca. 110,- Euro. Wer da also zum Billig NoName Teil aus der TV-Shop oder “Spielzeug”-Fraktion greift, welches vielleicht 30 Euro billiger ist, der tut mir irgendwie leid, denn im Endeffekt wird er wohl 2 mal kaufen.

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